Was mich immer beschäftigt, das bin ich selber. Und nur davon habe ich mir angewöhnt zu sprechen, es sei denn ich beschäftige mich theoretisch. Und auch da bevorzuge ich alltägliche Beispiele bzw. suche die mir in einem langen Prozeß so, wie sie mir im Maule liegen und eingängig sind ins Bewußtsein bei der Vermittlung. Das muß ich beruflich tun. Schwierige, den Menschen und seine Esistenz betreffende Sachverhalte ganzheitlich darlegen. Was ist der Mensch und was ist von ihm übrig, wenn er vor mir steht? Tja. Das liegt an dem, der ich bin und nicht an dem, der vor mir steht. Das ist der Witz. Sehe ich den heilen, wahren Menschen, oder sehe ich die Last, die er mir gibt, weil ich ihm helfe? Kann ich überhaupt helfen? Wäre substituieren nicht der viel bessere Begriff, unterstützen? Ob jetzt mit einfachem Dasein, mit Handhalten, mit einem Wort, einem Gespräch, einem Anleiten oder Zeigen, einer Handreichung oder einer Arbeit, die ich für ihn ausführe, weil er es gerade nicht kann? Nicht im Sinne von abnehmen, sondern im Sinne von vervollständigen, was aus eigenem Antrieb gerade nicht geht.
Ja, man sieht immer, was man sehen will. Und man sieht im anderen immer das, was man in sich selbst sieht. D.h. man richtet seinen Focus auf gewisse Eigenschaften in sich selbst und die sieht man. Egal wo man hinschaut, man sieht nur diese Eigenschaften. Und dazu kommt, dass diese Eigenschaften, auf die man seine Aufmerksamkeit richtet, zu einem kommen. Aus dem eigenen Selbst wie aus dem Selbst anderer. Was man in anderen sieht, wird man von ihnen erfahren. Einfach dadurch, dass man diese Eigenschaften in ihnen sieht und somit von ihnen zum Ausdruck gebracht erwartet. Man will förmlich, das der Gegneüber in dieser Form auf einen reagiert. Wen wunderts, dass dieser es dann genau so tut, wie erwartet? In Wahrheit bestimmt man ganz genau die Reaktion des anderen, auf einen selbst. Man "macht" die Reaktion des anderen selbst, indem man bewusst oder unbewusst etwas Bestimmtes von ihm erwartet.
Das Selbst macht, erschafft, jede seiner Erfahrungen selbst. Das ist seine Macht, sein Wille, womit es seine Erfahrungen selbst erschafft. So wie die innere Welt des Selbst ist, so ist auch die äußere Welt "vor" ihm und dementsprechend sind seine Erfahrungen. Was es "sieht" erfährt es. Schön ist es, zunehmend in jedem das Gute und die Liebe zu sehen, wie in sich selbst, d.h. seinen Focus auf diese Eigenschaften zu richten. Man gestaltet damit sein Erleben in eben diese Richtung. Zum eigenen Wohl und dem des Gegenübers, der in dem Moment diese Eigenschaften in sich herausstellt und erfährt.
Echte Hilfe ist wohl immer Hilfe zur Selbsthilfe. In Wahrheit kann man einem anderen gar nicht helfen im üblichen Sinn, glaube ich. Man kann ihm nur etwas aufzeigen, nahelegen, und dann ist es an ihm, es für sich zu nutzen und in seine Gedankenwelt zu übernehmen. Dann hilft er sich selbst. Jede Stütze, Unterstützung ist sicher wohltuend und auch heilsam, als dass man sich selbst als angenommen und gemocht fühlen kann, und das baut die Seele auf. Und auch dass ist damit eine Möglichkeit, jemandem beim Wachsen zu "helfen" bzw ihm die Möglichkeit zu geben, zu wachsen: Man zeigt ihm, dass er es wert ist, gemocht und unterstützt zu werden, und gibt ihm damit eine Möglichkeit mehr, sich selbst zu mögen, sich selbst anzunehmen, wie er ist, trotz seiner Unzulänglichkeiten und Gebrechen etc. Einfach einverstanden sein mit sich selbst, wie man gerade ist.
Der Glaube ist was wunderbares. Er ist das Vehikel zu persönlichem Wachstum und Wissen. In der An-nahme einer Gegebenheit und dem Glauben, diese sei möglich oder wahr, öffnet man sich die Tür zur Erfahrung des Geglaubten und kann durch diese Erfahrung, zum Wissen gelangen, dass es wahr ist. Zweifel schlägt die Tür zu, Glaube öffnet sie und ermöglicht Wissen. Wenn sich dieses Wissen festigt wird es zur Überzeugung, dass es so ist. Überzeugung ist Kraft. Glaube versetzt Berge. Wissen versetzt Berge. Überzeugung versetzt das Universum. Überzeugung lässt Gott in seinem Element sein, meine ich. Man kann glauben, was man will und tut es auch. Und genau das sieht und erfährt man. Und somit hat jede Persönlichkeit ihre ganz eigene Realität, wie sie ihre Umgebung wahrnimmt.
Gutartigkeit ist im Herzen. Ob man sie sieht oder nicht. Im Gefühl der Verbundenheit mit anderen bspw, d.h. wenn man bei sich selbst ist und somit seine Umwelt auf Gefühlsebene erfährt und wahrnimmt und sich dadurch mit ihr verbunden fühlt, ist annehmen, ist Vertrauen, ist Mitgefühl, ist Verständnis, ist Gutartigkeit bzw Wissen. Das Bewustsein aufs Ich und den Verstand gerichtet und damit in der Illusion der Trennung die Umwelt gedanklich beurteilend und damit statt die Umwelt zu erfahren nur die eigenen Gedanken darüber wahrnehmend, ist Trennung, ist Abneigung, ist Misstrauen, ist Enge, Angst, ist Bösartigkeit bzw Unwissenheit. Es gibt in der letzten Wirklichkeit nur Wissen, glaube ich, da die Unwissenheit, aus der Illusion heraus entsteht, d.h. illusorisch ist und somit nicht existent. Es gibt nur Liebe, Einheit. Alles andere ist illusorisch.
Bei dem Wort Wiederfindung fällt mir ein, wir sind hier, um uns wiederzufinden. Wir haben uns selbst förmlich aus den Augen verloren, wissen nicht, wer wir wirklich sind und gehen nun, indem wir immer häufiger bei uns selbst, statt bei unserem Ich und dem Verstand sind, Stück für Stück zurück zu uns selbst, wobei wir uns zunehmend er-innern. Immer weiter wird der Blick ins Innere, bis wir uns so weit erinnern, dass uns unsere wahre Identität offenbahr wird.
Was du über den Meister schreibst und den Lehrer als lernenden, kann ich absolut nachvollziehen. Wirklich interessant.
Du hattest im Beitrag davor von einem Text geschrieben, die großen und kleinen Kinder aus dem Dilemma des Rollenverhaltens, wenn ichs richtig verstanden hab, zu befreien. Hast du da eine Vorstellung, wie er aussehen kann?
Liebe Grüsse
Friedlichvoll