Loop
Dauntless Banana
- Registriert
- 10. Oktober 2008
- Beiträge
- 42.052
Ich muß auch sagen, dieses neu erfinden der eigenen Biographie erscheint mir höchst zweifelhaft, um es mal freundlich auszudrücken.
Das ist nichts anderes als Gehirnwäsche in meinen Augen, und abgesehen davon, ist es ja nicht so, daß man sich nur mit dem Gehirn erinnert, auch der Körper merkt sich Dinge und speichert sie ab.
Es gibt Körpererinnerungen, die einem auch ziemlich Angst machen können, wenn man sie mit nichts in der Geschichte verbinden kann, grad bei Gewalterfahrungen.
Und wie sehr Menschen leiden können, die nichts mehr wissen, aber es noch fühlen und es sich nicht erklären können, hab ich schon oft gesehen. Die Gefühle verschwinden nämlich nicht einfach so, auch die werden gespeichert, bei traumatischen Erfahrungen meist geteilt von der Erinnerung. Werden die getriggert, dann sind sie da, egal was das Gedächtnis dazu sagt.
Da ist das Wissen um das, was passiert ist, so entsetzlich es auch war, eine Erlösung, dann kann man es einordnen.
Erst dann kann man auch dran arbeiten und es verarbeiten.
Einem Menschen die Erinnerung wegzunehmen und so die Möglichkeit, die Vergangenheit zu verarbeiten, halte ich für ethisch äußerst fragwürdig.
So erzeugt man verunsicherte Menschen, denen der Zugang zum Verständnis ihrer Geschichte und Persönlichkeitsentwicklung fehlt, und damit auch gebundene Kraft, die nicht durch Verarbeitung freiwerden kann.
Auf einer künstlichen Lebensgeschichte kann man nicht stehen und auch nicht wachsen.
Außerdem nimmt man sich damit Authenzität. Was soll das für ein Leben sein, das man auf Lügen aufbaut?
Man kann nicht sagen, "das bin ich, das ist meine Geschichte, ich bin daran gewachsen, ich habe gelernt".
Damit nimmt man sich so viel.
Und man weiß, daß es Lügen sind, daß man nicht ehrlich ist, was das mit dem Selbstvertrauen macht, sollte klar sein.
Wenn man nicht mit Hammermethoden rangeht, die wirklich das Gedächtnis auslöschen und die zum Glück hier verboten sind, dann wird man immer wissen, daß man sich was einredet, das schwächt.
Und "anerkannte Therapiemethode" heißt gar nichts, das war Aderlass auch, und Lobotomien und Quecksilber.