Ich bin gut so wie ich bin.
Ich kann was tun, um noch besser zu werden.
Welcher der beiden Sätze ist besser/richtig?
Oder: Wie wirken sich die beiden Sätze aus?
Der erste Satz ist m.M.n. ein starker Zuspruch und eine Ermunterung für sich selbst.
Seine größte Stärke dürfte sein, daß er einem den Druck abnimmt, nicht zu reichen.
Doch lockt der Satz einen in Passivität und Stehenbleiben? Gibt man sich sogar auf?
Wer sich dank ihm ermuntert und bestärkt fühlt, bleibt der dann genau so, wie er ist?
Ich denke, er kommt von ganz alleine auf die Idee: "hey, ich hätte Lust dieses/jenes zu lernen/zu üben/zu machen, denn ich fühle mich gut, und das gibt mir Auftrieb!" Das Fehlen von Druck öffnet Raum für Entfaltung, die
natürliche Verbesserung ist. Erreicht man dabei sein Limit, dann ist das okay, denn man ist
eh gut, so wie man ist.
Der andere Satz scheint auf den ersten Blick eine tolle Selbstbekräftigung zu sein.
Ich kann was tun, um noch besser zu werden - doch das trifft so ja nicht immer zu.
In vielem kann man sich verbessern, doch gibt es dabei bald individuelle Grenzen.
Solang man sich tatsächlich durch seine Bemühungen verbessert, ist es eine Freude.
Es wird aber nicht jeder Virtuose am Klavier, wunderbare Sängerin, Topsportler/in... Irgendwo ist Schluß, und dann? Erst betrügt man sich eine Weile selbst, es wäre noch immer was drin, doch dann sieht man sich gescheitert, und aus ist der Traum. Daß man sogar genügen könnte, wie man
ist, hat man ja leider nicht verinnerlicht.