Anevay
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Schön. Und wie sieht es mit generellem (indirektem oder gar dirketem) Abraten von der evidenzbasierten Medizin aus?
Das tut hier keiner, auf Vorsicht und im Zweifel fachliche Mehrfachbeurteilungen hinzuweisen, um menschliche Fehler aus Narzissmus, Selbstüberschätzung oder Ignoranz usw. geschehen, und auf die gängige und sehr wohl heftig in Fachkreisen diskutierte Kritik an der EBM hinzuweisen, das ist kein Abraten, sondern Aufklärung.
Wer natürlich heißer Fan der EBM ist, wird sich wegen solcher berechtigter Kritik vielleicht wahnsinnig angegriffen fühlen und sie dann krampfhaft verteidigen wollen. Dann wird die eigene Vorliebe zu einer Religion: "Es darf nur eine geben, die EBM". Und das ist - mit verlaub - viel zu einseitig gedacht.
Es dauert etwa 10 Jahre, bis aktuelles Wissen in den Arztpraxen ankommt. Ergo laborieren sehr viele Ärzte auf einem Wissensstand, der faktisch veraltet ist. Unabhängig davon, ob eine Behandlungsmethode noch ok ist oder nicht.
Wem also an einer ganzheitlichen Betachtung seiner individuellen gesundheitlichen Probleme gelegen ist, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als sich zu seiner Diagnose, die ihm ein Arzt verpasst hat, selbst umfangreich zu informieren, um überhaupt entscheidungsfähig zu werden. Und sich evtl. weitere fachliche Meinungen einzuholen.
Deb genauso, wie ein Mensch für sich die Verantwortung trägt, wenn er einen Geistheiler konsultieren möchte, trägt er auch die Verantwortung, wenn er blind dem nächstbesten Arzt vertraut, weil er Fan der EBM ist und glaubt, jeder Arzt würde sich ständig fortbilden, auf dem aktuellen Wissensstand sein und immer die richtige Behandlungsmethode vorschlägt, nur weil derjengie ein Medizinstudium vollbracht hat und sich Arzt nennen darf und praktizieren.
Blinder vorauseilender Gehorsam ist in Gesundheitsfragen meiner Ansicht nach der schlechteste Berater.
LG
Any