Ja, davon gehe ich auch stark aus. Ich habe auch niemals behauptet, dass alle Arbeitslosen zugleich arbeitsunwillig seien, oder?
Dennoch bin ich der Ansicht, dass jedem Arbeitslosen perspektivisch etwas geboten werden muss, allein schon, damit sie eine reguläre Tagesstruktur nicht verlieren. Da die Sozialleistungen aus Steuerzahlungen gespeist werden, halte ich es auch nicht für moralisch verwerflich, arbeitsfähige Arbeitslose in den öffentlichen Dienst zu integrieren, wodurch sie zugleich noch ihr Arbeitslosengeld aufstocken und sich beruflich orientieren können. Qualifikationsmaßnahmen anzubieten, halte ich weiterhin für sinnvoll, vor allem für Arbeitslose, die z. B. keine ordentliche Berufsausbildung absolviert haben. Weil Arbeitsflexibilität in unserem heutigen Wirtschaftssystem kein Fremdwort mehr ist, halte ich solche Weiterbildungsmaßnahmen aber auch für andere Arbeitslose für angezeigt. Warum nicht? Was haben sie zu verlieren? Sobald sie einen neuen Job gefunden haben, können sie diese Maßnahmen ja verlassen.
Ich hatte dich in diesem Fall nicht angesprochen, dich an anderer Stelle aber schon einmal gefragt, ab wann denn in deinen Augen ein Arbeitsloser faul sei. Deinen Beiträgen stellst du ja die Prämisse voran, dass jeder einen Job finden könne, wenn er denn wolle. Umkehrschluss: Wer keinen findet, will nicht?
Das, was du weiterhin beschreibst, ist eben Wunschdenken. So sieht die Realität leider nicht aus.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
Ich bin auch der Meinung, dass Arbeitslosen, bei denen z.B. die Notwendigkeit einer beruflichen Qualifikation festgestellt wurde eine solche erhalten sollen, aber genau da hakt es.
Es gibt ja "Qualifizierungsmaßnahmen", die aber eben keinerlei Qualifikation beinhalten. Und in diese Maßnahmen werden wahllos Erwerbslose gesteckt, völlig egal welche Qualifikationen sie bereits mitbringen oder bräuchten.
Das mit dem Tagesablauf ist auch immer ein nettes Argument, impliziert es doch, dass er Erwerbslose nicht nur keine Erwerbstätigkeit hat, sondern auch sonst nicht alleine in der Lage ist, einem geregelten Tagesablauf nachzugehen oder etwas Produktives zu tun.
Wirkliche Weiterbildungen sind, entgegen jeglicher Logik, kaum zu bekommen. Es wird lieber Steuergeld verschwendet, um Verträge mit "Bildungsträgern" zu erfüllen, als individuell und zukunftsbezogen zu fördern.
Gefordert wird die Teilnahme von Erwerbslosen, gefördert werden Firmen, die reguläre Arbeitsplätze abbauen, um subventionierte aus dem Boden zu stampfen. Es wird auf Kosten der Zukunft ein paralleler Arbeitsmarkt installiert, nur um eine Fassade zu wahren. Die Folgen sind jetzt noch nicht abzusehen.
Du hast eine ziemliche starke Meinung. Hinterfrag sie mal und ziehe zur Meinungsbildung auch mal andere Quellen heran. Ist schon mal eine Übung zum wissenschaftlichen Arbeiten für die weitere erfolgreiche Zukunft.
