Ich würde bei einer solchen Frage immer erwarten, dass derjenige seinen Geburts- und Aufwachsort benennt. Ist doch völlig wumpe, wo die Eltern herkommen - es sei denn, derjenige möchte das gerne erzählen.
Wenn ich z.B. eine Bekannte (mit etwas dunklerer Haut) frage, wo sie herkommt, dann nennt sie einen deutschen Ort, sie spricht noch gestocheneres Hochdeutsch (als ich), liebt die deutsche Küche, deutsche Volksmusik usw. Was soll diese Frau denn anderes sein als deutsch? In meinen Augen ist sie sogar noch deutscher als ich.
Dass ihr Vater kein Deutscher war, spielt für doch (für mich im Umgang mit ihr) gar keine Rolle.
Darum gehts doch gar nicht. Ich habe das jetzt wirklich oft und sehr ausführlich erklärt. Schau Dir alleine die Berichterstattung an. Es wird ständig "Schwarze" geschrieben, obwohl der Begriff nicht mehr wirklich zutrifft. Aber selbst das ist für mich nicht mal der wesentlichste Punkt: An diesem seltsamen Umgang mit Hautfarbe, der sich schon sprachlich deutlich zeigt, kann man einfach eine Gesamtdynamik der Problematik erkennen. Unter anderem auch ein gewisses Maß an Arroganz derer, die sofort den Zeigefinger heben und einem mit unglaublicher Selbstsicherheit versichern das dieses Wort rassistisch sei und jenes auch und am besten sei es doch, es gebe gar keinen Begriff dafür und Hautfarbe spiele doch keine Rolle und Halle Berry wurde nur eingeredet sie sei schwarz und jetzt hält sie sich selbst für schwarz und das Wort "Rasse" ist rassistisch, aber das Wort "Rassenunruhe" scheint zumindes soweit okay zu sein als das es auch aktuell in hunderten Artikeln auftaucht und auch in Wikipedia so benutzt wird.
Und gerade die Betroffenen, zumindest in den USA sehen das ja offenbar anders.
Und noch mal: Es geht mir nicht darum, dass ich Begriffe wie Neger, Mischling, Rasse usw. benutzen will oder Begriffe dieser Art brauche. Ich komme locker klar indem ich anders formuliere und in meinem Alltag spielt das ganze Thema Hautfarbe und Rassismus sowieso nur selten eine Rolle.
Ich finde es - im Gegenteil - blöd, dass man das immer noch betonen muss. Warum ist es so wichtig, dass Herr Obama "schwarz" ist. Reicht es nicht, dass er "mensch" ist?
Ist es Deiner Ansicht nach denn keine Nachricht wert, dass nach all dem Rassismus in den USA, nach der Geschichte mit verschleppten Sklaven und der langen Geschichte von Benachteiligungen der Schwarzen, dass ein "Schwarzer" Präsident werden konnte?
Klar kann man auch von seinen Eltern sprechen - aber so langsam finde ich das Kategorisieren nur um des Kategorisierens willen langweilig.
Ich habs schon mal zu erklären versucht: Denken ist Kategorisieren. Kommunikation ist eine Übersetzung dessen. Wir können gar nicht anders. Auch Du kategorisierst. Das ist gar nicht das Problem. Bewertung ist das Problem... das Kategorien mit urteilenden Labels versehen werden. Und es gibt kategorisierende Begriffe die bei vielen Menschen sofort assoziative Bewertungen auslösen. Das ist besonders bei allen Themen der Fall, die mit viel Leid zu tun haben und bei allen Themen wo z.B. aus politischen Gründen eine extrem urteilende Abgrenzung vorgenommen wird. Das hat auch mit Indoktrination zu tun... Wer viel Bildzeitung liest wird den Namen Ahmnadinedschad nicht hören oder lesen können ohne im Kopf "Der Irre von Teheran" zu assoziieren. Oder "Islam"... und die Assoziationen lauten für viele "Terror", "Unterdrückung von Frauen", "Fanatismus" etc. In Deutschland ist das Wort "Juden" extrem mit Judenverfolgungen, Millionen von Opfern und Schuld verbunden. In ganz Deutschland ist das Wort "Bayern" für viele negativ belegt, im Sinne von bieder, arrogant, selbstgefällig.. aber zum Teil auch mit Neid usw. - um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Das ist zum einen natürlich. Aber es ist natürlich nicht unbedingt nur positiv. Und sprachlich gibt es dann bei einigen Themen eine Art Verunsicherung, so dass Gedanken kaum noch gradlinig in Sprache übersetzt werden können, weil das bei anderen zu vielen Assoziationen und falschen Schlussfolgerungen führen kann.
Wenn ein Mensch aus einem anderen Land kommt (und ich mich mit ihm unterhalte) kommt es wahrscheinlich schon vor, dass ich nach den Unterschieden zu hier frage. Aber auch das ist keine Frage der Hautfarbe, sondern der Herkunft (so kann ich einen Finnen genauso fragen wie einen Inder).
Es kann aber auch sein, dass Du mit jemandem z.B. über Rassismus sprichst. Wenn Du einen Freund hast mit z.B. sehr dunkler Haut (es gibt übrigens auch Deutsche mit deutschen Vorfahren die so dunkel sind das sie für Ausländer gehalten und auch mal rassistisch behandelt werden) und ihr über vieles redet, könnte auch das mal zum Thema werden. Oder wenn Du mit jemand anderem über diesen Freund sprichst usw. Als Kinder haben wir sehr oft über die Hautfarbe gesprochen... da waren die mit dunkler Haut immer im Vorteil weil sie stolz verkünden konnten, dass sie keinen Sonnenbrand kriegen. Das war einfach ein ganz zwangloser Umgang und weit natürlich als dieses "spielt doch keine Rolle" und "Hautfarbe ist doch unwichtig".... und das, während wir über Rassismus sprechen. Wir würden über dieses Thema gar nicht sprechen, wenn es nicht so viel Bedeutung hätte.
Es hängt ja auch ganz davon ab, in welchem Zusammenhang man die Hautfarbe unbedingt erwähnen möchte.
Wann ist es für Dich - in Deinem persönlichen Alltagsgesprächsbedarf - wichtig, die Hautfarbe anderer Menschen zu nennen?
Mir fällt - für mich - keine Situation ein.
Ich habe jetzt mehrfach betont, dass es mir nicht wirklich darum geht. Der Witz ist doch, dass hier anscheinend sehr viele meiner Argumentation entweder nicht folgen wollen oder vielleicht auch nicht können, weil sie sich den Kopf darüber zerbrechen, warum Condemn es denn nun so wichtig findet über Hautfarbe zu sprechen. Das ist genau das was ich meine. Ich habe hier mittlerweile nen halbes Buch zu diesem Thema geschrieben, erklärt worum es mir dabei geht, dass es vor allem um Prinzipien im Denken geht, um sprachliche Übersetzung, darum dass ich sprachliche Grenzen zuerst mal für Symptome halte, dass Rassismus nicht nur von Rassisten ausgeht, sondern sich auch subtil über die Sprache und Verhalten derer transportiert die eine Art Übervorsicht plus Zeigefinger an den Tag legen usw.
Das geht alles vollkommen unter, weil sofort ich selbst zum Thema werde.
Da hat die Zeitung noch einiges zu lernen. Reicht doch, wenn man Herr (oder Mr.) Obama oder Frau (oder Mrs.) Berry sagt. Denn diese beiden kennt man ja inzwischen mit Namen. Da muss man nicht ständig auf der Hautfarbe rumreiten.
Für Millionen von Schwarzen hat es eine große Bedeutung das Obama Präsident werden konnte, gewählt wurde, oder das Hally Berry als erste Schwarze den Oscar für eine Hauptrolle gewann. Für sie selbst war es von großer Bedeutung, was in ihrer Dankesrede sehr deutlich wurde, denn sie selbst thematisierte das. Aber Du bist mal eben ganz sicher, dass diese dummen Zeitungen noch einiges zu lernen haben... Diese seltsame Arroganz meine ich.
Was anderes ist es, wenn es irgendwo noch Völkerkonflikte gibt, die sich u.a. auch an der Hautfarbe festmachen. Aber selbst dann kann man die Bevölkerungsgruppen beim Namen nennen.
Kann man nicht immer. In den USA geht das nicht. Oder willst Du sagen, die "Afrikaner" demonstrieren gegen Rassismus? Das wäre ja faktisch schon falsch. Genau diese sprachliche Verklemmtheit ist echt interessant. Kannst Dich ja selbst mal fragen, warum es Deiner Ansicht nach tabu sein sollte Hautfarbe zu erwähnen.
Ja, z.B. bei Mr. Obama und Mrs. Berry - doch in der Zeitung (oder sonstigen Medien) wird immer wieder auf deren Hautfarbe rumgeritten.
Einerseits ist das nicht wahr. In den meisten Artikeln wird die Hautfarbe gar nicht erwähnt. Aber natürlich ist die Hautfarbe gerade dann ein Thema, wenn eben z.B. ein Schwarzer Präsident wird. Und dann wird darüber doch nicht negativ geschrieben. Vor allem ist es einfach natürlich das die Hautfarbe nach der Geschichte der Schwarzen in Amerika Bedeutung hat.
Diese Logik verstehe ich auch nicht. Denn für mich können Wörter gar nicht rassistisch sein, aber die Einstellung von Menschen - egal, welche Wörter sie benutzen.
Es wird aber von Begriffen, bzw. der ganzen Art der Kommunikation, auf Ansichten geschlossen. Und teilweise spielen da die eigenen Ansichten eine weit größere Rolle. Würde ich z.B. einfach ins Deutsche übernehmen was in den USA normal ist und das Wort "Rasse" benutzen... würde ich vermutlich jedes mal von anderen gesagt bekommen, dass das rassistisch sei. Nicht jeder würde gleich auf eine rassistische Haltung bei mir schließen, aber zumindest auf Blödheit oder fehlende Sensibilität oder den Wunsch zu provozieren oder was auch immer. Das ist ja auch normal... es macht aber Sinn mal zu hinterfragen wie die eigenen Assoziationen zu Begriffen aussehen und wie schnell das zu Vorurteilen führt.