Am Anfang war das Wort

Wenn ich jetzt mal schau, dann sehe ich zwei Möglichkeiten einen Anfang zu begreifen:

1. Den Anfang eines Geschehens, wie wir es für gewöhnlich betrachten auf der Basis einer definierten Startposition auf der Zeitachse: z.B.: der Anfang meines Beitrags hier ist der erste Buchstabe, den ich (damals) schrieb (im Vergleich zu meinem jetzigen Zustand)

2. Der Ur-Anfang eines Geschehens, den ich durch Nachforschung nicht finden kann ist dagegen jenseits der Zeit: z.B. Bevor ich den ersten Buchstaben hier schrieb war etwas anderes und davor noch etwas anderes bis ganz zurück zum Ursprung, den ich nicht finden kann und für den ich dann halt einfach irgendein unbekanntes x setze. Da ich keinen Anfangszeitpunkt finde, kann ich auch keinerlei zeitlichen Bezug finden. Das Jetzt ist ohne jede zeitliche Ausdehnung.

Das eine scheint ganz konkret und greifbar (der Anfang eines Geschehens), das andere, das Jetzt ist mangels Zeitbezug vollkommen schwammig und unbestimmbar, obwohl es das einzig konkrete ist.
 
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"Arché" heisst das im Urtext. Das ist sowohl Anfang als auch Vollmacht (in der Interpretation von Daskalos) Als auch der Name einer der Engelshierachien, der Archai.

Wesenhaftes. Kein abstrakter "Beginn" oder ähnliches.
 
"Arché" heisst das im Urtext. Das ist sowohl Anfang als auch Vollmacht (in der Interpretation von Daskalos) Als auch der name einer der Engelshierachien, den Archai.

Wesenhaftes. Kein abstrakter "Beginn" oder ähnliches.

Das Wesenhafte, eine Grundsubstanz, ist das nicht eigentlich das, was wir immer suchen, wann immer wir einer Frage auf den Grund gehen wollen? Ich bin mit der christlichen Mystik nicht vertraut. Wie verstehen sie dort das Wesenhafte? Im Buddhismus streiten sie alles Wesenhafte ab, soweit ich das verstanden habe. Ist das nicth ganz anders bei den Christen?
 
Wort meint vielleicht Substanz. Ur-Substanz ist etwas ultimativ Greifbares, etwas, das nicht weiter aufgeschlüsselt werden kann, das eindeutig spürbar ist. Die Spürbarkeit scheint mir das Kriterium zu sein, wonach wir suchen. Das Erfassen und Gewisssein einer andauernden und letztendlichen Spürbarkeit, die nicht weiter hinterfragt werden kann. Etwas spüren kommt in der Wahrnehmung zustande aus dem Kontrast zu nichts spüren. Darum vielleicht die Schwierigkeiten, wenn wir nach dem Wesenhaften suchen jenseits von Unterschieden.
 
Das Wesenhafte, eine Grundsubstanz, ist das nicht eigentlich das, was wir immer suchen, wann immer wir einer Frage auf den Grund gehen wollen?

Üblicherweise heisst das "das Wesentliche", das ist in meinen Augen nicht dasselbe, aber verwandt. Das Wesenhafte ist ganz einfach das was mit Wesen, Bewusstseinen, Wesenheiten zu tun hat. Wie du und ich, Mystiker oder Atheisten, Gott oder Teufel, Engel oder Dämonen, Tiere oder Pflanzen. Wesen halt. Man könnte sagen "Schöpfungsprodukte/objekte" oder auch "Schöpfungssubjekte" aber das hiesse den Blick irreführen, da es sich bei Schöpfungen nie um Produkte handelt und bei Schöpfung nie nur um Produzieren. Vielleicht ist ein besseres Wort dafür "Seinsverwandlungen"?
Ich bin mit der christlichen Mystik nicht vertraut. Wie verstehen sie dort das Wesenhafte? Im Buddhismus streiten sie alles Wesenhafte ab, soweit ich das verstanden habe. Ist das nicth ganz anders bei den Christen?

Ich weiss kaum Bescheid über das was sich heutzutage Buddhismus nennt, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Siddharta Gautama das Wesenhafte negiert hätte. Soweit ich weiss wollte er aus dem Rad der Wiedergeburt und der Verhaftung in die Begierde nach Dasein hinausführen. Wäre da kein Wesen, das man hinausführen könnte, wäre die ganze Unternehmung wohl sinnlos, denke ich.
 
Es kann sich ja nur um den Beginn von (meinem) Sein handeln; was anderes kann ja gar nicht interessant sein. (So ehrlich kann man schon sein :-)

Gott (im Sinne von dasEine, Unteilbare) > erste Licht/Ton-Erfahrung (ein traditioneller Begriff) > Raum, Ausdehnung > Ich-bin (noch als Zustand) > Die Frage Wer?, mit der Antwort ICH!
und damit erfährst du dich in der Welt, die außerhalb von dir stattfindet: ich und Die Welt (dort). Dualität
(die sich immer mehr aufsplittet.

Und nie mehr wieder Antwort findet, auf diesem Weg der Antwortfindung
InnerHalb der Dualität.)
 
Ich hab das gerade noch ergänzt. Vielleicht "Seinsverwandlungen"? Oder mit dem Ausdruck des von mir sehr geschätzten Philosophen Herbert Witzenmann: "Wesentausch".

Dasselbe Wesenhafte erscheint nur verschieden, meinst Du das? Dann haben wir aber, wie sie im Buddhismus auch sagen, eine zweifache Sicht: 1. Die Erscheinung des Wesenhaften in den Formen(sog. "konventionelle Wahrheit") und gleichzeitig 2. das Fehlen von jeder Wesenhaftigkeit jenseits seiner Erscheinungen (sog. "endgültige Wahrheit"). Das bedeutet aber doch nichts anderes, als das es so etwas wie Wesenhaftes gar nicht wirklich gibt, sondern nur als vorübergehende Erscheinung. Es lässt sich etwas Wesenhaftes jenseits seiner Erscheinungen nicht dingfest machen.
 
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Aus unserer Zeitkultur heraus wollen wir immer "Definitionen", ein für allemal feststehend, und wir bleiben immer unzufrieden gegenüber den Quellen, die vom Höchsten sprechen, wie das Johannesevangelium. Denn da gibt es keine Definitionen und keine Begriffe wie wir sie gelernt haben zu bilden, festgelegte Normen, die ein-für alle mal so sind und bleiben. Schon die Quantenphysik kann uns zeigen, dass diese Art der Begriffsbildung der Realität hinterherhinkt. Die Realität erfordert lebendige Begriffe, erweiterbare, umfassende Begriffe. Lebendiges Begriffeschaffen. Kein Definieren und abhaken. Künstlerisches Begriffeschaffen.
 
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