@Joey
Hast Du Lust, die prägnanten Punkte aufzuführen, in denen sich die Wissenschaft zur Esoterik (wie Du sie verstehst) unterscheidet - bzw. wann ist etwas wissenschaftlich, wann nicht...
Wissenschaft lebt davon Aussagen und Behauptungen - auch bzw. vor allem welche, die im Rahmen der Wissenschaft selbst aufgestellt wurden - konstant zu hinterfragen. Kaum etwas ist in Stein gemeisselt, sondern es werden Experimente erdacht, die eine Behauptung auch kippen koennen. Und selbst, wenn die gemacht worden sind, wird weiter ueberlegt, was bei diesen Versuchen schief gelaufen sein koennte, wo es evtl. noch Maengel gibt etc. Je mehr Versuche so eine Behauptung so uebersteht, desto "stabiler" ist sie... was aber auch nicht unbedingt heisst, dass sie endgueltig ist. Z.B. ist die allgemeine Relativitaetstheorie von Einstein hervorragend ueberprueft - dennoch werden heute noch Expewrimente durchgefuehrt in der Hoffnung Abweichungen von deren Vorhersage zu finden - zumal wir auch wissen, dass sie nicht der Weisheit letzer Schluss sein kann (nicht so gut vereinbar mit Quantenfeldtheorien). Es ist wie beim Schachspielen. Da bewertet man Zuege nicht nur damit, warum es ein guter Zug ist, sondern auch, warum es ein schlechter Zug sein koennte.
Ein derartiges Hinterfragen sehe ich in der Esoteri, bzw. hier im Forum nur kaum. Zwar wird immer gerne behauptet, kritisch zu sein, nicht alles zu glauben, konstant zu hinterfragen etc - und vereinzelt liest man dann auch mal ein "das glaube ich nicht" von Leuten, die sonst Esoterik-positiv eingestellt sind - aber die methodischen Maengel, die es mit sich bringt aus der "eigenen Erfahrung" die Schlussfolgerungen zu ziehen, die hier zu lesen sind, werden eben NICHT ausgemaerzt. Stattdessen wird dann einfach gesagt, dass der "Selbstbetrugs-Faktor gegen Null" geht oder aehnliches. Wenn das der Fall waere, wuerden Versuche, die wissenschaftlichen Standards genuegen, reihenweise positiv ausgehen.
Ein weiterer Punkt ist die Plausibilitaet. Eine Behauptung ist wissenschftlich unplausibel, wenn sie entweder ausufernd Zusatzannahmen macht (wissenschaftlich unbekannte Existenzen oder Naturgesetze postuliert), oder gar bisherigen gut getroffenen Erkenntnissen widerspricht. Das sind durchaus objektiv feststellbare Kriterien und nicht nur ein Plausibilitaets-Gefuehl. Das bedeutet zwar nicht, dass die Aussage deswegen automatisch falsch ist, aber sie ist kritischer zu beaeugen. Da muss dann eben auch gezeigt werden, warum die Zusatzannahme wirklich notwenig ist, dass das beobachtete Phaenomen wirklich nicht ohne verstehbar ist, oder was beim bisherigen Erkenntnisgewinn falsch gelaufen ist. Das erfordert ein wenig mehr Muehe.
Auch hier ein grosser Unterschied zur Esoterik, die ja schon per se Zusatzannahmen macht. Da kommt dann gerne der Satz "Die Wissenschaft ist noch nicht so weit." oder aehnliches, oder in abgeschwaechter Form "Weil es wissenschaftlich nicht bekannt ist, heisst es nicht, dass es nicht da ist." Letzteres ist zwar wahr, ist aber genausowenig ein Argument dafuer, dass die behauptung wahr ist. Und viele der esoterischen Behauptungen lassen sich eben gut durch Suggestion, selektive Wahrnehmung und andere gut bekannte Fake-Effekte verstehen. Das ist KEINE Schande, weil jeder Mensch dafuer anfaellig ist (sonst wuerden sich Wissenschaftler nicht die Muehe machen). Wer also glaubt, dass das von ihm postulierte Phaenomen nicht darauf beruht, koennte das auch dadurch belegen, indem er sich da der wissenschaftlichen methodik bedient (sofern er Wissenschaftler hinterm Ofen hervorlocken will oder nicht ertragen kann, dass es gut begruendete Kritik an den Behauptungen gibt).
Anhand dieser Ausfuehrungen koennte man mir vorwerfen, dass ich mich zu sehr auf vereinzelte Studien stuetze, die negativ ausgingen und da herzlich wenig Replikationen etc. stattfanden. Das mag allerdings auch daran liegen, dass jemand, der ein Phaenomen untersucht auch daran glauben muss, dass es sich lohnt. Sonst verschwendet er nur seine Forschungszeit und -geld. D.h., wenn man Wissenschaftler hinterm Ofen hervorlocken will, muss man ihnen auch ein Anreitz bieten, dass es sich lohnen koennte.
Der Forschungsbereich Parapsychologie hat u.a. aufgrund dem Projekt Alpha von James Randi - er hat einen Zauberkuenstler in ein Institut fuer Parapsychologie eingeschleust, und der konnte die dort taetigen Wissenschaftler davon ueberzeugen, PSI-Faehigkeiten zu haben, selbst, als Randi durchsickern liess, wie der Trick funktioniert - starke Einbussen erlebt. Diejenigen, die heutzutage dran arbeiten, sind da deswegen auch sehr kritisch und geradezu paranoid vor Maengeln - was auch gut und richtig so ist.