no. Du müsstest nur mit dem Schreiber gemeinsam die Ebene der Betrachtung wechseln.
Mir fällt das auch bei Friedvoll auf: "Angesprochen werden" von einer Information ist ein gegenseitiger Prozeß, der im Zwischenraum zwischen zwei Kommunikationsteilnehmern geschieht.
Wenn jemand eine Information gibt, dann sind da immer Leute, welche die Information aufnehmen, welche, die sie nicht aufnehmen, weil sie die Information persönlich nehmen, oder Leute, die keinen unbedingten Willen im Verstehen haben und denen der Text ganz einfach zu anstrengend ist.
Meine Texte wechseln z.B. die Hirnhälften. Immer.
Selten kann man mal einen Post von mir nur mit einer Gehirnhälfte lesen, die man gerne bevorzugen würde im Leben. Ich bin da ganz Brücke über einen Grenzfluß. Und dann ist auch immer mal was, was auf die Leber drückt oder auf die Galle. Die rechte Herzkammer der Erkenntnis ist mir auch ein gelegentliches Anliegen, denn die ist für die Belüftung des Geistes mit Klarheit nicht unerheblich. Was der Fluß beabsichtig, das weiß die Brücke aber nicht.
Weißt du, ich habe mit der
Ebene des Schreibers null Probleme, denn wenn ich lese, sind da sozusagen
zwei Leser in mir -
- der eine liest durch das
persönliche (also zu 99,9% emotionale) Auge.
Der ist dann z.B. persönlich betroffen, ärgert sich, fühlt sich geschmeichelt, bestätigt, fühlt Aversionen oder Sympathien...
- der zweite Leser nimmt eine
neutrale, also unvoreingenommene Position ein (er macht sich
"arm" im Geiste), und läßt das Gelesene so wie es ist auf sich wirken. Dieser Leser be-greift intuitiv was da steht (un häufiger noch was da NICHT steht).
Wenn dieser zweite, freie Leser auf Hindernisse stößt dann in der Regel da, wo der Schreiber entweder etwas verschleiert bzw. absichtlich nicht klar ausdrücken will oder kann, oder aber selber noch nicht klar sieht.
Dieser Leser erkennt die Hektik, die Eile oder Ruhe, die Bedachtsamkeit usw. die den Schreiber umgetrieben haben.
Die masochistische Haltung des "Lesers der selber schuld ist wenn er nichts versteht" habe ich also längst aufgegeben (wobei man "Leser" mit beliebigen anderen Rollen vertauschen kann), darin bestärkt durch einen befreundeten Poeten, der mir einmal sagte: "Wenn du nicht verstehst was ich schreibe, dann ist das allein meine Schuld".
Ich bin da weniger drastisch, zu einem Drittel lege ich doch noch die Verantwortung in die Hand des Lesers.
(du könntest z.B. öfter einen Zeilenumbruch einsetzen.
dichte Texte strengen das Auge übermäßig an und erschweren den Zugang zum Inhalt...

)
Wahr ist auch, daß gewisse Themen sich einer zu klaren Sprache entziehen, und eine metaphorische Wortwahl sozusagen erzwingen. Doch nicht jede Metapher ist immer die richtige...
Auch die Ebenen dürfen nicht vertauscht werden, die da mindestens drei sind:
die wörtliche
die emotional-gefühlsmäßige
die mental-geistige.
Auch die muß der "zweite Leser" imstande sein, zu erkennen und auseinander zu halten.
Ps: freut mich, daß der Thread richtig interessante Diskussionen erzeugt...
