Kann man Kinder mit zuviel Bestätigung kaputt machen?

Kindererziehung Heute


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Ich bin froh und dankbar darüber, dass meine Eltern - trotz der streng religiösen Erziehung - mich und meine Geschwister nie geschlagen haben und meine Neugierde und Interessen niemals derart unterbunden haben. Um mal einen Standard-Satz der Klaps-Fraktion umzukehren: Es hat mir nicht geschadet, nicht geschlagen worden zu sein.

Ich hab's genau andersrum erlebt. Keine religiös strenge Erziehung, dafür alles andere.

Meine Mutter ist zuletzt letztes Jahr auf mich losgegangen (ich bin ü30). Ich empfinde nichts bei ihr (oder für sie), das ist mir gestern erst wieder klargeworden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie mal irgendwelche liebevollen Gefühle für mich hatte.

Irgendwie peinlich, wenn ich das so schreib. Was soll da schon bei herauskommen, wenn jemand so aufwächst.

Eine "streng religiöse Erziehung" stelle ich mir aber auch nicht so schön vor.
 
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Ich bin 1951 geboren. Und damals gehörten Schläge durchaus zu den legitimen Erziehungsmitteln.

Meine Erkenntnis daraus war, dass meine Kinder keine körperliche Gewalt erleiden müssen.

Was auch gelungen ist.

Ich stelle mir das schwierig vor, wenn man selbst so aufgewachsen ist, dass dann nicht auch so weiterzugeben. Also dass das nicht auch fast 'automatisch' geschieht, weil man das selbst ja auch so 'gelernt' hat.

Aber schön, wenn es gelingt oder gelungen ist.
 
Es ist gar nicht so verkehrt darüber nachzudenken, wie die eigenen Eltern aufwuchsen, denn oft spiegeln sie später als Erwachsene oder als Eltern diesen Umgang, den sie in ihrer Kindheit erfahren mussten, wider.

Mein Vater war z.B. der "Augapfel" seines Vaters. Er war nicht der Älteste, aber der älteste Sohn und wurde von seinem Vater bevorzugt und sehr verwöhnt. Die Mutter meines Vaters hatte aus bestimmten Gründen, die ich hier nicht weiter erläutern möchte - die Geschichte würde zu weit führen - ein ambivalentes Verhältnis zu meinem Vater. Es machte ihm nichts aus, denn er war ja der "Prinz" seines Vaters und das war er auch später: der Prinz seiner Umwelt.

Meine Mutter hingegen wurde von ihrer Mutter und auch von ihrem Vater als drittes Kind völlig übersehen. Das Lieblingskind des Vaters war der älteste Bruder meiner Mutter, das Lieblingskind der Mutter, das jüngste Kind, ein Mädchen. Meine Mutter lief so "nebenher" und entsprechend verhielt sie sich auch ihr Leben lang: Sie hat für sich nie etwas erwartet oder erwartet, dass ihre Wünsche anderen Menschen wichtig waren. Stets hat sie sich angepasst verhalten, sich "zurückgenommen". Mich hat das immer furchtbar aufgeregt und ich habe schließlich schon in jungen Jahren den "Anwalt" meiner Mutter gespielt, wollte sie vor dem "Bösen" da draußen bewahren......Mit einigem Erfolg. Ich liebte sie, wollte sie beschützen....Tja.....

Geschlagen wurden - so wie ich es gehört habe - meine Eltern beide nicht. Was bestimmt selten war. Deshalb waren sie in ihrem Erziehungsstil auch völlig locker, meine Mutter in ihrer Großmut sowieso.....Wenn ich ehrlich bin, wurde ich von ihnen gar nicht erzogen, durfte im Grunde machen, was ich wollte, war die Jüngste und das Nesthäkchen. Ich hätte mir später gewünscht, dass mein Vater mehr schulische Leistungen eingefordert hätte......Als ich 14 war, starb er dann und ich wurde dann das Familienoberhaupt und der Beschützer meiner Mutter. Wie ich schon einmal hier schrieb, habe ich das aber alles erst sehr viel später registriert. Daher stammt wohl mein Selbstbewusstsein und mein Selbstwert. Er wurde nämlich nie von meinen Eltern untergraben.

Alles in allem habe ich meinen Eltern eine Menge zu verdanken, sehr viel sogar. :)


LG
Juppi
 
Irgendwie peinlich, wenn ich das so schreib. Was soll da schon bei herauskommen, wenn jemand so aufwächst.

Da kann sehr viel bei rauskommen. Man ist ja nicht ein Sklave seiner Kindheit.

Eine "streng religiöse Erziehung" stelle ich mir aber auch nicht so schön vor.

Es gehört schon sehr viel religiöse Indoktrination dazu, wenn Eltern einem Kind z.B. bei Mobbing raten, es solle nur zu Gott beten, dann würde ihm geholfen werden...

Aber es gibt da weitaus schlimmeres als meine Eltern. Sie waren (und sind - meine Mutter lebt ja noch) nicht komplett weltfremd, wie einige andere Familien. die ich kenne, bzw. über die man ab und zu auch hört.

Insofern kann ich doch sagen, dass ich eine glückliche Kindheit hatte :)
 
Kann ein zwei oder drei jähriges Kind das schon verstehen und sich merken? Weiß es nicht, hab keine Kinder, ich wäre mir in dem Alter wahrscheinlich noch unsicher.
Wir hatten auch Steckdosen mit Kindersicherung, ich glaub, wenn man beides macht, alles sicher und andererseits erklärt, dann ist es am besten.

Bei meinem hat´s funktioniert.
Ich will nicht behaupten, dass es bei allen funktioniert.
Für uns war es der richtige Weg.
Es gab weder Verbrennungen noch ein Kosten an Putzmitteln, nicht einmal ein Darandenken. Aber sonst hat sie nichts ausgelassen :zauberer1
 
....als meine noch so klein waren, gabs noch keine Steckdosensicherung, da war ein Klaps auf die Finger die Alternative...
Ich denke, es ist ein RIESENGROSSER Unterschied, ob das Kind vom Klaps "zurückgeholt wird" (und wieder auf Audioempfang schaltet) oder rot auf der Hand ist oder noch schlimmer. Wie oft stupst man Erwachsene an, wenn man den Eindruck hat, sie sind mit den Gedanken ganz wo anders als im Gespräch?
Und ein Klaps ist ganz sicher unschädlicher als ein gezielter Griff in eine Steckdose.
 
Es ist gar nicht so verkehrt darüber nachzudenken, wie die eigenen Eltern aufwuchsen, denn oft spiegeln sie später als Erwachsene oder als Eltern diesen Umgang, den sie in ihrer Kindheit erfahren mussten, wider.

Mein Vater war z.B. der "Augapfel" seines Vaters. Er war nicht der Älteste, aber der älteste Sohn und wurde von seinem Vater bevorzugt und sehr verwöhnt. Die Mutter meines Vaters hatte aus bestimmten Gründen, die ich hier nicht weiter erläutern möchte - die Geschichte würde zu weit führen - ein ambivalentes Verhältnis zu meinem Vater. Es machte ihm nichts aus, denn er war ja der "Prinz" seines Vaters und das war er auch später: der Prinz seiner Umwelt.

Meine Mutter hingegen wurde von ihrer Mutter und auch von ihrem Vater als drittes Kind völlig übersehen. Das Lieblingskind des Vaters war der älteste Bruder meiner Mutter, das Lieblingskind der Mutter, das jüngste Kind, ein Mädchen. Meine Mutter lief so "nebenher" und entsprechend verhielt sie sich auch ihr Leben lang: Sie hat für sich nie etwas erwartet oder erwartet, dass ihre Wünsche anderen Menschen wichtig waren. Stets hat sie sich angepasst verhalten, sich "zurückgenommen". Mich hat das immer furchtbar aufgeregt und ich habe schließlich schon in jungen Jahren den "Anwalt" meiner Mutter gespielt, wollte sie vor dem "Bösen" da draußen bewahren......Mit einigem Erfolg. Ich liebte sie, wollte sie beschützen....Tja.....

Geschlagen wurden - so wie ich es gehört habe - meine Eltern beide nicht. Was bestimmt selten war. Deshalb waren sie in ihrem Erziehungsstil auch völlig locker, meine Mutter in ihrer Großmut sowieso.....Wenn ich ehrlich bin, wurde ich von ihnen gar nicht erzogen, durfte im Grunde machen, was ich wollte, war die Jüngste und das Nesthäkchen. Ich hätte mir später gewünscht, dass mein Vater mehr schulische Leistungen eingefordert hätte......Als ich 14 war, starb er dann und ich wurde dann das Familienoberhaupt und der Beschützer meiner Mutter. Wie ich schon einmal hier schrieb, habe ich das aber alles erst sehr viel später registriert. Daher stammt wohl mein Selbstbewusstsein und mein Selbstwert. Er wurde nämlich nie von meinen Eltern untergraben.

Alles in allem habe ich meinen Eltern eine Menge zu verdanken, sehr viel sogar. :)


LG
Juppi

Hallo Juppi,

das ist schön. :thumbup:

Ich kann im Moment nicht darüber nachdenken, wer wie aufgewachsen ist. Hab da im Grunde auch gar nichts mitbekommen. Kenne zwar fast alle, also Omas und einen Opa, aber weiß nicht, wie das da früher genau war. Da wurde auch nie so drüber geredet.

Das mit deinem Vater tut mir leid, das war ja dann auch schon sehr früh, wenn du da erst 14 warst.
 
Da kann sehr viel bei rauskommen. Man ist ja nicht ein Sklave seiner Kindheit.

Ja, das stimmt natürlich.

Es gehört schon sehr viel religiöse Indoktrination dazu, wenn Eltern einem Kind z.B. bei Mobbing raten, es solle nur zu Gott beten, dann würde ihm geholfen werden...

Aber es gibt da weitaus schlimmeres als meine Eltern. Sie waren (und sind - meine Mutter lebt ja noch) nicht komplett weltfremd, wie einige andere Familien. die ich kenne, bzw. über die man ab und zu auch hört.

Insofern kann ich doch sagen, dass ich eine glückliche Kindheit hatte :)

Freut mich. :thumbup::)
 
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Meine Güte.

Katze+Evy, das ist so durchschaubar. Ihr habt jetzt ein Beispiel, das Herdplatten bzw. Steckdosen-Beispiel, das ihr seit Dutzenden von Seiten zu Tode reitet, um die Prügelpädagogik bzw. im verharmlosenden Jargon die "Klapse-Pädagogik" zu rechtfertigen. Die Studie, die ich zitierte, zeigt, wie blöd diese Argumentation ist. Prügel gibts, und das belegt die Studie empirisch, nicht bei Gefahrenabwehr, sondern um das Kind dem eigenen Willen zu unterwerfen:

Angeblich hat das Kind „genervt“. Es war „unverschämt“, hat nicht „gehorcht“. Schon ist ein Vorwand dafür parat, dass dem Erwachsenen „die Hand ausrutscht“. Noch immer passiert es so, hunderttausend Male jeden Tag, quer durch alle Milieus, auch wenn besser Gebildete geringfügig reflektierter reagieren. Mit Dutzenden statistischer Tabellen bringt eine neue Studie jetzt diesen Tatbestand ans Licht.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/gewalt-gegen-kinder-mehr-als-nur-ein-klaps/6338538.html

Vermutlich werdet ihr beide noch 20 Seiten später das Beispiel mit der Herdplatte bringen, um die schwarze Pädagogik zu rechtfertigen.

:zauberer1
 
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