"Pro Waffenlieferung" ist bei mir eine Mischung aus:
Man kann den Schurken eigentlich prinzipiell nicht gewinnen lassen, und er wird einen Erfolg nur als Motivation sehen, damit weiter zu machen.
Und, wenn nicht Putin, dann irgendein andrer Aggressor auf der Welt.
Ukraine kann gewinnen (sich erfolgreich verteidigen), und es gibt gerade dann weniger Tote, weil Russland sich zurückziehen muss.
Das ist meine Hoffnung zusammen damit, dass das ich es für möglich halte, dass das Gewicht der Ukraine in Verhandlungen mit der Zeit wachsen könnte. Das ist sozusagen der Hauptgrund, warum ich eine militärische Unterstützung der Ukraine unterstütze und nicht ablehne.
Hier kommt aber ein dickes ABER: Es ist ebenso möglich, dass mit der Gegenwehr der Ukraine das Unvermeidliche nur aufgeschoben wird. Und da kommen wir dann zu der Argumentation von Reinhard Merkel im FAZ-Artikel (leider hinter einer Bezahlschranke), den ich vorhin mal verlinkt habe.
Ich weiß nicht, was davon richtig ist. Einerseits muss ich davon ausgehen, dass Merkel mehr Ahnung von dem ganzen hat als ich, andererseits widerstreben mir die Schlussfolgerungen, und ich glaube nicht, dass die Ukraine aktuell schon in der Position wäre einen solchen Komprmiss durchzudrücken mit den Möglichkeiten, die er ihn in besagtem FAZ-Interview genannt hat.
Ich traue Russland nicht, da nicht noch mehr (Kriegs)-Verbrechen bei Kapitulation zu begehen.
Gut möglich, dass von russischen Soldaten dann noch mehr Verbrechen begangen werden, richtig.
Es ist komplett irrational für Russland einen Weltkrieg anzufangen, weil man als Aggressor die Ukraine nicht erobern kann.
Denke ich eigentlich auch. Aber vor drei Monaten dachte ich auch, dass es total irrational wäre, in die Ukraine einzumarschieren. Insofern bin ich da meiner Einschätzung ggü. aktuell misstrauisch.
Zu viel Risiko wäre:
NATO-Einsatz gegen Russland
Wird glaube ich auch nicht passieren, es sei denn Russland macht nach der Ukraine mit einem NATO-Staat - z.B. Polen oder Estland - weiter.
Weitere Waffenlieferungen an die Ukraine, falls diese im Gegenzug in Russland (Krim nicht dazu gezählt) einmarschiert.
Das hielte ich auch für nicht legitim bzw. nur in sehr begrenztem Ausmaß, um Waffendepots nahe der Grenze zu zerstören.
Versuch Putin als Kriegsverbrecher nach Den Haag zu bringen usw.
Wieso wäre das zu großes Risiko?
Solche Formulierungen hier sind ziemlich radikal:
Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar gehört zu den Unterzeichnenden des umstrittenen Offenen Briefes an Bundeskanzler Olaf Scholz. Nun verteidigt Yogeshwar das Plädoyer gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine.
www.rnd.de
Finde ich nicht. Er sagt ja nicht, dass wir die Ukraine in Stich lassen sollten o.ä. Eigentlich kann ich fast alles, was er sagt, nachvollziehen. Das einzige, was ich nicht verstehe, und wozu er keine wirkliche Antwort gegeben hat bisher, ist, wieso er glaubt, dass Russland bzw. Putin sich auf einen Kompromiss einlassen wird, wenn die Ukraine weniger wehrhaft würde. Da hat entweder er oder ich ein Brett vor dem Kopf...
Aus meiner Sicht hingegen kann man natürlich Frieden schaffen, indem man zum Beispiel einen Diktator durch Waffeneinsatz stoppt. Das ist im 2. Weltkrieg passiert.
Ja, aber Russland führt da keinen Krieg an mehreren Fronten, und das militärische Stärke-Verhältnis ist auch leider günstiger für Russland als in der Paarung Deutschland gegen alle Aliierten.
Dass beide "Player" Sieger sein sollen, wenn doch einer eine völkerrechtswidrige Invasion gestartet hat, ist ebenfalls radikal pazifistisch aus meiner Sicht. Hauptsache Frieden, egal ob wir den Aggressor zumindest auch "siegen" lassen und damit belohnen.
Es widerstrebt mir auch, aber so ein Kompromiss - und ich rede wirklich von Kompromiss und NICHT vom Sieg Russlands/Putins - könnte tatsächlich das kleinere Übel sein, sollte ein Sieg nicht möglich sein. Darüber hinaus äußerte Yogeshwar später auch, dass es aus seiner Sicht kein normales entspanntes und vertrauensvolles Verhältnis mit Putin mehr geben könne. Aus Sicht von Yogeshwar hätte Putin sich diesen Sieg sozusagen damit bitter erkauft, dass er im Gros der Völkergemeinschaft unten durch wäre.
Das sehe ich leider auch anders als er - ich befürchte, dass egal, wie der Krieg ausgeht, also auch, wenn die Ukraine gänzlich besiegt wird, sich auch die Beziehungen zwischen vielen Staaten mit Putin-russland relativ schnell wieder "normalisieren" bzw. entspannen werden. Einerseits schade, dass er damit dann so durch käme, andererseits aber auch notwendig, weil wir uns eigentlich keinen weiteren kalten Krieg leisten sollten.