Hi,
ich fasse mal meine Gedanken zum "Lehrer" zusammen:
In uns lebt die Sehnsucht nach etwas, was wir zuerst gar nicht definieren können. Diese Sehnsucht, sobald man sich ihr gestellt hat, wird extrem stark, was uns oft nach neuen Wegen unserer Existenz umschauen lässt. Da diese Sehnsucht logischer Weise für uns (für mich zumindest) unerklärlich ist und mit nichts materiell erlebtem vergleichbar ist, steht man dann irgendwann da und man weiß nicht so richtig, was man eigentlich tun sollte. Da es uns aber nicht loslässt, machen wir halt irgendwas, um der Antriebskraft, die von diesem Zustand wächst, Raum zu geben: Informationen über diesen Zustand bei den Menschen sammeln, die dieselben Erfahrungen zu machen scheinen, Seminare besuchen, entsprechende Literatur (meist spirituellen Charakters) konsumieren etc.
Es kann sein, dass mir dieser Lernweg von allen möglichen Quellen die Informationen zu holen sehr gefällt, so dass es mir auch genügen wird. Ich werde selbständig mir die Lernquellen aussuchen. Auch wenn diese Quelle die Natur ist. Oder ich setze mich in eine Höhle und meditiere jahrelang, ohne dass ich menschlichen Kontakt brauche. Meistens ist es aber nicht der Fall, dass man gar keine menschlichen Bezugspersonen dabei hat. Ich stelle fest, dass in uns, Menschen, ein Mechanismus installiert ist, der eben für das Lernen des Lebens zuständig ist. Das ist Mechanismus der Kommunikation mit anderen Lebewesen. Diesen Mechanismus nehmen wir dann als
Wunsch zum Kommunizieren wahr. Auch wenn ich alleine Bücher lese, findet schon eine Art passiver Kommunikation statt. Nämlich zwischen mir und Buchinhalt/Buchautor.
Da dieser Wunsch aber am häufigsten die Beteiligung der menschlichen Wesen fordert, ist es kein Wunder, dass unsere Erde mit dem Lehrer/Schlüler-Prinzip durchdrungen ist. Und zwar menschlichem Lehrer/Schüler-Prinzip.
Und da fängt der Salat mit dem Guru an.
Ich finde, je bewusster der Mensch wird, desto weniger wird in ihm der Wunsch nach menschlicher Kommunikation bestehen. Auch wird er weniger einen menschlichen Lehrer brauchen. Ich denke, dass das Ziel des Lehrens wäre, dem Schüler zu helfen, zu sich selbst zu finden. Denn das Ziel ist, sich selbst als Quelle der Antworten zu entdecken. Das heißt, wenn es passiert, wird ein Schüler bewusst. Und der Lehrer half ihm dabei bei seinem Bewußtseinsprozess. Man könnte sagen, dass der Schüler ab diesem Moment zum Lehrer wird. Korrekter wäre aber zu sagen, dass er erkennt, dass sein selbst alle Antworten beantworten kann. Und daher sind diese
Rollen: Lehrer-Schüller eigentlich
aufgehoben, sobald der Schüler bewusst geworden ist. Wenn der Schüler das erkennt, dass er weder Schüler noch Lehrer ist, sondern er selbst, ist das Ziel in diesem Fall definiere ich das Ziel sich selbst als Quelle der Antworten zu endecken erreicht.
Welche Gefahren bergen sich dabei? Bzw. wie kann es aussehen, wenn nicht alles so glatt wie in meiner Anleitung verlaufen würde?
So, wir begeben uns erst mal auf die Stufe, wo man noch so ziemlich unschlüssig ist und sich nach äußeren Quellen des Wissens umschaut, die die Sehnsucht, die in uns wohnt, stillen sollen. Wenn wir in diesem Stadium stecken, sind wir ein voll entwickeltes Individuum. Mit allen Kanten und Ecken und Macken. Wir haben Ängste, wir sind misstrauisch, wir sind naiv. Eine hervorragende Palette, würde ich sagen. Stellen wir uns vor, dass wir uns für einen allgemeinen Weg entscheiden, indem wir ganz normal einen menschlichen Lehrer für direkten Kontakt aussuchen. Entweder einen Lehrer wie in der Schule oder einen Lehrer nach östlicher Tradition. Das ist hier nicht wichtig. Wichtig ist, dass unser voll entwickeltes Individuum bestimmte Signale nach Prinzip Actio-Reactio aussenden wird. Wenn ich einen Lehrer suche, so bekomme ich denjenigen, wessen Qualitäten exakt durch meine eigene Persönlichkeit, meine eigene Individualität bestimmt sein werden.
D. h. bin ich unehrlich zu mir selbst, werde ich (so nehme ich endlich auch dieses Wort in Mund, ähh, in die Finger) eben einen Scharlatan bekommen. Bin ich zu mir selbst streng, werde ich auch so einen strengen Lehrer bekommen.
Dann kommt noch dazu der Moment, wo es darum geht, was für ein Verhältnis ich zu diesem Lehrer aufbaue. Und wieder hängt von mir ab. Und nicht vom Lehrer. Nehmen meine Ängste und mein Misstrauen in meiner Wesenheit mehr Platz, als die Sehnsucht, die ich noch nicht ganz anerkennen will, wird es garantiert dazu führen, dass ich
a) kein Vertrauensverhältnis zu einem Lehrer aufbauen werde
b) diesen umgekehrt auf Podest aufgrund meiner Naivität stelle, da ich einfach nicht reif bin, mich selbst anzuerkennen
c) aus Angst nie einen Lehrer suchen werde. Wenn man aber bewußtseinsmäßig noch nicht weit fortgeschritten ist, wird dieser Schritt fehlen. Garantiert. Und so wird es eine Stagnation bedeuten. Denn hier besteht ein Hacken eins der Lernziele der Spiritualität definiere ich heute als absolutes Vertrauen lernen. Und wo ist es am besten zu üben, als im Verhältnis Lehrer/Schüler? Sogar im Elternhaus ist es heute oft gar nicht möglich, weil das Leben in der Familie oft sich nur um die Ablenkungen des Lebens dreht: Hamsterrad aus Arbeiten-Geldverdienen-Essen-Schlafen-Vergnügen.
Weiterhin ist es möglich, die Sehnsucht, die einen plagt, mit der Lehrer
persönlichkeit zu assoziieren. Was dazu unweigerlich führen wird, durch diese Projektion abhängig zu werden. Abhängig von einer äußeren Quelle des Wissens.
Nun ja, jedem das SEINe.

Liebe Grüße
Roksenia