Regina
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(Gustav Rau)Die Seele des Pferdes äußert sich nur denjenigen die sie suchen.
Ich präsentiere das opus magnum von Frau Meier_Seethaler, meiner geschätzten Bibliothekarin, die mich in meinem Garten besuchte
https://www.esoterikforum.at/forum/showpost.php?p=1679068&postcount=1008;
hier in Auszügen ..
Bitte QUELLENNACHWEIS BEACHTEN!
(alle Rechte liegen bei der Autorin!)
http://www.opus-magnum.de/download/meier_seethaler_urspruenge.pdf
»Sie war familienrechtlich, gesellschaftlich und sozial Jahrhunderte- vielleicht jahrtausendelang
anders organisiert als die ausschließlich mit dem Manne, dem Mannesrecht, der Manneskraft
und der Mannesdeszendenz aufgebaute spätere Welt, aus der unsere heutige europäische Kultur entstanden ist.
. . In dieser mediterranen, mutterrechtlich aufgebauten alten Welt nahm die Frau eine ganz andere Stellung in
Familie, Staat und Gemeinschaft ein als später. Sie war die Schwester und Gefährtin des Mannes, war nicht
nur die Gebärerin, sondern auch die Erzieherin der Kinder, denen sie ihren Namen und ihren Erbteil gab. Sie
war im Sport gleichberechtigt mit dem Manne, stand gesellschaftlich auf einer hohen Stufe und war stellenweise
am Staat, ja sogar am Kriege aktiv beteiligt. «
(E. Kornemann, Historiker, (1946) über die von ihm so benannte »afrikanisch-eurasische Grundkultur«)
Sobald aber die frühgeschichtlichen Zeiträume in die Betrachtung mit einbezogen werden, kann das
Patriarchat nicht länger als die selbstverständliche Grundlage der menschlichen Gesellschaft gelten
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
Im ersten Teil meines Buches werde ich darstellen, wie die Kultur der menschlichen Frühzeit von dem
Bewusstsein durchdrungen war, dass das weibliche Geschlecht in besonderem Maße magische Kräfte besitzt,
was mit der Fruchtbarkeit der Frau in Zusammenhang steht. Ihre Fähigkeit, Leben hervorzubringen, verlieh
ihr den Nimbus des Heiligen und prädestinierte sie zur Mittlerin zwischen den göttlichen Mächten und der
menschlichen Gemeinschaft. Kulturen, in denen der weibliche Einfluss dominiert, sollten deshalb streng genommen
nicht als »Matriarchate« bezeichnet Werden, weil in diesem Begriff das Wort »Herrschaft« steckt und
er daher die These suggeriert, in der vorpatriarchalen Gesellschaft hätten die Frauen »geherrscht« im Sinne
eines hierarchischen Machtgefälles. Eine solche Vorstellung aber wäre nichts anderes als die Rückprojektion
des patriarchalen Herrschaftsstils in die Vergangenheit, nur mit umgekehrten Vorzeichen.
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
Das eigentliche Thema meines Buches, die Befreiung zur Partnerschaft
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
{54} Mit den ersten sumerischen Schriftzeichen um 3000 v. Chr. beginnt die Periode der Geschichtsschreibung,
die allerdings nicht schon deshalb als objektive Quelle gelten kann, weil sie lesbare Worte hinterließ. Zu allen
Zeiten standen die Historiker unter der Zensur der Mächtigen.
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
Die scheinbar stummen Zeugen der Geschichte
sind jedoch nicht weniger zuverlässig, wenn wir sie sorgfältig genug interpretieren. Zu diesen stummen
Zeugen der Archäologie zählen neben Grab- und Skelettfunden die Überreste menschlicher Behausungen
und Kultbauten, Werk- und Gebrauchsgegenstände, Kult- und Kunstgegenstände, Malereien und ornamentale
Symbole, Musikinstrumente, Schmuck und Reste menschlicher Bekleidung.
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
Eine der größten Schwierigkeiten, an wichtige Quellen heranzukommen, besteht bis heute darin,
dass kaum ein wissenschaftliches Standardwerk systematische Untersuchungen zum Thema matrizentrischer
Kulturen anbietet oder im Index entsprechende Stichworte verzeichnet. Erst in jüngster Zeit zeigt sich
das Interesse am Thema Frau in der steigenden Zahl wissenschaftlicher Monographien und internationaler
Ausstellungen.
{61} Dies aber ist vor allem der Pionierarbeit feministischer Wissenschaftlerinnen zu verdanken, die seit den
siebziger Jahren auf allen Gebieten der Humanwissenschaften neue Wege beschreiten und dabei zu höchst
beachtlichen Ergebnissen kommen. Dennoch gleicht die Quellensuche zu unserem Thema immer noch der
Suche nach weit verstreuten »apokryphen« Schriften, die erst mühsam zusammenzutragen sind, um sie für
eine kulturgeschichtliche Gesamtschau fruchtbar zu machen.
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
{69} Als Ausgangspunkt für dieses Mosaik wähle ich den kleinasiatisch-europäischen Raum, und zwar zunächst
Catal Hüyük, die Stadt aus der Steinzeit Anatoliens, die, erst 1961 von James Mellaart erschlossen, mit
ihren untersten Schichten bis weit ins siebte Jahrtausend zurückreicht. Diese bisher bestbelegte Stadtkultur in
so früher Zeit - 4000 Jahre vor den sumerischen und ägyptischen Städten - ist bis jetzt in ihrer Bedeutung noch
viel zu wenig bekannt. Sie ist nicht nur eindeutig matrizentrisch geprägt, sondern stellt in vieler Hinsicht eine
Brücke dar zwischen den afrikanisch-eurasischen Hochkulturen des dritten Jahrtausends und den archaischen
Kulturen der Jungsteinzeit bis zurück zur jüngeren Altsteinzeit.
Catal Hüyük
{70} 50 km südöstlich von Konya in Anatolien (Türkei) erhebt sich das ovale Tell von Catal Hüyük 17m über
dem heutigen Erdboden und stellt mit seiner Länge von über einem halben Kilometer und seiner Breite von
ca. 300 m den bisher größten Fundplatz aus dem frühen Neolithikum (Jungsteinzeit) dar.
{71} Die zwölf Siedlungsschichten zwischen 17m über und 19m unter der Oberfläche sind zum Teil durch
Brände zerstört, im Ganzen aber hervorragend erhalten und dokumentieren die Siedlungsgeschichte von ca.
6500 v. Chr. bis 5700 v. Chr.
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
1. Die Große Göttin
Figürliche Darstellung der Göttin
{77} Das hervorstechendste an diesem außerordentlichen Zeugnis frühmenschlicher Religiosität ist die
Tatsache, dass die Bildnisse von Gottheiten in Menschengestalt nahezu ausschließlich weiblichen Geschlechts
sind. Unter den insgesamt 33 kleinen vollplastischen Figuren in einer Höhe von 4,5 bis 30 Zentimetern befinden
sich nur sieben männliche Gottheiten, davon die meisten knabenhaft oder in jugendlichem Alter. Auf die
mutmaßliche Bedeutung der Letzteren wird noch zurückzukommen sein.
{78} Die 17 erhaltenen großen Wandreliefs in einer Höhe von einem bis über zwei Metern zeigen ausnahmslos
das Bild der Göttin von Catal Hüyük, und zwar immer in einer den Kultraum beherrschenden Position. Die
aus Gips geformten und bemalten Halbfiguren stellen die Göttin zum Teil nackt, zum Teil bekleidet dar in einer
eigenartigen Haltung, die man als (Abb. 1 unten) Gebärstellung bezeichnet hat. Sie zeigen die Göttin en
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face, mehr oder weniger schematisiert mit ausgebreiteten oder angewinkelten Armen und ebenso ausgestreckten
oder angewinkelten Beinen und mit betonter Bauchregion. Manchmal ist der schwangere Leib mit einer
Spirale bemalt, und mehrmals tritt aus der Leibesöffnung ein Tierkopf hervor, meist der eines Stieres oder der
eines Widders.
{79} Stier-, Widder- und Hirschköpfe, vor allem aber Stierköpfe, bilden neben der Göttin das beherrschende
Motiv religiöser Verehrung in Catal Hüyük. Wir finden sie einzeln oder in Gruppen an die Kultwände geheftet,
zum Teil als plastische Gipsreliefs, zum Teil mit Originalhörnern des Wildtiers, dazu ganze Reihen von
Stierhornscheiden in Gipsbänke eingelassen zu so genannten Bukranien, wie sie rund 4000 Jahre später auch in
den kretischen Palästen gefertigt werden. Stier, Widder, Hirsch und andere gehörnte Tiere als Manifestationen
des männlich-göttlichen Prinzips im Sinne zeugender Fruchtbarkeit sind universelle Kultsymbole der frühen
Religionen, die uns noch häufig begegnen werden.
In unserem Zusammenhang ist zunächst wesentlich, dass
die Tiergeburt die weibliche Kultfigur zu einer wirklichen Göttin macht, zu einer Gottesgebärerin, und dies
hebt sie weit über irgendein vages Fruchtbarkeitssymbol hinaus.
(Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Die sexistischen Wurzeln der Kultur)
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AL
Regina
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