Ja weißt. Bei mir war das, wenn ich mirs heut so überleg, eine ganz knappe Sache mit der Singerei... Ich wollt nie was anderes tun, ich wollte singen, immer. Und dann bin ich an einen Gesangslehrer geraten, der mich beinah kaputtgemacht hätt. Da wars fast schon aus. Meine Rettung war eine Lehrerin, die ihre gesamte Energie jahrelang dafür eingesetzt hat, meine hinige Stimm wieder in Ordnung zu kriegen. Als ich meine Diplomprüfung geschafft hatte und mein Engagement im Chor fast gleichzeitig, da hat sie zu den Studienkollegen gesagt, Kinder, ihr wißts nicht, wie das Mädl geklungen hat, wie sie zu mir gekommen ist. Sowas von zerstörter Stimme hab ich noch nie gehört - und sowas will ich auch nie wieder hören. Ich hätt nicht einen Schilling gesetzt drauf, daß sie einmal ihren Lebensunterhalt mit Singen verdienen kann... aber sie hat mit aller Gewalt und mit dem Kopf durch die Wand WOLLEN, und deshalb hat sies geschafft und singt so schön, als wär nie was gewesen.
Das war schon eine wilde Sache, alles. Mit meinem von der Urgroßmutter geerbten altschlesischen Dickschädel war ich einfach net kleinzukriegen...aber frage nicht, wie oft ich vorn Zorn schreiend hinterm Klavier gestanden bin und die Noten am anderen Ende vom Zimmer an der Wand gepickt sind, weil meine Stimmbänder einfach so kaputt waren, daß sie nicht konnten, was ich wollte...