Nicht so recht. Ich fühle mich halt in dieser Welt fehl am platz und überflüssig. Wieso geht es Dir nicht so?
Nu ja, manchmal ging es mir schon so und manchmal tut es das heute noch. Ich kenne das Gefühl, nicht zu verstehen, fehl am Platze zu sein, "anders" zu sein. Geht es nicht fast allen manchmal so?
Aber ich weiß nicht, warum - ich sehe darin einfach kein Drama. Ich bin nicht das Maß aller Dinge; also erwarte ich auch nicht, dass man mir entspricht. Sondern bin einfach entzückt, wenn es dann doch mal passiert. Ich stehe hinter dem, was ich bin und was ich tu, vertrete das, was ich vertreten kann. Aber für andere bin ich einfach nicht verantwortlich und das empfinde ich auch nicht so; würde ich es tun, wäre ich vielleicht so erschüttert wie du. Das heißt nicht, dass ich generell keine Verantwortung jenseits meiner Selbst übernehme, aber ich ziehe mir viele Schuhe einfach nicht an. Dabei maße ich mir aber nicht an, denjenigen zu verurteilen, dem sie halt passen. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich dankenswerterweise gezwungen wurde, das Leben und seine Zeit als kostbar zu schätzen und schon so viel mitgemacht hab, dass mich "Kleinigkeiten" nur wenig bis gar nicht tangieren.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Welt und ihre Bewohner einfach liebe. Liebe; nicht immer unbedingt mag - das ist ein Unterschied. Aber zwischen all dem Schutt und den Trümmern wachsen oft wunderschöne Blumen und dann bleib ich einfach stehen und schaue sie mir an

Denn mal ganz ehrlich: jeder hat nur seinen beschränkten Radius, in dem er schalten und walten kann. Und wenn man dort verantwortungsvoll waltet, ist das schon Welten wert. Viele kleine Menschen, viele kleine Schritte....du wirst die Menschen nicht ändern können, egal wie viel du klagst. Du kannst nur tun, was du tun kannst. Und darüber hinaus hast du ein Leben, welches du nutzen kannst und darfst. Und ich habe festgestellt, dass es gar nicht so wenige tolle Menschen gibt, die darin Platz haben. Wenn man den Raum mal dafür öffnet statt sich immer nur an den alten Missgriffen und Erfahrungen festzuhalten
Und am Heute ist nicht alles schlecht (und am Früher war nicht alles gut), denn wir hier in unseren Breitengraden müssen nicht mit Säbelzahntigern kämpfen, unser Essen jagen oder um unser Leben fürchten. Klar, da entsteht Langeweile bei manchem und die treibt mitunter seltsame Blüten. Aber man darf nicht vergessen - dieser Wohlstand setzt soviel Energie frei, wir haben so viele Kapazitäten...und die DÜRFEN wir nutzen, zur Innenschau, zum Wachstum, zur Erkenntnis. Würden wir alle noch ums Überleben kämpfen, hätten wir weniger Zeit zu motzen (oder wir würden über andere Dinge motzen) - doch ginge es uns wirklich besser? Werden wir nie wissen, weil: da die andere Option nie gelebt wurde, können wir alles Mögliche dorthin projizieren, Illusionen pflegen, tagträumen. Ohne Gefahr, jemals die Realität dort zu erleben und uns eventuell getäuscht zu haben.
Und um elegant die Brücke zum eigentlichen Thema zu schlagen: ich glaube nicht, dass es auf dem Mars anders wäre. Klar, in der ersten Zeit, wo man anderes zu tun hat als seine Eitelkeiten zu pflegen oder aus Langeweile Wohlstandsbaustellen zu eröffnen. Aber erstens kann Stress bei Menschen zu erheblichen Problemen im Miteinander führen und zweitens, wenn dann alles in trockenen Tüchern ist, geht das Spiel von Neuem los. Wie viele Idealisten haben schon alternative Gemeinschaften ins Leben gerufen - und doch holt sie das Spielchen auch in diesem geschützten Rahmen immer wieder ein. Warum? Weil es menschelt. Überall. Bei dir, bei mir. Denn so unterschiedlich sind wir alle gar nicht; nur auf andere Weise ein bisschen anders. Das wären wir auch auf dem Mars. Ändern lässt sich daran so schnell nichts. Und bevor man weint, kann man auch lieber lachen und das Ganze mit Humor nehmen, wenn man am Ende des Tages sieht: aber ich hab getan, was ich kann
