Neue Epstein-Akten zeigen Verbindungen in Finanzwelt, Politik, Wissenschaft und Kultur. Ein Elitenforscher erklärt im Interview diese Netzwerke, wie sie funktionieren, wie gefährlich sie sind.
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"Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte zahlreiche Verbindungen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur geknüpft. Der Elitenforscher Michael Hartmann erklärt, wie diese Netzwerke der Mächtigen funktionieren."
Auszug:
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Hätte man von den Missbrauchsvorwürfen wissen können? Seit 2008 galt Epstein als vorbestraft.
Vom Missbrauch wussten die meisten wahrscheinlich nichts, aber die Partys in
New York waren sicher für viele attraktiv. Man ahnt vielleicht etwas, aber geht trotzdem hin, weil wichtige Leute da sind. Leute, die länger drin sind, bringen andere mit und so wächst so etwas, über Bürgen.
Wie funktioniert das genau?
Wenn jemand in dieses innere Netzwerk will, muss jemand, der schon drin ist, für ihn bürgen. Der Bürge garantiert, dass der Neue die Geheimnisse wahrt. Weil die im Inneren oft wussten, dass sie etwas Illegales machten. Die mussten sicher sein, dass keiner plaudert. Jeder hat den anderen in der Hand – man weiß, welche Leichen im Keller sind. Genau das hat die Stabilität im System erzeugt.
(...)
Sie sagten einmal, seit der Finanzkrise 2008 verfestige sich das Gefühl: Die Eliten haften nicht für ihre Taten. Führt das zu Misstrauen an der Demokratie, Zweifeln an der Gerechtigkeit – und treibt Wähler vielleicht zu Populisten, selbst wenn diese wie Trump Teil der Elite sind?
Das verstärkt das Misstrauen enorm. In den USA noch stärker als bei uns. Was man immer geahnt hat, dass es da oben schlimm zugeht, scheint bestätigt. Deswegen muss man das auf den rationalen Kern zurückführen, sonst landen die Leute bei den wildesten Verschwörungstheorien. Dass es eine globale Pädophilen-Clique gäbe, die die Welt regiert, ist Quatsch.
Was ist der rationale Kern? Welche Folgen haben solche Skandale?
Der sexuelle Missbrauch bei Epstein ist eine Katastrophe.
Gesamtgesellschaftlich schlimmere Folgen haben aber oft die finanziellen Skandale: Cum-Ex, Steuertricksereien, das Abschöpfen öffentlicher Gelder. Wenn Hunderte Milliarden aus öffentlichen Kassen aufgewendet werden müssen, um Finanzinstitute nach dem Scheitern hoch spekulativer Geschäfte zu retten, hat das auf Dauer gravierendere Konsequenzen, wie die Finanzkrise vor allem in den USA zeigte. Ohne das gäbe es Trump nicht. Geld und Macht machen die Elitennetzwerke im Kern aus, nicht Sex."