Deine.
Du bist hier die, die die Unschuldsvermutung im Alltag nicht als gegeben betrachtet.
Die Unschuldsvermutung ist ein juristischer Begriff, der nicht auf den Alltag übertragbar ist. Ebenso wie vieles von dem Statistikgerede nicht übertragbar auf das reale Leben ist.
Im Alltag ist niemand verpflichtet, auf einen fremden Menschen zuzugehen und ausnahmslos positiv davon auszugehen: der wird mir nix tun und lieb und nett sein. Neutralität ist der Mittelweg, gesundes Misstrauen und Achtsamkeit.
Was Du meinst ist die innere Haltung, wie begegne ich Menschen generell. Da macht es Sinn, nicht bei
jedem Menschen davon auszugehen, der will mir was antun. Nicht, weil es die juristische Unschuldsvermutung gibt, sondern weil ich mir den Aufwand ersparen möchte, andauernd in höchster Alarmbereitschaft zu sein.
Wenn ich aber weiß, besoffene und aggressiv brüllende Männer in einer Gruppe neigen dazu, sich unflätig zu verhalten, dann wechsel ich die Straßenseite, wenn solche Leute mir entgegenkommen. Wenn sich einer von denen nun beleidigt
fühlt, ist mir das herzlich egal.
Und was die Gerüchte angeht, so macht die Existenz von Gerüchten tatsächliche Begebenheiten nicht ungeschehen. Es gibt sehr gute Gründe gewissen Gruppen gegenüber vorsichtig und wachsam gegenüber zu sein oder in gewissen Gegenden.
Wer Gerüchte beseitigen will, muss sie widerlegen. An diesen Dingen, die dem echten Leben und nicht wissenschaftlicher Methodik oder dem Gerichtssaal entspringen, ist entsprechend pragmatisch und nicht theoretisierend-formal-juristisch-wissenschaftlich zu begegnen.