Anmerkungen über bestehende Definitionen von ”Aufmerksamkeit“
Smarte Menschen wie Bewusstseinsforscher erklären, dass Aufmerksamkeit die Zuweisung von Bewusstseinsressourcen auf Bewusstseinsinhalte sein soll. Was könnten sie mit Bewusstseinsressource anderes meinen als beispielsweise die Fähigkeit zu sehen oder zu hören? Sie behaupten, die Sehfähigkeit allein ist bereits eine Bewusstseinsressource, obwohl die Fähigkeit allein absolut nichts Bewusstes zustande bringt. Erst dann, wenn sie auf etwas Konkretes gerichtet ist, wird das Gesehene zu dem, was das jeweilige Bewusstsein ausmacht. Und zieht man den Fokus ab, wird das Gesehene zur Erinnerung, und erst das könnte man eine Bewusstseinsressource nennen, aber nicht das Sehen an sich.
Die Bedeutung von Ressource (in welchem Zusammenhang auch immer) meint stets etwas Konkretes, das bereits vorhanden ist. Doch solange ich meine Sehfähigkeit nicht auf etwas Konkretes richte, dann ist da keine Ressource, die man dieser Fähigkeit zuordnen könnte.
Das Vorhandensein des Sehens allein beinhaltet nichts und bringt auch absolut nichts Bewusstes zustande, gäbe es nicht etwas Zusätzliches, worauf ich sie richten und anwenden könnte. Keinen Moment vorher beinhaltet die Sehfähigkeit irgendeine Bewusstseinsressource.
Ich werde mir niemals erlauben, zu vergessen, dass mein Aufmerksamkeitsfokus mein einziger und konstanter Begleiter ist. Mein Fokus ist ständig ”von mir weg gerichtet“ auf die Attraktionen, die Wirkungen, die eine Welt ausmachen. Die Welt ist das, was Bewusstsein ausmacht, weil nur das, worauf ich meinen Fokus richte, zu dem wird, was Bewusstsein ausmacht. Ich bin ein Konsument der Welt. Aber ich bin nicht die Welt. Ich befinde mich a priori zu meinem Fokus, den ich auf die vorübergehenden Erscheinungen der Welt richte und von ihnen fasziniert bin, manchmal auf dieses, manchmal auf jenes. Manchmal agiere ich, manchmal reagiere ich. Das ist die Umsetzung des fundamental zugrunde liegenden Kommunikationsverlangens von Aufmerksamkeit. Und diese Aufmerksamkeit bin ich. Das ist meine wahre Natur, und nicht das, worauf ich sie auch immer richten kann, nichts, was auch immer ich mit Aufmerksamkeit herstellen oder erschaffen kann.
Aufmerksamkeit ersetzt ständig das jeweilige Bewusstsein und aktualisiert es oder macht es neu. Mal ist mir dieses bewusst, mal etwas anderes. Wenn mir ein Dieses bewusst ist, dann kenne ich das Andere nur in der Qualität von Erinnerungen oder gar nicht. Aufmerksamkeit ist die Quelle all dessen, was Bewusstsein umfassen kann.
Solche Erkenntnis sind keine Ergebnisse des Denkens, sondern von reiner und unreduzierter Beobachtung (nicht als Sehvorgang verstanden) von Zusammenhängen, die man nicht mit dem Fokus realisierst, sondern mit dem, was sowohl das Vorhandensein eines Fokus wie auch einer Welt von kommunikativen Wirkungen bezeugt.