Ja, ich denke ich hätte in dem ein oder anderen Fall anders handeln können...
Alles andere würde ja bedeuten daß ich nicht selber verantwortlich bin für meine getroffenen Entscheidungen...
Hallo Luckysun,
ich finde, genau da wird es interessant!
Ist es nicht grade ein Schwerpunkt von Kinny's Eingangsfrage, wie es kommen kann, dass man rote Ampeln entweder nicht sieht, oder mit ihnen umgeht, als stünden sie auf Grün?
Aus meiner Sicht läuft die Befreiung zum liebenden Menschen, der sich lieben lassen kann, darauf hinaus, sich zunächst in der Verbogenheit zu erkennen.
Und sich diese weder vorzuwerfen, noch sich der Verantwortung dafür, dass es anders werden muss, zu entziehen.
Sich selbst genau so verbogen wie man ist, ganz anzunehmen und liebevoll für sich sorgen zu lernen - damit man ab jetzt immer besser mit sich und mit Anderen umgehen kann. (Und sich für eine ganz andere Art von Menschen zu interessieren, als bisher!)
Dazu ist es, weiterhin aus meiner Sicht, erforderlich, zu dem Kind zurück zu gehen, das man war und zu erkennen, dass es völlig unschuldig war, von Grund auf gut und liebend.
Erkennen, was es lernen musste, um in einem schwierigen Elternhaus wenigstens ansatzweise zu bekommen, was es - was jedes Menschenkind - braucht und sich bestmöglich vor den in erschreckend vielen Familien lauernden Gefahren zu schützen.
Genau diese Überlebensprogramme machen danach im Erwachsenenleben, wo wir Verantwortung hätten, die Probleme.
Denn das innere Kellerkind ist sich sehr sicher, dass nur so überlebt werden kann und alles Neue oder Andere sehr gefährlich ist.
Und wer setzt sich in Stressituationen durch? Dein kluger Kopf, oder deine innere Not?
Vielleicht wird der Umgang mit dem, was man selbst verbockt hat, was man inzwischen bereut, besser klar wenn man eine Reihenfolge hineinbringt in die Veränderung.
Und das fängt für mich damit an, dass ich erst mal subjektiv werde. Und bei der Frage, was wovon kam, anerzogene Tabus, Eltern kritisch zu sehen, über Bord werfe.
Nicht, um sie für meine heutigen Entscheidungen verantwortlich zu machen, denn diese Verantwortung habe ich mit dem Eintritt ins Erwachsenenleben ganz alleine.
Aber ich möchte verstehen dürfen, dass ich gelernt habe, mich so zu verhalten weil ich dann erkenne, dass ich es verlernen kann.
Zurück also zu deinem Rückblick auf Entscheidungen, die du gegen deine Erkenntnisse getroffen hast, bzw. den beiden Beispielen:
Warst du in dem Augenblick wirklich fähig, dich deinen Einsichten gemäß zu verhalten?
Hattest du nicht vielleicht gelernt, die wenigen angenehmen Momente mitzunehmen weil langfristig und überwiegend kaum Gutes zu erwarten sei?
Und das sehr persönliche Thema, wie gehe ich, wenn ich gelernt habe, andere zu beschwichtigen, ihnen zu geben was sie wollen, damit ich für den Moment eine Illusion von Frieden oder Liebe habe, in sexueller Hinsicht mit mir um - bis hin zu dem, was mich scharf macht...
Also ich hatte da so meine Prägungen...
Viele Grüße,
Eva