„Mir geht es nicht um Streitgespräche. Auch ich bin müde vom vielen Ausmisten. Unsere Kamele sind nun mal unpässlich durch zu viel Kohlgenuss und Fernet Branca.“
„Da bin sogar ich als Psychiater machtlos. Alkoholvergiftungen fallen nicht in mein Fachgebiet. Aber warum nur Ali, warum hatten die Kamele überhaupt das Bedürfnis den Fernet Branca zu trinken? Wenn Kamele zur Flasche greifen, muss ein schwerwiegendes Motiv dahinter stecken!“
„Wir gehen gleich nach ihnen schauen und dann könnt ihr Akhbar ja selbst danach fragen.“
Der Doktor beschloss vom Thema abzulenken. Man kann einfach mit Ali nicht über eine Therapie ihrer Kamele reden, dachte er.
„Wie meintet ihr das eben mit der Wahrheit, Ali?“
„Wahrheiten gibt es unzählige, Doktor. So viele wie es Standpunkt gibt.
„Wahrheit wird von Denkern verschieden interpretiert.“
„Und darum, lohnt es nicht darüber zu streiten.“
„Es geht um die Subjekt-Objekt-Spaltung.“
„Subjekt-Objekt-Spaltung? Das hört sich aber nicht gut an, Doktor. Spaltung erinnert mich an Schizophrenie.“
„Ohne Subjekt-Objekt-Spaltung wäre unser Ich-Bewusstsein nicht möglich.“
„Ich und Ego?“
„Das Ego ist lebenswichtig um sich abzugrenzen, um zu überleben.“
„Es existiert kein Ego, Shrenk.“
„Das wollt ihr mir immer wieder einreden, Ali.“
„Das Ego ist ein von uns künstlich erschaffenes Konstrukt.“
„Ohne Ego könnten wir nicht existieren!“
„ Das ist nur Einbildung mit dem Ego. Wollt ihr nicht verstehen, Doktor?“, rief Ali aus. „Wie durch einen Tunnel, nehmen wir die Welt wahr. Erinnert euch an Platons Höhlengleichnis. Wir erliegen einem Täuschungsmanöver unseres Gehirns. Wir simulieren einen Beobachter. Und wir simulieren die Realität die wir gerne wollen.“
„Oh werter Ali. Das geht entschieden zu weit. Die Naturwissenschaft, die exakten Wissenschaften sind real und keines falls simuliert.“
„Und jetzt sollten wir uns zum Abendessen fertig machen”, versuchte Ali, gelassen zu antworten.
„Doktor. Ich bin gespannt, wie unser Kapitän reagieren wird, wenn er Musakka, statt dem Scheich…“ Na wie hieβ der noch mal? - Also auf dem Teller bekommt.“
„Von welchem Scheich sprecht ihr?“, fragte natürlich sofort ein misstrauischer Shrenk. „Und obendrein ein Scheich auf dem Teller des Kapitäns?“
Der Shrenk hatte einmal wieder gar nichts verstanden, dachte Ali. Ich werde nun wieder viel Geduld benötigen, um ihm das mit dem Scheich zu erklären.
Auszug aus Kameltreiber Ali beim Psychiater