Frage an Radio Eriwan ... ääh an schreib!
Wenn man nur duch Christus geheiligt werden kann, was aber notwendig ist
um zur Gemeinschaft mit Gott zu gelangen, was geschah dann mit all den
armen Seelen die vor Christi Geburt das zeitliche segneten?
Sorry wenn ich etwas weiter aushole, denn das ist eine ganz wichtige Frage von Ischariot, danke!
Jesus selbst sagt etwas dazu, aber das ist so unbequem wie fast alles, was er den Gläubigen zu sagen hat. Als Petrus Jesus fragt, was aus Johannes werden soll, da antwortet ihm Jesus:
Joh. 21,21-22 Was soll diese Frage? Wenn ich will, dass er so lange lebt, bis ich wiederkomme, was geht es dich an? Folge du mir nach!
Jesus macht uns klar: "Deine Sache ist deine eigene Nachfolge! Ob Gott noch andere segnet und unter welchen Umständen er andere rettet oder auch nicht, geht dich nur soviel an, wie es deinen eigenen Gehorsam Christus gegenüber betrifft. Du kennst Christus und du weißt, dass niemand gerettet werden kann, ohne Christus. Keiner kann aber entscheiden, wer auf welche Weise gerettet wird. Diese Entscheidung bleibt allein bei Gott. Wie willst du denn wissen, dass jemand, der das Glaubensbekenntnis nachspricht, es wirklich ernst meint? Oder jemand, der ganz komisch betet, im Herzen nicht genau das richtige meint?"
Jesus verbietet es uns zu richten, und er verweist uns darauf, Sorge für unsere eigene Nachfolge zu tragen. Aber versuchen wir mal, aus der Bibel - Streiflichtern gleich - zu erahnen, wie Gott handelt.
Sind die Israeliten des AT wirklich bei Gott? Nun, einige sind es sicher und andere sind es sicher nicht. Dabei kann ich dir jetzt nicht einmal Beispiele für diejenigen nennen, die nicht bei Gott sind - so genau steht es nicht geschrieben. Aber wir lesen immer wieder deutlich davon, dass einige im Volk Israel taten, "was dem Herrn missfiel". An welcher Stelle damit Gericht Gottes, und an welcher Stelle nur punktueller Zorn über Verfehlungen verbunden ist, lässt sich nicht so leicht sagen. Andererseits wird über Henoch gesagt, dass er nicht einmal gestorben ist, sondern direkt in den Himmel aufgenommen worden ist. Als Grund nennt die Bibel:
1.Mo 5,24 Henoch lebte in enger Gemeinschaft mit Gott.
Abraham wurde sein Glaube "zur Gerechtigkeit gerechnet", argumentiert Paulus in Römer 4,3 als er den Römern klar machen will, dass der Glaube, die Beziehung zum lebendigen Gott entscheidend ist, dass jemand gerecht d.h. gerettet ist - nicht das alleinige Befolgen der von Gott gegebenen Gesetze.
Das gilt übrigens für alle Menschen, ob sie Jesus kennen oder nicht, ob sie Israeliten sind oder Heiden, ob sie vor oder nach Jesus gelebt haben, ob sie Christen heißen und sich wiedergeboren nennen oder von alledem nichts wissen wollen: das Entscheidende ist und bleibt die persönliche Beziehung zu Gott.
Und jetzt kommen die Schattierungen: Im Römerbrief schreibt Paulus in den ersten Kapiteln, dass Gott sich allen Menschen in der einen oder anderen Weise offenbart. Menschen, die nur die Natur als die Erkenntnisquelle für Gottes Wesen besitzen, werden auch nur danach geprüft [gerichtet], ob sie dementsprechend Gott die Ehre gegeben haben und ihn als Schöpfer verehren. Menschen, die weitreichende Offenbarungen Gottes kennen (die weitreichendste ist sein Sohn Jesus Christus), werden geprüft, wie sie damit umgegangen sind. Jeder nach seinem eigenen Maß, denn Gott ist gerecht.
Die ganze Bibel ist voll davon, dass es Gottes größter Wunsch ist, alle Menschen zu retten:
Joh. 3,17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Jesus Christus hat diesen Weg für alle Menschen für alle Zeiten frei gemacht und es ist unsere Aufgabe, diese Botschaft jedem zu sagen, den Gott uns in den Weg stellt. Mein Vertrauen in Gott besteht darin, dass er jedem Menschen die Gelegenheit gibt, Gott zu erkennen und eine lebendige Beziehung mit Gott zu leben.
In seinem Buch "Ewigkeit in ihren Herzen" beschreibt Don Richardson, wie die Einwohner Athens bereits ein Erlebnis mit dem lebendigen Gott gehabt haben und ihm deshalb einen Altar geweiht haben. Sie wussten aber noch nicht viel, also weihten sie ihren Altar "dem unbekannten Gott". Über diesen Altar hat Paulus dann gepredigt und den Athenern Jesus erklärt. Don Richardson schildert, dass die Karen, ein Volk in den Bergen Burmas, eine Offenbarung hatten und sie vom Vater zum Sohn solange weitererzählten, bis ein christlicher Missionar kam und ihnen die Offenbarung erläuterte und sie zu Jesus führte. Noch heute sind die Karen in der Mehrheit christlich. Es gibt noch mehr Beispiele. Don Richardson kommt zu der Überzeugung, dass kein Volk der Erde von sich behaupten kann, niemals eine Offenbarung Gottes bekommen zu haben.
Ich gehe noch einen Schritt weiter, ich bin überzeugt, dass es keinen einzigen Menschen gibt, dem Gott keine Möglichkeit gelassen hat, ihn zu erkennen und eine Beziehung mit Gott anzufangen. Gott hat es insofern gar nicht nötig, dass Jesus im Totenreich predigt und Tote zur Bekehrung aufruft, wie manche Ausleger die Stelle in 1.Petrus 3,19 verstehen. Gott ist ein Gott der Lebenden und redet zu lebenden Menschen, zu jedem in seiner persönlichen Weise. Gott gibt jedem Menschen die Chance gibt, eine Beziehung zu ihm zu leben. Das kann sehr unterschiedlich aussehen, aber Gott ist zu gnädig und zu groß, als dass er aus der Erlösung ein steinernes Gesetz machen würde.
Auf der anderen Seite ist natürlich auch wahr, dass alle Menschen verloren sind. Ganz egal, ob sie Jesus kennen oder nicht, ob sie Israeliten sind oder Heiden, ob sie vor oder nach Jesus gelebt haben, bevor sie Christen heißen und sich wiedergeboren nennen oder von alledem nichts wissen wollen. Alle Menschen sind von Gott getrennt und auf seine Gnade angewiesen, um zurück in seine Gemeinschaft zu kommen. Jeder Mensch ist verloren und es gibt nur Rettung in Jesus. Wer Jesus leugnet, der leugnet auch die Rettung. Ein Jude unserer Tage, der nicht an Jesus glaubt, muss sich von Jesus sagen lassen:
Es ist gar nicht nötig, dass ich euch vor dem Vater anklage: Mose wird euer Ankläger sein... Schließlich hat doch Mose von mir geschrieben. Wenn ihr aber nicht einmal glaubt, was er geschrieben hat, wie könnt ihr dann glauben, was ich euch sage?
Joh. 5,45-47
Kein Jude ist gerettet, nur weil er das Gesetz befolgt und das Alte Testament für wahr hält. Das genau ist die Argumentation von Paulus, die ich Eingangs erwähnt habe. Wenn man von "gläubigen Juden" spricht, muss man differenzieren, an was jemand glaubt. Denn auch für die heutigen Juden gilt: Nur wer an Jesus glaubt, wird gerettet.
Über die Soteriologie [Lehre über die Errettung /Heil], so heißt unser Thema auf "Theologisch" (bin aber kein Theologe), sind schon ganze Bibliotheken von Büchern geschrieben worden. Es sind jetzt die wichtigsten Aspekte kurz angerissen und hoffe, die Antwort führt etwas näher dahin, zu verstehen, wie Gott ist und wie er handelt.
Ach ja! Eine Anmerkung noch zur Trennung von Gott. Zum zweiten Tod also!
Das wäre die völlige Vernichtung der Existenz. Wenngleich das auch sehr
unwahrscheinlich erscheint, dann ist es doch immerhin eine brauchbare
Alternative zum ewigen Leben in Sklavenschaft, nicht wahr?
Ein fataler Irrtum, es gibt keine völlige Vernichtung, daran glaubst du doch selbst nicht ;-) Das wäre bequem, einfach drauflos leben was das Zeug hält und sich dann in die völlige Auflösung verabschieden zu wollen. Ich weiß, es ist eine weit verbreitete Meinung die selbsternannte "Atheisten" zur Beruhigung ihres Gewissen erfunden haben. Ich bin aber überzeugt, daß es weder die völlige Vernichtung der Existenz, noch wirklich Atheisten gibt. Jeder Mensch hat seinen Anteil an Spiritualität von Gott in die Wiege gelegt bekommen!
lg
Schreib!