Darum gehts doch gar nicht. Ich habe das jetzt wirklich oft und sehr ausführlich erklärt. Schau Dir alleine die Berichterstattung an. Es wird ständig "Schwarze" geschrieben, obwohl der Begriff nicht mehr wirklich zutrifft. Aber selbst das ist für mich nicht mal der wesentlichste Punkt: An diesem seltsamen Umgang mit Hautfarbe, der sich schon sprachlich deutlich zeigt, kann man einfach eine Gesamtdynamik der Problematik erkennen. Unter anderem auch ein gewisses Maß an Arroganz derer, die sofort den Zeigefinger heben und einem mit unglaublicher Selbstsicherheit versichern das dieses Wort rassistisch sei und jenes auch und am besten sei es doch, es gebe gar keinen Begriff dafür und Hautfarbe spiele doch keine Rolle und Halle Berry wurde nur eingeredet sie sei schwarz und jetzt hält sie sich selbst für schwarz und das Wort "Rasse" ist rassistisch, aber das Wort "Rassenunruhe" scheint zumindes soweit okay zu sein als das es auch aktuell in hunderten Artikeln auftaucht und auch in Wikipedia so benutzt wird. ·
Dies dient alles der Begriffsverwirrung, so dass wir uns am Ende gar nicht mehr ausdrücken können. Das ist zumindest mein Eindruck.
Ist es Deiner Ansicht nach denn keine Nachricht wert, dass nach all dem Rassismus in den USA, nach der Geschichte mit verschleppten Sklaven und der langen Geschichte von Benachteiligungen der Schwarzen, dass ein "Schwarzer" Präsident werden konnte?
Inzwischen ist diese Nachricht wohl angekommen - sollte sie zumindest. So häufig, wie das wiederholt wird, wird wohl jeder, der mit technischen Mediageräten (Fernsehen, Radio, Internet) und/oder Zeitung liest, mitbekommen haben, dass die Hautfarbe von Herrn Obama etwas dunkler als die seines Vorgängers ist.
Viel wichtiger finde ich, dass er versucht, eine sozialere Politik zu machen. DAS ist für mich erwähnenswert.
Wenn es soziale Gerechtigkeit gibt, dann wird die Hautfarbe nämlich auch nicht mehr ständig betont werden müssen (denke ich).
Es kann aber auch sein, dass Du mit jemandem z.B. über Rassismus sprichst. Wenn Du einen Freund hast mit z.B. sehr dunkler Haut (es gibt übrigens auch Deutsche mit deutschen Vorfahren die so dunkel sind das sie für Ausländer gehalten und auch mal rassistisch behandelt werden) und ihr über vieles redet, könnte auch das mal zum Thema werden.
Wenn ein Mensch ein persönliches Problem hat, und wir die nötige Vertrauensbasis haben, dann wird darüber natürlich gesprochen. Völlig unabhängig, ob es sich um schlechte Behandlung in der Gesellschaft aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung oder um kindliche Traumatisierungen handelt. Denn dann betrifft es denjenigen ja direkt - das finde ich schon wichtig. Das finde ich auch besser als theoretische Gespräche darüber mit Menschen, die das selbst nicht erfahren haben.
Oder wenn Du mit jemand anderem über diesen Freund sprichst usw.
Dann rede ich vom XY (setz einen Namen Deiner Wahl ein) und nicht über seine Hautfarbe oder wie er seine Frisur trägt, auch über Kleidungsstile rede ich nicht, wenn ich über bestimmte Menschen spreche.
Als Kinder haben wir sehr oft über die Hautfarbe gesprochen... da waren die mit dunkler Haut immer im Vorteil weil sie stolz verkünden konnten, dass sie keinen Sonnenbrand kriegen. Das war einfach ein ganz zwangloser Umgang und weit natürlich als dieses "spielt doch keine Rolle" und "Hautfarbe ist doch unwichtig"....
In meinem Freundeskreis gab es auch Kinder mit anderer Hautfarbe, doch das war nie wichtig. Wichtig war: Wir spielten miteinander und hatten unseren Spass. Erst später fiel mir auf, dass sie etwas anders aussahen. Es hat uns damals einfach nicht interessiert.
und das, während wir über Rassismus sprechen. Wir würden über dieses Thema gar nicht sprechen, wenn es nicht so viel Bedeutung hätte.
Es wird Menschen geben, für die es eine Bedeutung hat, weil sie direkt betroffen sind. Diese Menschen sollen natürlich drüber sprechen. Aber für mich - und mein eigenes Leben - hat dieses Thema keine Bedeutung.
Ich finde es nur sehr grenzwertig, wenn Kinderbücher umgeschrieben werden, um einem Gebot der Sprachverwirrung gerecht zu werden - obwohl man den Autoren eigentlich gar keine rassistischen Tendenzen unterstellen kann.
Für Millionen von Schwarzen hat es eine große Bedeutung das Obama Präsident werden konnte, gewählt wurde, oder das Hally Berry als erste Schwarze den Oscar für eine Hauptrolle gewann. Für sie selbst war es von großer Bedeutung, was in ihrer Dankesrede sehr deutlich wurde, denn sie selbst thematisierte das. Aber Du bist mal eben ganz sicher, dass diese dummen Zeitungen noch einiges zu lernen haben... Diese seltsame Arroganz meine ich.
Für die Schwarzen selbst mag es eine Bedeutung haben. Ich erinnere mich - als ich noch in der lesbischen Szene unterwegs war - wie sehr wir jede öffentliche Lesbe gefeiert haben.
Doch in den öffentlichen Medien wurde das nicht so hochgepuscht wie jetzt "der schwarze Präsident" oder "die schwarze Oskar-Preisgewinnerin" - ich empfinde das einfach als übertrieben, wie sehr die Hautfarbe gehypt wird.
Für Menschen mit ähnlicher Hautfarbe ist es wahrscheinlich wichtig. Für mich - in Deutschland, wo nicht sehr viele Menschen mit solcher Hautfarbe leben - ist es nicht so wichtig.
Ich finde den Inhalt wichtiger als die Verpackung. Nehmen wir z.B. Frau Merkel. Sie ist die erste Frau, die Bundeskanzlerin wurde. Ist ihre Politik deswegen besser als die Politik von Männern? Ist sie in irgendeiner Form frauenfreundlicher? Sozialer? Familienfreundlicher?
Es kommt (mir) eben nicht auf äussere Merkmale an, sondern was der Mensch in seiner jeweiligen Position tut oder nicht tut.
Das kannst Du gerne arroganz nennen. Ich nenne es pragmatisch. Das Ergebnis zählt - und nicht die Hautfarbe oder das Geschlecht.
Kann man nicht immer. In den USA geht das nicht. Oder willst Du sagen, die "Afrikaner" demonstrieren gegen Rassismus? Das wäre ja faktisch schon falsch. Genau diese sprachliche Verklemmtheit ist echt interessant. Kannst Dich ja selbst mal fragen, warum es Deiner Ansicht nach tabu sein sollte Hautfarbe zu erwähnen.
In dem Fall würde es sogar passen, weil es dort ja tatsächlich ein (gesellschaftliches) Problem sein kann, diese Hautfarbe zu haben. Dann kann man das auch so benennen.
Einerseits ist das nicht wahr. In den meisten Artikeln wird die Hautfarbe gar nicht erwähnt. Aber natürlich ist die Hautfarbe gerade dann ein Thema, wenn eben z.B. ein Schwarzer Präsident wird. Und dann wird darüber doch nicht negativ geschrieben. Vor allem ist es einfach natürlich das die Hautfarbe nach der Geschichte der Schwarzen in Amerika Bedeutung hat.
Und für mich, die ich nie in Amerika gelebt habe, kommt das eben sehr merkwürdig rüber.
Ich kenne die amerikanischen Zustände nicht, habe dort noch nicht einmal Urlaub gemacht, identifiziere mich nicht mit Amerika, mag die englische Sprache nicht und esse lieber Döner als Hamburger.
In Deutschland gibt es z.B. keine Chinatowns, keine schwarzen Viertel - und selbst in Kreuzberg leben Deutsche und Türkischstämmige recht friedlich miteinander.
In Neukölln gibt es ein paar Probleme zwischen verschiedenen Gruppen, aber die würde ich eher auf den sozialen Status und die relative Armut schieben als auf die Herkunft der Menschen.