Zum Glück verschreiben diese Globuli Kinderärzte. Also wirkliche Ärzte.
Zum Glück gibt es auch Kinderärzte, die sowas nicht verschreiben. Und die sind nicht weniger echte Ärzte, als die, auf die Du Dich hier berufst. Als meine Tochter geboren wurde, gab es einen Kinderarzt in dem Ort, in dem wir damals wohnten, gegen den eine ebenfalls dort tätige Hebamme Stimmung zu machen versuchte, weil besagter Kinderarzt die Homöopathie ablehnte. Das war für uns ein guter weiterer Grund, genau DIESEN Kinderarzt zu konsultieren - abgesehen davon, dass auch andere Eltern sehr zufrieden mit ihm waren. Und das war auch gut so - wir wurden von ihm immer wunderbar beraten und ggf. behandelt. Und nein, das bedeutete nicht, dass bei allem der Antibiotika-Hammer ausgepackt wurde o.ä.
Mein Gedanke geht auch in die Richtung, das die Mutter davon überzeugt ist dem Kind was gutes zu tun, und deswegen funktioniert das.
Deswegen beurteilen die Eltern das Verhalten des Kindes anders bzw. im Glauben gefärbt etwas zu tunt. Und auch das Gefühl etwas gutes für das Kind zu tun, färbt dann auf das Kind ab und beruhigt es mit. Solche Effekte zusammengefasst nennt man dann zusammengefasst "Placebo by proxy". Da spricht a priori auch nichts dagegen. Das kann man aber auch anders erreichen, ohne Zuckerkügelchen oder anderen Darreichungsformen eine Wirkung zuzuschreiben, die sie nach den bekannten Naturgesetzen aus Chemie, Physik, Biologie etc. gar nicht haben können.
Bzgl. zahlenden Kindern und Globuli ist das da noch schlimmstenfalls wirkungs- aber dafür auch harmlos.
Das gilt aber bei weitem nicht für alles, was Eltern mit ihren Kindern machen im Glauben, den Kindern damit Gutes zu tun. So gibt es z.B. Eltern, die ihren autistischen Kindern ätzende Chlorbleiche in den Darm pumpen - genannt "MMS" - und sind ganz stolz, dass sich dabei Darmschleimhaut ablöst, die sie als Würmer fehlinterpretieren. Im Interview berichten sie auch stolz, dass die Kinder seit dem ruhiger sind und besser gehorchen. Kunststück, wenn die Kinder Angs haben, dass bei Fehlverhalten wieder ein Einlauf mit der scharfen Flüssigkeit droht...
Und auch Homöopathie wird dabei von den Eltern nicht immer verantwortungsbewusst eingesetzt. So berichten Kinderärzte auch davon, dass sie Globuli aus dem Gehörgang von Kindern mit Mittelohrentzündung rausholen mussten, sobald die Eltern zur Einsicht kamen, dass die starken Ohrenschmerzen ihrer Kinder doch einen Arztbesuch oder gar die Notaufnahme im Krankenhaus rechtfertigen.
Jetzt hier wirst Du wahrscheinlich richtigerweise einwerfen wollen, dass das alles nicht der Homöopathie bzw. verantwortungsbewussten Anhängern dieser anzulasten sei. Das ist wie gesagt richtig. Das ändert aber nichts dran, dass es sowohl äußerst unplausibel wie auch unbelegt ist und bisher blieb, dass von Globuli irgendeine Wirkung über die verschiedenen Placebo-Effekte bzw. Kontext-Effekte hinaus ausgehen würde.
Aber ne, diese Form von Aufmerksamkeit ob es dem Kind da besser geht überlasse ich den Müttern.
Mache ich tatsächlich auch. Ich werde sicherlich keiner Mutter das Globuli-Fläschchen aus der Hand schlagen oder sonstwie mich in die Erziehung oder Medikation einmischen, wenn ich nicht den dringenden Verdacht habe, das Kindeswohl wäre in Gefahr. Dass ich von Homöopathie nichts halte, und warum ich das nicht tue, äußere ich dennoch. Warum auch nicht?
Dabei wären die es, die z.B. in einer Studie der Homöopathie wirkliche Wirkung zuschreiben würden/könnten, sollten z.B. in der Kontrollgruppe signifikant weniger Erfolge zu verzeichnen sein als in der Versuchsgruppe. Bei Studien mit gutem Design kam das bisher allerdings leider nicht viel vor. Das sagt nichts Gutes über diese Wirkung aus.
Und keinen Psychologen, auf gar keinen Fall!
Brauchst Du auch nicht. Denn es geht immernoch nicht darum, die Homöopathie zu verbieten, sondern darum zu äußern, dass und warum man selbst nicht an die Aussagen/Behauptungen über Wirkungen aus der Homöopathie glaubt. Und ich gehe sogar noch weiter: Ich äußere, unter welchen Bedingungen ich meine Haltung dazu revidieren würde.
Den Ärzten und den Müttern, sonst niemandem.
Durchaus, so lange ich das Kindeswohl dadurch nicht grob gefährdet sehe.