Könnte sich der Materialismus denn auch irren?
Natürlich könnte er.
Wäre das wissenschaftlich möglich? Mich würde interessieren, ob man Gegenmodelle wissenschaftstheoretisch durchgespielt hat.
Kommt auf die Gegenposition an. In einigen Gegenmodellen macht z.B. Wissenschaft allgemein keinen wirklichen Sinn.
Wie hast Du denn früher argumentiert, als Du noch an Gott geglaubt hast? Oder warst Du da noch kein Physiker? Was sagt denn Deine Intuition dazu? Gibt es da evtl. eine Gegenstimme in Dir gegen Deine Logik?
Ich habe ungefähr so argumentiert, wie Du jetzt: Wissenschaft ist agnostisch - und streng genommen stimme ich dem so auch heute noch zu. Mir war aber dabei aber nicht so wichtig, dass die Wissenschaft verstärkt nach Gott suchen sollte, oder dass sie ohne Gott wichtige Dinge übersehen würde. Wichtig war mir nur festzuhalten, dass ein religiöser Glaube nicht von der Wissenschaft komplett ad absurdum geführt werden könne... dass sich beides miteinander vertragen kann. Und auch dazu stehe ich heute noch: Es gibt nicht wenige gute Wissenschaftler, die "privat" zusätzlich noch religiös sind.
Entsprechende Beiträge von mir könntest Du auch hier im Forum finden... so die ersten zwei bis drei Jahre meiner Aktivität hier. Mein Wechsel zum Atheismus ist noch nicht so lange her... ich war schon hier im Forum aktiv.
Was meine Intuition sagt... rein vom Gefühl her bin ich durchaus noch religiös. Ich ertappe mich z.B. dabei, wie ich Stoßgebete hochschicke o.ä. solche Gewohnheiten wird man nicht so schnell durch Kognition alleine los.
Der Anlass, warum ich mich damals hier im Forum anmeldete, war, dass 2004 kurz hintereinander eine gute Freundin von mir und mein Vater gestorben sind. In der Trauer wollte ich nach Beweisen für ein "Weiterleben nach dem Tod" suchen. Gefunden habe ich viel, bei dem behauptet wurde, es wäre der Beweis... aber nichts, was wirklich lückenlos beweiskräftig wäre. Dieser Umstand färbt meine Intuition bzw. mein Gefühl auch immernoch: Ich hoffe sehr, dass ich mich mit dem Materialismus irre. Ich sehe nur leider kein Anzeichen, dass ich es tue.
Was mich persönlich erstaunt, sind die Stimmen aus den Reihen der Gehirnforscher, die durchaus an eine Seele und ein Weiterleben nach dem Tod sowie Gott glauben. Sie werden doch das Gehirn besonders gut kennen, wie es aufgebaut ist, wo der Materialismus die Projektionen des Geistes ortet. Eigentlich müssten doch alle Gehirnforscher auch Materialisten sein bei so viel hautnahem Wissen über das Gehirn. Aber so ist es nicht. Ich habe sogar mehrere Gehirnforscher gelesen, die eine Seele und eine Existenz außerhalb der Materie für wahrscheinlich halten.
Ja, und daneben habe ich viele Hirnforscher gelesen, die durchaus schlüssig erklären konnten, warum sie es für sehr unwahrscheinlich/unplausibel halten.
Kennst Du z.B. den Philosophen Thomas Metzinger bzw. sein Buch "der Egotunnel"?
Und wenn es so wäre und es mehr gäbe: Könnte das überhaupt die gegenwärtige Naturwissenschaft prüfen, ob ja oder nein? Wenn nicht, warum bedeutet das für Dich DE FAKTO dass es nicht besteht, weil es nicht bewiesen werden kann?
Die Gegenwärtige (Natur-)Wissenschaft kann zumindest prüfen, ob so einiges, was als "Beweis für ein Jenseits" behauptet wird, wirklich ausreichend beweiskräftig ist. Und das war leider bei den "Beweisen", die ich bisher so vorgefunden habe, nicht der Fall.
Das Allermeiste im Leben kann nicht bewiesen werden. Trotzdem geht der Mensch von Erfahrungswerten aus, die NICHT bewiesen sind. Wir könnten gar nicht überleben ohne diese Erfahrungswerte, die wie gesagt NICHT bewiesen sind. DE FAKTO wäre es also sinnvoller, von mehr auszugehen, als bewiesen werden kann.
Wozu und wovon genau sollte dann ausgegangen werden?
Es gibt dafür auch einen wissenschaftlichen Grund: Denn warum sollte sich die Wissenschaft denn überhaupt noch um neue Erkenntnisse bemühen, wenn angeblich schon fast alles Wesentliche erforscht und bewiesen ist? Es ist doch viel sinnvoller für den Fortschritt, davon auszugehen, dass da noch viel entdeckt werden kann. Wie sonst soll sich die Wissenschaft sonst motivieren und weiterentwickeln?
Natürlich. Wer meint, da etwas entdecken zu können, soll da suchen. Dagegen spricht nichts. Bei der Suche da sind bisher allerding schon sehr viele Leute u.a. über ihre Wunschvorstellungen (die ich wie gesagt teile) gestolpert.
Klar, auch ich bin in vielerlei Beziehung Atheistin, ich glaube nicht an viele Götter, ich glaube nicht an ein Spaghettimonster. Aber ich glaube meinen eigenen Erfahrungswerten, die mir gezeigt haben, dass es mehr gibt und deshalb der Faktor GOTT durchaus im Spiel bleibt. Ich könnte mir schon vorstellen, dass gewisse Aspekte dieser unbekannten Variablen GOTT sich auch im Kleinen zeigt und deshalb erforschbar wäre, wenn die Wissenschaftler wirklich agnostisch offen bleiben (auch DE FAKTO) und nicht von "absoluter Einfachheit" ausgehen (was das ist, wurde im von mir verlinkten Video ab 18:00 wortwörtlich erklärt).
Beschreib mal konkreter, wie sich Gott auch im Kleinen zeigen könnte. Wie möchtest Du seine Existenz als falsifizierbare Aussage formulieren, die somit auch einem Experiment bzw. einer Beobachtung zugänglich ist?