Hi Trixi Maus,
für mich spricht nichts dagegen, mir einen Text 3 oder 4 Mal durchzulesen, bis ich ihn in seiner Tiefe aufgenommen und verstanden hab. Und den einen oder anderen Satz mehrmals anzufangen zu lesen, um meinen Geist frei zu bekommen von gleichzietig "nebenherlaufenden" Gedanken und wirklich nur diesen Satz und seine Bedeutung im Bewusstsein zu haben, fordert zwar meine Konzentration, aber die bring ich gern auf, um die Zeilen vor mir möglichst so zu verstehen, wie sie gemeint sind, und der jeweiligen Erfahrung, die hinter jedem Satz steht, möglichst nahezukommen, d.h. sie augenblicklich zu machen. So ging es mir bspw bei deinem Text vom Meister und dem Lehrer. Manchmal bemerk ich, wie ich mitten im Text auf ein oder zwei Wörtern "stehen" bleib, diese anstarre, nicht weiter les und innehalte, bis ich mich gesammelt hab und konzentriert ohne gedankliche "Nebengeräusche" wieterlesen und dann auch wieder klarer verstehen kann.
Ich hab nicht den Anspruch, einen Text sofort zu verstehen, ohnen mich groß drauf konzentrieren zu müssen. Wenn ich diesen hätte würde ich hier nicht lesen und mich unterhalten, sondern mir Lektüre zu Gemüte führen, die mich weniger beansprucht. Aber was ist ein Austausch, wenn man sich nicht möglichst nah in den anderen und seine Gedanken vor sich einfühlt? Wenn man ihn nicht möglicht genau zu verstehen versucht? Ob man es dann auch wirklich tut, ist eine andere Sache. Echter Austausch ist wahrhaftig. Beim echten Austausch ist man ganz bei dem anderen und während man dann seine Gedanken äußert, ganz bei sich selbst, bei seiner eigenen Wahrheit. Und jeder bringt seine Wahrheit zum Ausdruck, ohne dass man sagen kann, dass einer dabei Recht hat. Entweder es gibt eine Gedankenübereinkunft und beide sehen etwas gleich oder nicht. Wer bin ich, dass ich jemandem sagen kann, dass er Recht hat.?! Ich kann nur meine Wahrheit zum Ausdruck bringen und bei dieser bleiben oder die Wahrheit des anderen anstelle meiner setzen, und mir diese als meine Wahrheit aneignen, wenn mir die Gedanken des anderen sinnvoller erscheinen, als die, die mir grad kommen. Wir schöpfen sowieso alle aus einem Topf. Da bleibt kein Platz für Rechthaberei, weil in der Wahrhaftigkeit der Mensch bei sich selbst ist und in dem Moment der Wunsch des Selbst nach Entwicklung im Vordergrund steht, während das Ich und damit der aus dem Verstand kommende Wunsch, Recht zu haben, für den Moment nicht vorhanden ist.
Rechthaberei ist etwas fürs Ich, damit es sich besser, größer, fühlen und aufbauen kann, im stetigen Kampf, den es führt, um sich dem Herzen, der Herzensklugheit, der Weisheit, gegenüber zu behaupten, um nicht in den Hintergrund zu geraten und letztendlich unterzugehen.
Du schreibst über den wahren und unwahren Menschen. Den wahren und den unwahren Menschen gibt es, glaube ich, nicht. Es gibt nur wahre und unwahre Lebensweise. Jeder ist mal wahrhaftig und dann wieder unwahr oder illusorisch. Jeder ist mal bei sich selbst; und in dem Moment ist er wahrhaftig in allem was er denkt, sagt und tut. Und jeder oder die meisten sind auch mit ihrer Aufmerksamkeit bei ihrem Verstand und damit bei ihrem Ich und in dem Moment sind sie unwahr, in Illusion. Sie erschaffen dann Gedanken, Worte und Handlungen aus der Illusion der Trennung heraus und alles was sie dann erschaffen ist nicht wahrhaftig, nicht sie selbst. Es ist nicht ihrer eigenen Weisheit, ihrem Herzen, entsprungen, sondern wurde im Moment der Illusion erschaffen und ist somit unwahr. Was dann erschaffen wird ist das, was ich mit "männlicher Energie" bezeichnet hatte. Im Moment der Wahrhaftigkeit wird weibliche Energie erschaffen. Ohne das jetzt weiter vertiefen zu wollen, nur vielleicht zum besseren Verständnis, was ich mit diesen beiden göttlichen Energien im vorrangegangenen Text mein. Jenseits von gesellschaftsbedingten mänlichen und weiblichen Rollenverhalten natürlich. Denn auch bspw eine übermäßig männliche Persönlichkeit ist gelegentlich bei sich selbst, wahrhaftig, z.b. wenn sie kreativ ist, und dadurch wird weibliche Energie erschaffen.
Mit der Geburt im Krankenhaus sieht man ja, was für einen Stellenwert das Krankenhaus in unser Gesellschaft hat. Au weia... Die Geburt im Liegen... Au weia... In Afrika bekommen die Frauen die Babys in der Hocke, wobei das Baby auf natürlichem Wege nach unten rutschen kann und damit viel besser den Weg nach draußen findet, während es für die Mutter lang nicht so anstrengend, schmerzhaft und langwierig ist, bis das Kind draußen ist. Und hier? Völlig unnatürliche Umgebung für die Frau, völlig unnatürliche Stellung, Haltung, die sie dabei einnehmen soll - im Liegen, und dann gelegentlich Kaiserschnitt, damit es schneller geht. ... Au weia... Das zeigt, wie sehr sich ein Großteil der Gesellschaft von dem Leben an sich entfernt hat, meine ich. Von der Leichtigkeit des Lebens. Leben wird unter schwierigen Bedingungen zustande gebracht. Nicht mal eben so, sondern es bedarf höchster Anstrengungen. Und genau so wird auch das Leben selbst gesehen: Leben ist Mühsal, ist Anstrengung, ist harte Arbeit, ist schweeer ... Au weia...
Zeit für Veränderung hin zur Leichtigkeit des Lebens ... Das Leben ist leicht...
...wenn man denn wählt, dass es leicht ist.
Liebevolle Grüsse
(Zu)fried(en)voll