"wenn gott die barmherzigkeit ist, wie kann er dann das leid auf der welt erdulden?"
die populärsten antworten aus der religionsgeschichte:
1. gott selbst ist nicht nur gut, sondern auch böse.
da die welt gut und böse ist, muss auch gott in sich gut
UND böse sein. sonst wäre es nicht zu erklären, wie das böse
in die welt kommt, da es, wäre gott NUR gut, ohne ursprung ist.
diese bereits früh auftretende gnostische ansicht ist heute noch
sehr populär in den neueren geistlichen bewegungen ("new age")
und tritt dort meist als pantheismus (oder genauer: panentheismus)
auf: gott und welt werden holistisch als einheit gedacht bzw. gott
als "energie in der welt" umgedeutet. die neuzeitliche kritik hat
an diesem gottesbegriff kein gutes haar gelassen, weil nicht klar
wird, warum ein "gott" sein muss, wenn dieser ohnehin mit welt
identisch ist.
2. gott ist für das gute zuständig, der teufel für das böse
ebenfalls gnostischen ursprungs, streng dualistisch, wobei es
sich bei dieser konzeption bei genauem hinsehen eigentlich um
eunen polytheismus (es gibt zwei götter!) handelt. in fundamental-
istischen strömungen aller religionen (besonders aber monotheistischer)
ist dies ein oft gebräuchliches denkmodell.
3. gott ist der "ganz andere" - er verfügt in seiner allmacht
ein denkmodell, dass sich u.a. im islam finden lässt: gott ist der
absolut transzendente, der über allen dingen steht und über alle
dinge herrscht. und obwohl gott hier durchaus als einer gesehen
wird, der das gute für den menschen will, behält er es sich doch vor,
vergehen zu betrafen. er zeichnet sich also für das gute und böse
verantwortlich, wobei das böse nicht von ihm seinen ursprung hat,
sondern aus dem handeln des menschen gedeutet wird. die einzige
form für den menschen, dem zu begegenen, besteht in der
unterordnung, im gehorsam dem willen gottes gegenüber.
4. gott ist der "ganz nahe " - auch und gerade im leid
die grundbewegung des religiösen: "mensch geht --> richtung gott"
wird im judentum und später in radikalerer weise noch im christentum
umgedeutet in: "gott geht --> richtung mensch". in christus kommt
dem menschen gott selber entgegen, ohne dabei etwas von seiner
transzendenz zu verlieren. das christentum "erklärt" das leid nicht,
sondern verspricht das unbedingte "mit-sein" gottes in der geschichte
(in der sprache der bibel: "bis zum tod am kreuz hat gott die welt geliebt").
gott geht mit in das leid, ohne mit diesem identisch zu sein, im
gegenteil: er erlöst es erst dadurch, dass er "die liebe ist" ist.
liebe grüsse,
pilger
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