Der Pharmakologe Bruno Müller-Oerlinghausen etwa berichtet von dem "beinahe religiösen" Versprechen, das die ersten Antidepressiva geleistet hätten. Blair Hamrick, lange Jahre Pharmavertreter von GlaxoSmithKline, bringt es ein wenig burschikoser auf den Punkt: "Die Glücklich-, Geil- und Schlanksein-Pille" habe er verkaufen sollen.
Dass auf einen solchen Rausch ein Kater folgen muss, ist da schon gar nicht mehr verwunderlich. Die Annahme, eine Depression folge lediglich aus einem zu niedrigen Serotoninspiegel, verwirft Müller-Oerlinghausen als "Unsinn". Genau darauf basiert aber die Funktionsweise der zahlreichen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, kurz SSRI, die den Markt dominieren.
In den 80er-Jahren hatten die deutschen Behörden dem Medikament Prozac die Zulassung verweigert, positive Effekte seien nicht feststellbar. Der zuständigen amerikanischen "Food and Drug Administration", die durch diesen negativen Bescheid hellhörig geworden war, legte der Konzern Eli Lilly geschönte Unterlagen vor. Prozac wurde durchgewunken und stieg zu einem der beliebtesten Medikamente der USA auf.