Kofferbomber: Auffälliger geht`s wohl nicht mehr
Haben das Bundeskriminalamt und gewisse Nachrichtendienste an dieser Geschichte mitgedreht?
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Berlin/Damaskus. Ein netter Zufall: Da soll die Bundeswehr in den Libanon, und dann findet man prompt zwei Sprengstoffkoffer, wovon einer praktischerweise das Ticket in den Nahen Osten enthält - nämlich einen Zettel mit arabischen Schriftzeichen und mit Telefonnummern aus dem Libanon. Eine weitere wichtige Spur seien Tüten mit Speisestärke, die ebenfalls aus dem Libanon stammen und in einem der Koffertrolleys gefunden worden sind, meint das BKA. Man habe dazu den Gewürzhändler in Deutschland ermittelt, der diese Speisestärketüten vornehmlich an libanesische Familien im Großraum Essen verkauft hat. Na bestens, dann mal ab in den Libanon, neue Terrorgesetze, mehr Überwachung und, und, und.
Die beiden Kofferbomben kommen den sogenannten Sicherheitsbehörden wie gerufen, allen voran Wolfgang Schäuble. Geradezu atemlos versucht er, die Bundesrepublik endgültig in einen Polizeistaat zu verwandeln: Schäuble will Überwachung ausdehnen - - Schäuble will Zivilflugzeuge abschießen lassen - Schäuble: Luftsicherheitsgesetz noch in diesem Jahr - Schäuble für Ausbau der Videoüberwachung - und natürlich: Schäuble will deutsche Polizisten in den Libanon schicken. So lauteten einige Schlagzeilen aus den letzten Tagen.
Soweit wäre die Sache rund, wenn, ja wenn da nicht einige Fragen blieben. Zum Beispiel: welche nahöstlichen Bombenleger wären so dämlich, deutschen Kriegstreibern mit ihren Zetteln die Rechtfertigung für einen Einmarsch in den Libanon auf dem silbernen Tablett zu servieren? Aus Zufall? Vergessen? Wohl kaum.
Denn Botschaften enthält jede Bombe, und zwar
1. nicht kontrollierte Botschaften, wie etwa Bauteile, die auf die Spur der richtigen Täter führen.
2. Kontrollierte Botschaften, wie der Zettel und die Speisestärke, die auf die Spur der falschen Täter führen sollen. Oder anders gesagt: Botschaften, die die Täter kontrolliert haben, führen 1. nicht zu den Tätern. 2. in eine den Tätern genehme, andere Richtung.
Punkt 1: Daraus könnte man also folgern, daß die Täter KEINE Libanesen waren. Punkt 2: Wenn jemand einer Bombe mit Sprengstoff und Brandbeschleuniger kontrollierte Botschaften aus Papier beilegt, dann kann das nur heißen, daß die Bombe nicht explodieren sollte. Denn sonst wäre ja der Zettel futsch gewesen - und die schöne libanesische Speisestärke auch.
Und damit die Botschaften auch wirklich gefunden werden, versteckt der Attentäter seinen Bombenkoffer nicht etwa unter einem Sitz, in der Toilette oder in einem Zugschließfach - nein, er stellt ihn mitten in eine leere Vierersitzgruppe, damit der nächste Schaffner garantiert darüber stolpert. So gestaltete sich die Auffindesituation laut Spiegel-TV vom 20. August. Wer so etwas tut, hat an der Explosion seiner Bombe kein Interesse. Er will, daß der Schaffner sie findet und die Polizei ruft. Soweit so gut. Und da BKA-Chef Jörg Ziercke als brillanter Polizist gilt (Die Zeit), dürfte es ihm ja nicht schwer fallen, ebenfalls zu diesem naheliegenden Schluß zu kommen. Doch so eine Leuchte scheint der BKA-Boß nun auch wieder nicht zu sein. Denn erstaunlicherweise wehrt er sich mit Händen und Füßen gegen den Eindruck, die Bomben hätten gar nicht hochgehen sollen: Wir wissen definitiv, daß eine Zündauslösung in beiden Fallen erfolgt ist, erklärte BKA-Boß Jörg Ziercke bei einer Pressekonferenz am 18. August. Und: Sicher ist nach unserer Analyse, daß die Täter die Explosionen auslösen wollten!
Dümmer als die Polizei erlaubt?
Aha - und warum? Tja, das will das BKA nun wieder nicht verraten. Natürlich aus kriminaltaktischen Gründen, aber auch weil wir den Tätern keine Hinweise und Anleitungen geben wollen. Wären die Bomben absichtlich nicht scharf gemacht worden, wäre ja auch nur allzu deutlich, daß die Bombenkoffer keine Koffer, sondern Briefkästen waren, die gewisse Botschaften an die deutschen Sicherheitsbehörden überbringen sollten. Zweitens wäre sonst ja das ganze schöne Angstszenario hin, das man für den Aufbau eines autoritären Staates braucht. Das hat man sich beim BKA etwa so gedacht:
Bild: Ticket in den Libanon
- 2 zeitgleiche Bombenexplosionen in Regionalzügen - 1 Feuerball durch Brandbeschleuniger, die in den Koffertrolleys zusätzlich vorhanden waren, aber mit der Zündeinrichtung der Bombe nichts zu tun hatten - Ausgebrannte Zugwaggons, eine unbestimmte Anzahl an Toten und Verletzten möglicherweise entgleiste Züge! - Vorstellbar ist also, daß die Täter Signale setzen wollten im Hinblick auf den Konflikt im Nahen Osten und dabei eine massive Drohgebärde mit Zerstörungen und potentiellen Menschenopfern in Kauf genommen haben.
Schön, aber warum gab es dann keinen Bekennerbrief? Denn sollten ihre Zettel bei dem Attentat verbrannt sein, müßten die Täter ja irgendwie sicherstellen, daß die Anschläge auch richtig verstanden werden. Daß es außer den libanesischen Spuren keine Bekennung gibt, findet BKA-Chef Ziercke aber nicht etwa seltsam, sondern logisch: Daß bei einem erfolglosen Anschlag keine Bekennung erfolgt, halten wir für logisch! Aha. Und was ist mit dem Bekennerbrief nach dem mißglückten RAF-Attentat auf Staatssekretär Hans Tietmeyer 1988? Sollte der BKA-Präsident den nicht kennen?
Fragen über Fragen. Irgendwie stimmt an den angeblich geplanten Zugattentaten hinten und vorne nichts. Zum Beispiel dürften natürlich auch Bombenleger wissen, daß deutsche Bahnsteige von Kameras überwacht werden. Wie kommt es dann, daß die Männer seelenruhig vor diesen Kameras herumlaufen, ohne auch nur ihr Äußeres zu verändern? Wie kommt es, daß einer der mutmaßlichen Bombenleger auch noch mit einen äußerst auffälligen T-Shirt mit der Nummer 13 vor den Kameras herumläuft? Wie kommt es ferner, daß die angeblichen Bombenleger nicht wenigstens nach den versuchten Anschlägen das Weite suchen, sondern seelenruhig in Deutschland bleiben? So wäre es doch beispielsweise ein Leichtes gewesen, die Bomben auf der Bahnfahrt zu einem Flughafen abzustellen - wenn sie hochgehen, sitzt man schon im Flieger. Lassen wir das. Die viel interessantere Frage ist doch: was soll die Bundeswehr im Libanon? Die Antwort: Die Bundeswehr soll gar nicht in den Libanon, sondern zum Beispiel nach Syrien. Wie? Ganz einfach: Wenn sich unsere Mannen im Libanon erstmal ihr gemütliches Zeltlager errichtet haben oder vor der Küste auf ihren Schiffen herumschippern, wird plötzlich eine Rakete daherschwirren und sich mitten hineinbohren. Und auf der Rakete wird ganz groß Made in Iran oder launched in Syria drauf stehen. Wetten?
Anders gesagt: das Ganze ist einfach eine Frage der richtigen Tickets. Ein Ticket braucht man, um die Bundeswehr in den Libanon zu kriegen: die beiden Bombenkoffer. Ein anderes Ticket braucht man, um die Bundeswehr von da nach Syrien zu kriegen, das sowohl Israel als auch die USA endlich dem Erdboden gleich machen will. Wenns geht, aber nicht mit eigenen Bodentruppen. Und dieses zweite Ticket wird besagte Rakete sein, allerdings nur einfach. Denn zweifellos werden viele nicht zurückkehren. - Ergänzende Desinformation:
http://www.bka.de/fahndung/personen/tatkomplexe/trolley/index.html
GERHARD WISNEWSKI
Quelle:
http://www.saar-echo.de/de/art.php?a=32324