Die Reflexionen, Gedanken und Zitate, die mich inspirieren.

während das „Feld“ oder die zugrundeliegende Struktur – z. B. Quantenfelder – nicht direkt erfahren wird, aber alles Erleben ermöglicht.
Aha, das kann ich nachvollziehen, aber würde das nicht dem Mittleren Weg widersprechen?
Ich verstehe sehr gut, was du meinst, aber der "Ur-grund" des Daseins existiert doch so eigentlich nicht, oder?
 
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man von ontologischen Fundamenten oder unbedingten Bedingungen für Existenz
Ja, prima, aber wenn man über das Fundament spricht, das alle Erscheinungen er-möglicht, würde es dann wie Gott bedeuten – also etwas, das im Hintergrund als das „Ding an sich“ existiert, noch bevor es sich selbst offenbart.--Durch Er-schein-ung-en.. So etwas in der Art.
 
Aha, das kann ich nachvollziehen, aber würde das nicht dem Mittleren Weg widersprechen?
Ich verstehe sehr gut, was du meinst, aber der "Ur-grund" des Daseins existiert doch so eigentlich nicht, oder?
kurz und klar: Es widerspricht dem Mittleren Weg nur dann, wenn man den „Ur-Grund“ als ein festes Ding mit eigenständiger Existenz auffasst.
Nagarjuna und die Prasangika-Madhyamaka lehnen genau das ab: nichts hat ein inhärentes Eigenleben (svabhāva). Jede Erscheinung ist abhängig entstanden (pratītyasamutpāda) und leer (śūnyatā) von eigener Substanz. Würde man also „Realität“ als ein weiteres ontologisches Ding neben den Erscheinungen setzen, wäre das ein Bruch mit dem Mittleren Weg.

Aber: wenn mit „Realität“ nicht ein Objekt gemeint ist, sondern die nicht-gegenständliche Offenheit oder nicht-vergegenständlichte Basis, in der Erscheinungen erscheinen und vergehen, dann ist das kompatibel. In dieser Lesart ist die „Realität“ kein Ding, kein Subjekt, keine Entität — sondern die nicht-dual geartete Bedingung des Erscheinens selbst (oft metaphorisch als Raum, Feld, oder Suchness/Tathatā beschrieben). Diese „Basis“ wird nicht als etwas mit eigener Existenz behauptet, sondern als der nicht-erfahrbare Rahmen; sie bleibt leer von inhärenter Natur und widerspricht damit nicht Nāgārjunas Kritik an svabhāva.


Widerspruch entsteht, wenn „Realität“ als weiteres Ding mit eigener Existenz gedacht wird — das lehnt die Madhyamaka ab.

Kein Widerspruch, wenn „Realität“ als nicht-dinghafte Offenheit verstanden wird — also als sprachliche Näherung an das, was Erscheinungen möglich macht, ohne selbst ein Objekt zu sein.


Ein formulierbarer, kurzer Antwortvorschlag an dich, @Pavel07:

> „Nicht wenn ‚Realität‘ nicht als ein zusätzliches Ding verstanden wird, sondern als die nicht-gegenständliche Offenheit, in der abhängiges Entstehen stattfindet. Nagarjuna kritisiert Substanzdenken (svabhāva); er schließt nicht aus, dass es eine nicht-duale, leere Bedingung des Erscheinens gibt — sie ist aber kein 'Etwas', das man objektivieren kann.“
 
> „Nicht wenn ‚Realität‘ nicht als ein zusätzliches Ding verstanden wird, sondern als die nicht-gegenständliche Offenheit, in der abhängiges Entstehen stattfindet. Nagarjuna kritisiert Substanzdenken (svabhāva); er schließt nicht aus, dass es eine nicht-duale, leere Bedingung des Erscheinens gibt — sie ist aber kein 'Etwas', das man objektivieren kann.“
Ich denke darüber nach, vielleicht haben wir uns woanders getroffen? Nicht so wichtig… Ich melde mich dann. Vielen herzlichen Dank.🙏🙏🙏
 
Der Autor des Buches sagt dann in etwa, dass Nagarjuna nur die Idee einer substantiellen Existenz zurückweist, aber nicht die Idee eines Daseins in seiner einfachen Tatsächlichkeit. Anders ausgedrückt: Es wäre wie das „Todlose Element“ oder die „Soheit“ – also das, was schon immer da ist – oder der Tathāgata, der von Anfang an existierte. In diese Richtung geht es auch im Herz-Sūtra, wenn ich das richtig verstanden habe.


Oder noch ein Gedanke: Was ermöglicht eigentlich der Prozess des Werdens, also bhava? Dieser ontologische Hintergrund ist immer präsent; er ist wie die Schnittstelle zwischen Zeit und Zeitlosigkeit. Ich verstehe, was du meinst. Nagarjuna ist wirklich eine sehr harte Nuss, leider.


„Philosophisch gesprochen, ist der Sinn von »Wirklichkeit« und damit der Gegensatz

zum »Schein« selbst fraglich geworden. Heidegger hat in seiner Frage nach dem »Sinn

von Sein«26 das Wirklichsein des Wirklichen zur Frage erhoben. Die nachhaltige Erschütterung,

die diese Frage in Philosophie und Theologie hervorgerufen hat, kann als

Echo auf die offenkundige Zweifelhaftigkeit der unverbrüchlichen Einheit der Wirklichkeit

selbst verstanden werden. Heideggers positive Antwort auf die offen gewordene

Frage nach dem Sinn der Wirklichkeit, des Seins deutet in eine Richtung, die geradezu

nach einem Dialog mit den asiatischen Denktraditionen ruft. Heidegger interpretiert die

»Wirklichkeit« der griechischen Tradition als beständige Anwesenheit, als das Bleibende

im Vergänglichen.
Damit aber das Anwesende überhaupt an-wesen kann, bedarf es

vorgängig einer Offenheit, eines »Raums«, in den hinein das Anwesende anwest, erscheint.


Diese »Offenheit«, diese - wie Heidegger sagt - »Lichtung des Seins« ist das

Kernthema seiner Ontologie.“



So ist es, denke ich.



VIRTUELLE REALITÄT –

WIRKLICHKEIT ALS SCHEIN

EIN BEITRAG ZUM DIALOG

ZWISCHEN EUROPA UND ASIEN


Karl-Heinz Brodbeck
 
Na ja, nochmal: Die Realität wäre dann wie die reine Potenz – etwas wie „Wie sah mein Gesicht aus, bevor ich geboren wurde?“ – so in Zen-Richtung, oder etwas wie Sein, aber nicht als "Seine" Er-schein-ungen.
Und seine Erscheinungen wären dann die Wirklichkeit.
 
@Grooti -

Was mir auffällt, wenn ich alle deine Beiträge lese, die den Buddhismus betreffen: Sie haben eher eine säkulare Ausrichtung (was auch meiner Sichtweise entspricht). Du betonst stark die absolute Ebene, also das paṭicca-samuppāda – während die konkrete Per-son( Wie die "Maske"=) nicht auffindbar ist.


Ich erspare mir, Nyānatiloka dazu zu zitieren, aber im „Buddhistischen Wörterbuch“ heißt der Begriff: Paramattha-sacca, -dhamma, -vacana, -desanā. Das bedeutet für mich, dass ich keine Angst haben muss, etwas Böses zu tun.


Für mich persönlich spielt es keine Rolle, wie auch das sogenannte Geisteskontinuum auch. Man könnte es als ein Schlupfloch zum Ātman ansehen, aber diese Sichtweise höhlt letztlich den Begriff Karma aus, und die sogenannte Wiedergeburt bleibt dabei auf der Strecke.


Für mich ist das alles in Ordnung, doch es hat mir an anderer Stelle sehr zugesetzt – denn wie schon (nicht von mir) gesagt wurde: Religion ist das Opium des Volkes. LG.
 
Der Autor des Buches sagt dann in etwa, dass Nagarjuna nur die Idee einer substantiellen Existenz zurückweist, aber nicht die Idee eines Daseins in seiner einfachen Tatsächlichkeit. Anders ausgedrückt: Es wäre wie das „Todlose Element“ oder die „Soheit“ – also das, was schon immer da ist – oder der Tathāgata, der von Anfang an existierte. In diese Richtung geht es auch im Herz-Sūtra, wenn ich das richtig verstanden habe.


Oder noch ein Gedanke: Was ermöglicht eigentlich der Prozess des Werdens, also bhava? Dieser ontologische Hintergrund ist immer präsent; er ist wie die Schnittstelle zwischen Zeit und Zeitlosigkeit. Ich verstehe, was du meinst. Nagarjuna ist wirklich eine sehr harte Nuss, leider.


„Philosophisch gesprochen, ist der Sinn von »Wirklichkeit« und damit der Gegensatz

zum »Schein« selbst fraglich geworden. Heidegger hat in seiner Frage nach dem »Sinn

von Sein«26 das Wirklichsein des Wirklichen zur Frage erhoben. Die nachhaltige Erschütterung,

die diese Frage in Philosophie und Theologie hervorgerufen hat, kann als

Echo auf die offenkundige Zweifelhaftigkeit der unverbrüchlichen Einheit der Wirklichkeit

selbst verstanden werden. Heideggers positive Antwort auf die offen gewordene

Frage nach dem Sinn der Wirklichkeit, des Seins deutet in eine Richtung, die geradezu

nach einem Dialog mit den asiatischen Denktraditionen ruft. Heidegger interpretiert die

»Wirklichkeit« der griechischen Tradition als beständige Anwesenheit, als das Bleibende

im Vergänglichen.
Damit aber das Anwesende überhaupt an-wesen kann, bedarf es

vorgängig einer Offenheit, eines »Raums«, in den hinein das Anwesende anwest, erscheint.


Diese »Offenheit«, diese - wie Heidegger sagt - »Lichtung des Seins« ist das

Kernthema seiner Ontologie.“



So ist es, denke ich.



VIRTUELLE REALITÄT –

WIRKLICHKEIT ALS SCHEIN

EIN BEITRAG ZUM DIALOG

ZWISCHEN EUROPA UND ASIEN


Karl-Heinz Brodbeck
Nagarjuna weist in der Tat die Idee einer substantiellen Existenz zurück – also das Festhalten an einem eigenständigen, unveränderlichen „Ding“. Aber er lässt die einfache Tatsächlichkeit des Daseins, wie du schreibst, nicht fallen. Begriffe wie „Todloses Element“, „Soheit“ oder auch die Lichtung des Seins bei Heidegger versuchen dasselbe anzudeuten: einen Hintergrund, der selbst nicht in den Kategorien von Werden und Vergehen aufgeht.

bhava kann man genau in diesem Sinn verstehen: als Prozessualität, die an der Schnittstelle zwischen Zeit und Zeitlosem geschieht. Nagarjuna entzieht sich der Substanzmetaphysik, ohne deshalb in ein Nichts zu verfallen.

In Heideggers Worten: Wirklichkeit als „beständige Anwesenheit“ braucht ein Offensein, eine Lichtung, damit sie überhaupt erscheinen kann. Genau das deckt sich mit dem, was in den asiatischen Traditionen als „Soheit“ oder „Todloses“ angedeutet wird – nicht als Ding, sondern als Ermöglichung.
 
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Was m.E, ein Widerspruch bedeutet, Woher will man etwas fundamentales wissen von etwas, dass man nicht fundamental erkennt ?
Hallo Gerlind,

Es geht nicht um ein „Erkennen“ im Sinne von einem erfahrbaren Inhalt, sondern eher um ein Hinweisendes. Erscheinungen kommen und gehen, verändern sich ständig – und gerade daran lässt sich ablesen, dass es etwas geben muss, das nicht diesem Wandel unterliegt, sonst wäre auch Veränderung gar nicht bemerkbar. Dieses „Fundamentale“ bleibt selbst unverändert, wird aber nie als Gegenstand erfahren, sondern zeigt sich nur indirekt durch das, was auftritt und vergeht.
 
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