das ist mir ein absolutes Rätsel. Ich würde sogar sagen, dass Strache eine ausgenommen beschissene Rhetorik zum besten gibt. Jeder Satz neigt zur Selbstwiederholung und wird im Prädikat von irgendeiner Abwandlung des Wortes "leben" gebildet. Kickl ist ein guter Redner, oder beim BZÖ der Scheibner, oder Stadler, aber der Strache hat seine einstudierten bricks, die er auf Schlagwörter hin abspulen kann und wie ein Sonderschüler aneinanderreiht; und je nach Komplexität der Fragestellung steht das Gespulte dann in einem verständigen Kontext oder nicht...
Da muss man sich die Frage stellen, ob man Rhetorik jetzt absolut betrachten möchte oder aber an ihrem konkreten Erfolg messen. Wenn man letzteres macht, dann muss man bei der Bewertung der Rhetorik auch immer das Zielpublikum im Auge behalten: Die wollen Strache massiv austeilen sehen, und wie die anderen auf die Nase bekommen. Das verstärkt HC noch durch sein Image als Rebell und "Bad Boy" der Politik. Mit diesem Außenseiterstatus fällt es einem leichter, sich mit ihm zu identifizieren. Wenn dann mal auf Strache eingehackt wird, dann spult er - wie du richtig sagst - einfach irgendein sinnloses Programm runter. Der Punkt ist; der Fan möchte einfach Strache nicht verlieren bzw. in Schwäche sehen. Und wenn Strache 15 Sekunden über irgendwas schwadroniert und dann seinen Satz beendet wirkt das, als hätte er doch noch die Oberhand behalten. Dass seine Antwort 0 Substanz und 0 Zusammenhang hatte ist dabei irrelevant, weil seine Zielgruppe hat keine Aufmerksamkeitsspanne, die 10 Sekunden überschreitet. Die Leute, die intelligent genug dafür sind, würden ihn ohnehin nicht wählen, deswegen kann er darauf auch getrost verzichten. Wenn man dieses konstante Austeilen kombiniert damit, wie er sich oberflächlich nie eine Blöße gibt und als "Außenseiter" die "unangenehmen Wahrheiten" (in Wirklichkeit nur Stammtischweisheiten) anspricht, versteht man, warum auch Leute, die nichts mit seinem Rassismus anfangen können sich zu ihm hingezogen fühlen. Es liegt einfach dran, dass sie sich von den anderen Politikern befremdet fühlen.
Friedensstifter schrieb:
Genau DAS ist der wichtigste Punkt, sich mal gegen die Banken aufzulehnen. Weder Faymann, Spindelegger oder Glawischnigg hat diesen Punkt angesprochen.
Was bedeutet
"gegen Banken auflehnen"? Was schlägt Strache hier konkret vor?
Gar nichts. Er lässt ein paar Stammtischparolen durch die Luft fliegen, bedient sich dabei gern am Feindbild des Bankers (passenderweise ein klassisch jüdischer Beruf) und macht so ein bisschen Stimmung. Hast du ihn je konkrete Forderungen zur Geldwirtschaft machen hören? Hat er je vorgeschlagen, was man machen müsste - die Kompetenzen der FMA überarbeiten? Die Eigenkapitalquote anheben? Höhere Kapitalanforderungen für Interbankkredite? Glaubst du, er hat überhaupt einen blassen von diesem Thema?
Das einzig konkrete, was er gesagt hat ist: "
hurr durr Schuldenunion ESM-Pakt ausländische Banken bla bla" - aber was ist seine Alternative? Österreichs Banken haben viele Anlagen in den gefährdeten Ländern. Allein die Griechenland-Exposure lag laut Standard um 2010 bei rund 4,5 Mrd EUR (vergleichsweise hoch). Lässt man Griechenland pleite gehen und machen die nen Schuldenschnitt, fehlt unseren Banken dieses Geld - Geld das als Sparanlage
von den Bürgern stammt, weil wir in Österreich kein Trennbankensystem haben. Natürlich würde so ein Schuldenschnitt potentiell auch die ohnehin schon verschuldeten Banken anderer Krisenländer belasten und könnte einen Dominoeffekt auslösen.
Damit will ich nicht sagen, dass es keine andere Lösung hätte geben können. Aber; all diese Punkte wurden von Strache nie angesprochen. Er hat nie eine Alternativlösung angeboten. Er hat nie erwähnt, dass bei einem Schuldenschnitt Griechenlands sofort in Österreich dann das Geld (in Form von Forderungen und Zinsen) fehlt. Dann würde nämlich dieses "unser Steuergeld verschenken wir an die ausländischen Banken"-Gefasel plötzlich nicht mehr so ziehen.