Von einem Anstandsprotokoll, wo man abwechselnd drei Minuten Redezeit hat,
war (bei mir) keine Rede. Natürlich wäre sowas hölzern und unangenehm.
Bei einem Gespräch, welches angenehm und mit gegenseitiger Achtung verläuft,
merkt jeder Beteiligte, wer gerade "dran" ist - und jeder merkt auch, wann dessen
"Dran-sein-Zeit" zu Ende geht und zu wem die Aufmerksamkeit als nächstes will.
Mit (womöglich noch antrainierter) Höflichkeit hat es m.M.n. nicht zu tun,
sondern mit Einsicht und Erkennen und von mir aus auch mit Reife.
Ein solches Gespräch verläuft ohne diesen berühmten auszehrenden Streß,
daß man quasi darum kämpfen muß, schnell seine paar Brocken anzubringen,
wenn der grad Redende kurz mal Luft holt, oder noch "besser", wenn einfach
lauter drübergebellt wird und letztlich mehrere Leute gleichzeitig reden.
Von einem Miteinander kann dann überhaupt nicht mehr gesprochen werden.
Überhaupt gibt es eine Tendenz, lediglich auf Stichworte zu reagieren und
wie auf Knopfdruck abzuspulen, was einem dazu geradewegs ins Hirn schießt.
Wie aufm Hühnerhof. Gack gack. Beim miteinander reden jedoch hört man zu
und nimmt auf, was der Sprechende sagt und wohin seine Gedanken sich bewegen.
Dabei kommt ein Gefühl von Verbindung auf, und das ist dann energiegebend,
statt um Energie kämpfend sie sich gegenseitig abzusaugen.
LG
Y.