Mir ist was zu meinem chronischen beobachtungsgefühl aufgefallen.
Nämlich dass ich nicht nur das opfer bin, sondern auch der täter.
Ich beobachte ständig alle leute. Die ganze zeit, ununterbrochen.

Fühl ich mich deswegen die ganze zeit beobachtet? Weil ich es selber tue?
Ist das in den anderen Bereichen auch so, dass man überall das was man selber tut, aufs Aussen projiziert und dann angst hat dass das einem selbst angetan wird? Also dass was man selber tut, oder denkt zu tun.
Ja, chia. Das ist unter ganz bestimmten Voraussetzungen so. Ich glaube da hast Du etwas Wichtiges für Dich verstanden.
Zum beispiel wenn man ständig auf 180 ist und jedem ständig eine am liebsten eine reinhauen würde. Hat so ein mensch dann auch chronische angst dass ihm eine reingehauen wird?
Ja. Man wird zum Täter, weil man Opfer war. Mitunter. Nicht nur, aber solange man so reflektiv ist, wie Du es oben beschrieben hast, ist das so.
Wenn das so ist, dann bin ich ja nicht nur nicht opfer, sondern NUR täter.
Man kann das so sehen, ja. Du bist der Verursacher.
Weißt Du, um das zu erkennen, muß man erst mal den Beobachter wahrnehmen. Das hast Du ja, denn Du schriebst ja:
"Ich beobachte ständig alle leute. Die ganze zeit, ununterbrochen.

Fühl ich mich deswegen die ganze zeit beobachtet? Weil ich es selber tue?"
Das ist das Erkennen des Inneren Beobachters - eigentlich des innersten Beboachters, wenn man da nochmal Ebenen unterscheiden will. Genau, mejn dern.
Würde ich nämlich nicht ständig alle beobachten (ich tue das allerdings aus selbstschutz gründen und kontrollgründen irgendwie) dann würde ich nicht beobachtet werden bzw das chronische gefühl beobachtet zu werden haben!
Ja, genau !
Das ist so. Super erkannt.
Oh gott ich werd mir das jetzt ständig vor augen halten, dass ich der Täter bin, und nicht das arme opfer, wenn ich mal wieder heulen könnte weil mich jeder angeblich beobachtet. Das ist glaube ich jetzt der richtige schritt, oder?
Das würde Dich vielleicht aber dann auch wieder nur stressen.
Ich kann Dir letztlich nicht sagen, was Du machen sollst, Chia.
Aber ich kann lesen, was Du oben in Klammern geschrieben hast und es Dir nochmal herkopieren:
"ich tue das allerdings aus selbstschutz gründen und kontrollgründen irgendwie"
Das ist doch gut zu erkennen. Du hast ja eben diese wunderbare Ebene der Reflektiertheit in Dir, daß Du genau erkennst, warum in Dir was wie warum und wann ist und wann es nicht so ist. Das liebe ich ja so an Dir, wir alle glaube ich.
Die Frage ist halt - wir stellen die Dir schon seit Langem: wie können wir Dir helfen?
Du schreibst:
"ich tue das allerdings aus selbstschutz gründen und kontrollgründen irgendwie"
Also: reflektiere das doch nochmal schriftlich zum Mitlesen. Zum Beispiel würde ich mich ehrlich fragen, was mich so verletzt hat oder verletzen könnte, daß ich mich selber schützen muß. Und ich würde mir die Frage stellen, inwiefern Selbstschutz nicht auch nötig und wichtig ist im Leben.
Bei Kontrolle würde ich mir die gleiche Frage stellen: was hat mich in meinem Leben kontrolliert (Vater, Mutter, Geschwister, Reaktion der Umgebung auf Dein Sosein...) und was wird mir Befreiung bringen und was ist daher mein Weg? Und was muß ich in mir selber kontrollieren lernen, um diesen Weg gehen und mein klitzekleines, bescheidenes Ziel, glücklich zu werden im Leben mit einem Partner und in einem Freundeskreis erreichen zu können?
lg