Didendenschub bei US-Banken
Staatsgeld fließt an Aktionäre
700 Mrd. $ *es sind über 800 Mrd.- lässt sich die US-Regierung die Rettung der Finanzbranche kosten. Und dann schütten die Institute einen Großteil des Geldes an die eigenen Aktionäre aus. Für viele Kritiker ist es ein großer Skandal - die Politik schäumt.
Finanzminister Henry Paulson wies die Banken extra noch darauf hin. "Das Kapital soll nicht gehortet werden, sondern Haushalten und Unternehmen zur Verfügung gestellt werden". Doch die Bankenbranche nimmt Paulsons Aufforderung nicht ernst: Von den 700 Mrd. $, mit denen Washington die Banken stützt, fließt ein Großteil in die Taschen der Aktionäre.
Insgesamt erhielten bisher 33 Banken finanzielle Unterstützung vom Staat. Zusammengenommen planen die Institute, im Quartal 7 Mrd. $ an Dividenden auszuzahlen, schreibt die "Washington Post". Nach Berechnungen der Tageszeitung wandern in den ersten drei Jahren der Stützungsaktion damit 52 Prozent der Staatsgelder auf das Konto der Anteilseigner. Das verstößt nicht gegen die gesetzlichen Auflagen: Das vom Kongress verabschiedete Gesetz macht dazu keine Vorgaben, sondern untersagt nur die Erhöhung der Ausschüttungen.
Kritiker sprechen von "Konstruktionsfehler"
Kritiker fühlen sich nun bestätigt, dass das Rettungspaket der US-Regierung unter einem Konstruktionsfehler leidet. Unter dem "Troubled Asset Relief Program" (TARP) kauft die Regierung den Banken problematische Wertpapiere ab. Nachdem Großbritannien Anteile an heimischen Banken erwarb, folgten auch die USA. So sind inzwischen 250 Mrd. $ für den Direkteinstieg bei Finanzinstituten bestimmt.
Schon jetzt ist ein großer Geldbetrag bereits ausgezahlt. 125 Mrd. $ flossen bereits an neun Großbanken. Dazu zählen Citigroup, Bank of America und Wells Fargo. Weitere 35 Mrd. $ sind bereits für Regionalbanken wie PNC, Suntrust und BB&T verplant.
Einige Politiker schäumen."Mit dem Programm soll dafür gesorgt werden, dass die Banken die Kreditvergabe ausweiten und die Main Street mit Kapital versorgen. Wenn das Geld aber für Dividendenzahlungen ausgegeben wird, wird die ursprüngliche Intention ad absurdum geführt", sagte der New Yorker Senator Charles Schumer. *der steuerzahler wird verarscht-
Viele Banken, viele Praktiken
Einige Banken erhalten mehr Geld vom Staat, als sie an Dividenden ausschütten. Das ist beispielsweise der Fall bei The Bank of New York Mellon. Das Finanzinstitut bekommt 3 Mrd. $ von der Regierung, 275 Mio. $ fließen im abgelaufenen Quartal an die Aktionäre. In den kommenden drei Jahren wären damit Ausschüttungen von 3,3 Mrd. $ angepeilt.
Andere Banken kürzten immerhin ihre Dividendenzahlungen. Dazu gehört Suntrust, die 3,5 Mrd. $ aus Washington entgegen genommen hat. Die Regionalbank mit Sitz in Atlanta strich die Ausschüttung an die Aktionäre von 272 Mio. $ auf 188 Mio. $ im Quartal zusammen. In einer Stellungnahme schrieb die Bank: "Das liegt in unserer Verantwortung."
Einige Institute verweisen darauf, dass sie nicht Staatsgelder an Aktionäre weiterreichten, sondern nur Kapital aus den eigenen Reserven. Für David Scharfstein, Professor an der Harvard Business School, ist das keine stichhaltige Entschuldigung: "Das ist doch egal. Geld ist Geld. All das, was abfließt, kann nicht zur Stärkung der Bilanz verwendet werden."
Das US-Finanzministerium weist die Kritik zurück. "Wir haben die Bedingungen, zu denen die Banken Geld aus dem Rettungspaket erhalten, bewusst attraktiv gestalten. Damit wollten wir eine breite Teilnahme sicherstellen", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.*haha-