Ja, hier hast Du einen wichtigen Umstand gut erklärt: Sowas wie die eine Todesursache gibt es manchmal schlicht nicht. Und die Bevölkerung besteht nicht nur aus jungen und gesunden Menschen, sondern ist eine Zusammenstellung verschiedener Altersgruppen und Menschen unterschiedlicher gesundheitlicher Stabilität. Und die bezifferung der Lethalität muss auch das berücksichtigen. Die Lethalität einer Erkrankung nur bezogen auf junge und gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen o.ä. - die natürlich geringer ausfallen wird als über den Bevölkerungsquerschnitt, oder gar nur in einem Altenheim gemessen - mag zwar interessant sein, ist aber für soziologische Entscheidungen weniger relevant.
Ein Mensch, der positiv auf Covid19 getestet wurde, und auf dem nach-hauseweg in die Quarantäne einen Autounfall erleidet, an dessen Folgen er stirbt. Tja, ich stimme zu, dass das kein Corona-Toter ist. Er ist ziemlich offensichtlich an den Folgen des Autounfalls gestorben.
Wie sieht es aber mit anderen Umständen aus? Wie sieht es bei folgendem möglichen Fall aus: Ein 90-jähriger Mensch infiziert sich mit Covid19, bekommt daraufhin durch diese Infektion die entsprechende schwere virale Lungenentzündung, an der er letztenlich stirbt. Ist er aufgrund seines Alters oder aufgrund der Infektion gestorben? Ich würde hier ganz klar für letzteres stimmen, obwohl er möglicherweise auch ohne Infektion nur wenige Jahre - möglicherweise auc hnur wenige Monate - später ohnehin an Altersschwäche verschieden wäre.
Oder ein anderer Risiko-Faktor COPD. Diese Erkrankung schränkt die Lungenfunktion mitunter stark ein, so dass die Betroffenen auch eine Lungenentzündung nicht so gut wegstecken. Woran stirbt nun ein COPS-Betroffener, der eine durch Covid19 hervorgerufene Lungenentzündung bekommt? Ist der Tod der COPD oder dem Virus anzulasten? Die Antwort ist einfach: Beides. Dass er COPD hatte, was den Tod bei einer Lungenentzündung stark begünstigt, macht diesen Todesfall nicht weniger anlässlich der Covid19-Infektion. Und da im Bevölkerungsdurchschnitt einige Menschen an COPD leiden, wäre es blödsinnig, diese aus der Sterbestatistik von Covid19 ausschließen zu wollen bzw. bei all denen zu sagen: "Nicht an Covid19 gestorben".
Ganz zynisch könnte man die Covid19-Sterbestatistik auch dahingehend schönfärben, indem man einfach alle Erkrankten auf der Intensivstation erschießt. Die wären dann alle an der Kugel in ihrem Kopf gestorben, und die Schwurbler würden jubeln: "Wir haben es doch gesagt: Ist ganz harmlos, es gibt keine Todesopfer aufgrund von Covid19."
Nehmen wir mal ein anderes Beispiel: Depressionen. Depressionen werden gerne als tödliche Krankheit bezeichnet, weil Betroffene dazu neigen, Suizid zu begehen. Wenn nun ein Betroffener sich selbst erhänkt und so tod vorgefunden wird: Was war die Todesursache? War es die Krankheit der Depression oder war es der Strick um seinen Hals? Wer hier in einem naiven entweder-oder-Denken nur letzteres favourisiert, wird Depression als "harmlose Erkrankung" hinstellen, die das nunmal nicht ist. Tatsache ist: Der Tod wurde durch den Strick um den Hals herbeigeführt, UND die Depressionen sind die Ursache dafür, dass dieser Umstand eintrat. D.h. sowohl der Strick als auch die Depression sind die Todesursache. Der betroffene ist hier tatsächlich auch AN Depressionen gestorben und nicht nur mit.
Ich wiederhole gerne nochmal mein Statement von neulich: Der Einwand, dass "mit Covid19 gestorben" nicht automatisch gleichzusetzen ist mit "an Covid19 gestorben", ist durchaus berechtigt und interessant. Die logische Schlussfolgerung daraus ist aber NICHT, dass "mit Covid19 und einer anderen Vorerkrankung o.ä. gestorben" automatisch "NICHT an Covid19 gesorben" zu bedeuten hat. Die logische Schlussfolgerung daraus ist auch NICHT, dass nur der Verlauf der Erkrankung bei jungen und gesunden Menschen relevant wäre, während eben alle anderen - ältere Menschen und/oder mit Vorerkrankungen - gefälligst aus der Covid19-Statistik rauszuhalten wären.