Das erste Mal, wo ich einem TV live und außerhalb einer Show begegnete, war vor eineinhalb Jahren. Martina hieß er (*Name von der Redaktion geändert) und strahlte mich aus erhabenen 1,90m Höhe an. Blaue Augen, fast perfektes MakeUp, ein Lachen auf den Lippen: "Kommt, ich zeige euch alles.", sprach's und führte uns durch den Club.
Ein Teil in mir wollte lachen, denn Martina war irgendwie schon witzig, ungewöhnlich und doch zugleich zutiefst faszinierend in ihrer Wirkung auf mich als Frau. Oder als Mann? Es war Beide präsent und das auf eine Weise, die mich tief berührte, auch erotisch ansprach, denn der Mann hinter der Maske war nicht weniger atttraktiv als die Frau, die er aus sich gemacht hatte.
Ich habe die kommende Zeit sehr darüber nachdenken müssen, was genau es war, das mich irritierte und was dieser Mann in mir ansprach. Denn es war auch das Weibliche in mir, das berührt wurde, zudem das rein Menschliche in der Begegnung und zeitgleich noch der Mann.
So mag ich mir denken, dass Menschen, die weniger offen sind, die schnell Angst bekommen, ihre eigene sexuelle Identität zu verlieren, sich abwenden wollen, verändern wollen, den Gegenüber, bloß nicht bei sich selbst. Es geht bei dieser Art der Phobie wohl weniger darum, jemanden weghaben zu wollen, als die innere Irritation zu verstehen, die im Moment der Begegnung mit einem solchen Wesen. Nur wie so oft erscheint den Menschen die Lösung im außen viel einfacher zu sein - selbstredend ungerechter.
Männer können wahnsinnig schöne lange Beine haben, brauchen oft keine künstlichen Wimpern und ihre Taille ist trotz der fehlenden Rundungen auf eine ureigene Art charmant und anziehend. Männer können eine zum Verrücktwerden zarte Haut haben, ganz besonders im Kontrast zu den Bartstoppeln, die anzeigen, wessen Körpers Kind tatsächlich in einer weiblichen Verpackung steckt.
Da verbindet sich Ästhetik mit Männlichkeit, ich persönlich finde, dass Männer, die sich gerne pflegen, überhaupt sehr viel anziehender sind als grobe Kerle. Und TVs, die pflegen sich sehr, auch in der Verpackung als Mann, legen viel Wert darauf lecker auszusehen, egal ob sie homo- oder heterosexuell oder auch bi sind.
So sind diese Wesen sicherlich für manch einen sich vollständig als heterosexuell empfindenden Mann eine Bedrohung, ja selbst für manch eine Frau, die sich ihrer eigenen Identität nicht so ganz sicher sein mag...
Sie wecken in mir die elegante Dame, die ansonsten eher verkümmert ihr Leben führt, die ich vernachlässige, weil mir diese Art Frausein im Alltag unwichtig ist. So verändet sich meine Haltung im direkten Kontakt, meine Stimme, mein Auftreten, meine Wortwahl und das ganz von alleine.
Das sind so meine Gedanken und Erfahrungen zu den Conchitas dieser Welt. Ich mag sie, sie dürfen, nein müssen, Teil dieser Welt sein und gehören dazu.
LG
Any