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Antike Stoiker & neuzeitlicher Stoizismus

Dieses Thema im Forum "Religion & Spiritualität" wurde erstellt von Evatima, 16. März 2021.

  1. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Beiträge:
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    Der Stoizismus hat mich wirklich weitergebracht und diese Zitate sind gut ausgewählt von mir und in ihrer tiefen Symbolik sehr wirksam. Vor allem die stoffliche "Durchdrungenheit" ist sehr wichtig für die Umsetzung.
     
  2. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    3.259
    Marcus Aurelius Antonius Selbstbetrachtungen. XII 6+9, X 34.

    "Gewöhne dich auch an Dinge,
    deren Ausführbarkeit du anfangs bezweifelst.
    Fasst du ja auch mit der linken Hand
    dennoch die Zügel kräftiger an als mit der rechten;
    obgleich die linke aus Mangel an Übung gewöhnlich schwächer ist,
    doch hierzu wird sie beständig gebraucht.

    Bei Anwendung deiner Grundsätze
    sei dem Ringer und nicht dem Zweikämpfer ähnlich.
    Dieser nämlich wird niedergestochen,
    sobald er sein Schwert verliert,
    jenem aber steht sein eigener Arm immer zu Gebote,
    und derjenige hat weiter nichts nötig,
    als ihn recht zu gebrauchen.

    Wer von den Grundsätzen der Wahrheit durchdrungen ist,
    für den ist auch der kurze und allseits bekannte Spruch genügend,
    um ihn an ein getrost furchtloses Wesen zu mahnen."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html

    Die Lehre der Stoa weist auf den eigenen intuitiven Zugang zur geistigen Welt hin ohne Hilfsmittel von außen, wie ein Ringer, der sich nur mit den eigenen lebendigen Armen behauptet ohne künstliche, tote Hilfsmittel wie ein Schwert, das nicht Teil von ihm ist, sondern ihm in die Hand gegeben wird als Vorlage und Methode, welche nicht von innen kommt.

    Auch mir erscheinen all die Schwerter der Religionen, spirituellen Systeme, Ideologien und Denksysteme letzten Endes als nicht mehr lebendige, brüchige, erstarrte (Schwert-) Gerüste, die nur wie Pfeile zur Inspiration & Erstorientierung taugen, mehr aber nicht.

    Es ist gut, die Konstrukte zu kennen, aber letztlich gehe ich den Weg des Ringers und nicht des Schwertkämpfers. Es bedeutet, dass nur meine eigenen spirituellen Erfahrungen mich weiterbringen, nichts Angelesenes, keine schöne Theorie. Lieber nicht alles im Schnellgang mit dem Schwert oberflächlich ergründen wollen, dafür profunde eigene Erfahrungen "erringen", die umgesetzt werden und sich in meinem Leben manifestieren. Nur das bringt die Mehrdimensionalität einer qualitativen Weiterentwicklung. Darauf will ich mich künftig noch mehr beschränken, um mehr Tiefe und Höhe zu erfahren.

    Wer bestimmt die Richtung? Der Kutscher oder die Pferde? Es geht letztlich um Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Selbststeuerung.

    Es braucht jedoch eine ausreichend eigenreflektierende lebensthematische "Durchdrungenheit" und Selbstkonditionierung wie beim Reiten & Ringen, damit es sozusagen auf Knopfdruck aktiviert wird, wie es Marcus Aurelius Antonius in seinen Selbstbetrachtungen treffend auf den Punkt bringt.
     
  3. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Interessanter und wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit dem Minimalismus und der stoischen Achtsamkeit, der sich schon bei den antiken Stoikern wie Epiktet, Aurelius und Seneca wiederfindet, ist das GLÜCK. z. B. hier ein Zitat vom römischen Philosophenkaiser Aurelius zum Glück:

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. IV 3, III 5, VII 33.

    "Es steht dir ja frei,
    zu jeglicher Stunde
    dich in dich selbst zurückzuziehen,
    und nirgends finden wir
    eine so friedliche
    und ungestörte Zuflucht
    als in der eigenen Seele.

    Dann findet man die Heiterkeit der Seele,
    wenn man sich gewöhnt,
    der Hilfe von außen her zu entbehren
    und zu unserer Ruhe
    anderer Leute nicht zu bedürfen.

    Man soll aufrecht stehen,
    ohne aufrecht gehalten zu werden!

    Durch Sammlung in sich selbst
    bewahrt dabei die denkende Seele ihre Heiterkeit,
    und die in uns herrschende Vernunft
    erleidet keinen Schaden."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2021
  4. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Zitate des Stoikers Aurelius zu den Stürmen des Lebens:

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
    IV 49, XII 14, II 7, XI 23, XII 22.

    "Wie der Fels im Meere,
    an dem die Wellen unaufhörlich rütteln
    - hier steht,
    sodass ringsum der Brandung Ungestüm sich legen muss
    - so stehe auch du!
    Denke, es sei kein Unglück,
    aber ein Glück ist´s,
    es mit edlem Mut zu tragen.

    So erfreue dich an dem Gedanken, dass du mitten
    in solch einem Wogensturm in dir selbst
    an der Vernunft eine Lenkerin hast.

    Warum dich durch die Außendinge zerstreuen?
    Nimm dir Zeit, etwas Gutes zu lernen
    - und höre auf,
    dich wie im Wirbelwind
    umhertreiben zu lassen.

    Sokrates nannte die Meinungen der Menge Poltergeister,
    Schreckgestalten für Kinder.

    Alles ist Meinung, und diese hängt ganz von dir ab.
    Räume also, wenn du willst, die Meinung aus dem Wege,
    und gleich dem Seefahrer, der eine Klippe umschifft hat,
    wirst du unter Windstille auf ruhiger See
    in den sicheren Hafen einfahren."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html
     
  5. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Zitate des antiken Stoikers Aurelius zum Weg als Sinnbild der Lebensausrichtung:

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. X 12+33, VI 8, V 14, IV 51.

    "Ruhig und doch zugleich leicht beweglich,
    heiter und doch zugleich gesetzt
    – so ist der Mensch, der in allem der Vernunft folgt.

    Denn eben als einen Genuss musst du alles auffassen,
    was du deiner eigenen Natur gemäß wirken kannst.

    Und dies steht überall in deiner Macht.
    Steht es ja bei dir zu untersuchen,
    was im Augenblick zu tun ist.

    Und wenn du das einsiehst,
    wohlwollend und festen Schrittes
    diesen Weg zu wandeln.

    Das nenne ich die Seele
    oder die Herrschaftsführende
    im Menschen,
    was ihn weckt und lenkt,
    was ihn zu dem macht,
    was er ist und sein will,
    und was bewirkt,
    dass alles, was ihm widerfährt,
    ihm so erscheine, wie er es haben will.

    Die Vernunft und die Lebenskunst sind Kräfte, die sich selbst genügen,
    die keinen anderen Richter über ihre Äußerungen haben als sich selbst.
    Sie haben ihr Prinzip und ihre Ziele in sich,
    und richtig heißen ihre Handlungen,
    weil durch sie der rechte Weg offenbar wird.

    Immer wandle den kürzesten Weg, den du zu gehen hast!
    Er ist der natürliche.
    Man folgt da im Reden und Tun nur der gesunden Vernunft.
    Du wirst dich auf diese Weise von mancher Sorge
    und von manchem Ballast befreien."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.htm
     
  6. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Entwickle für Dein Ziel eine klare Vision - wie ein Schiff

    und behalte diese im Fokus,
    indem Du Ablenkungen davon loslässt.

    "Wenn Du ein Schiff bauen willst,
    dann trommle nicht Männer zusammen,
    um Holz zu beschaffen,
    Aufgaben zu vergeben
    und die Arbeit einzuteilen,
    sondern lehre die Männer die Sehnsucht
    nach dem weiten, endlosen Meer."

    (Antoine de Saint-Exupery)

    "Wenn auf einer Seefahrt das Schiff am Lande hält
    und du steigst aus, um Wasser zu holen,
    so magst du wohl nebenher eine Muschelschale auflesen
    oder einen Tintenfisch;
    dein Augenmerk aber muss aufs Schiff gerichtet sein,
    und du musst dich immer wieder umsehen,
    ob nicht vielleicht der Steuermann ruft.
    Ruft er dich, so musst du alles liegen lassen,
    damit du nicht gebunden in das Schiff geworfen wirst,
    wie es mit den Schafen geschieht.”

    (Der Stoiker Epiktet)

    Der Stoiker Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
    VIII 36, VII 29:

    “Lass dich nicht durch die Vorstellung deines Lebens
    *in seiner Gesamtheit* entmutigen!
    Fasse nicht *alle* Leiden, welche vielleicht noch an dich kommen können,
    nach Beschaffenheit und Menge *auf einmal* in Gedanken zusammen,

    sondern frage dich vielmehr bei jedem gegenwärtigen Vorfalle:
    Was ist denn daran eigentlich so gar nicht zu ertragen und auszuhalten?

    Erinnere dich ferner, dass weder das Zukünftige noch das Vergangene,
    sondern immer nur das Gegenwärtige dich drücken könne,
    letzteres aber vermindert werde, wenn du *es allein* ins Auge fasst
    und deine denkende Seele davon überführst,
    dass sie nicht einmal diese *kleine Bürde* aushalten könne.

    Mach den Einbildungen ein Ende!
    Hemme den Zug der Leidenschaften!
    Behalte die Gegenwart in deiner Gewalt!
    Mache dich mit dem, was dir oder einem anderen begegnet, vertraut.
    Trenne und zerlege jeden Gegenstand in seine Ursache und seinen Stoff!”


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html


    Zur "Berg-Perspektive" auf Leben & Arbeitsweise:

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
    X 15, VIII 32, VI 16+35, III 4.

    "Lebe wie auf einem Berg! Bringe in dein ganzes Leben
    und in jede einzelne Handlung Ordnung!

    Es kann sich ein Widerstand erheben,
    vielleicht tritt etwas deiner Tätigkeit in den Weg.
    Doch lässt du dir auch jenes Hindernis gefallen
    und schreitest mit Überlegung fort zu dem,
    was dir noch freisteht,
    so tritt sogleich ein neuer Gegenstand der Tätigkeit an die Stelle
    und wird sich in die Lebensordnung fügen, von der wir reden.

    Denn jede Arbeit will nichts Anderes,
    als die Dinge ihrem Zweck entsprechend gestalten,
    Steht es damit gut bei dir,
    so brauchst du dir um andere Dinge keine Sorgen zu machen.

    Hörst du jedoch nicht auf damit,
    auf eine Menge anderer Dinge Wert zu legen,
    so bist du noch kein freier, selbständiger Mensch.

    Sieh doch, wie der gewöhnliche Künstler
    sich zwar nach dem Geschmack des Publikums richtet,
    aber trotzdem an den Vorschriften seiner Kunst festhält
    und ihren Regeln zu genügen strebt!

    Indem er sich selten und nur in Hinblick auf das allgemeine Beste
    mit dem beschäftigt, was ein anderer sagt, tut oder denkt,
    wendet er seine ganze Tätigkeit seinen eigenen Angelegenheiten zu.

    Und die Bestimmung,
    die ihm die ewigen geistigen Naturgesetze auferlegen,
    ist der beständige Gegenstand seines poetischen Nachdenkens."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html
     
  7. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    16. Februar 2019
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    "Lebe wie auf einem Berg! Bringe in dein ganzes Leben
    und in jede einzelne Handlung Ordnung!

    Es kann sich ein Widerstand erheben,
    vielleicht tritt etwas deiner Tätigkeit in den Weg.
    Doch lässt du dir auch jenes Hindernis gefallen
    und schreitest mit Überlegung fort zu dem,
    was dir noch freisteht,
    so tritt sogleich ein neuer Gegenstand der Tätigkeit an die Stelle
    und wird sich in die Lebensordnung fügen, von der wir reden.

    Denn jede Arbeit will nichts Anderes,
    als die Dinge ihrem Zweck entsprechend gestalten,
    Steht es damit gut bei dir,
    so brauchst du dir um andere Dinge keine Sorgen zu machen.

    Hörst du jedoch nicht auf damit,
    auf eine Menge anderer Dinge Wert zu legen,
    so bist du noch kein freier, selbständiger Mensch.

    Sieh doch, wie der gewöhnliche Künstler
    sich zwar nach dem Geschmack des Publikums richtet,
    aber trotzdem an den Vorschriften seiner Kunst festhält
    und ihren Regeln zu genügen strebt!

    Indem er sich selten und nur in Hinblick auf das allgemeine Beste
    mit dem beschäftigt, was ein anderer sagt, tut oder denkt,
    wendet er seine ganze Tätigkeit seinen eigenen Angelegenheiten zu.

    Und die Bestimmung,
    die ihm die ewigen geistigen Naturgesetze auferlegen,
    ist der beständige Gegenstand seines poetischen Nachdenkens."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html

    Marcus Aurelius Antonius beschreibt in diesem "Berg-Perspektive-Zitat" anschaulich, wie die Dinge danach streben, sich richtig zu fügen und eine neue sinnvolle Anordnung finden, auch wenn sich Hindernisse einstellen, denn diese Fügung entspringt der Natur des göttlichen Wirkens in und um uns.

    Aus diesem Grund stimmt meine selbst entwickelte Handlungsanleitung damit überein, ohne dass ich es darauf abstimmte.

    C. G. Jung hätte den Begriff Synchronizität dafür verwendet. Er hat ja sehr viele unterschiedliche Kulturen und Religionen auf diese gleichbleibenden Muster und Archetypen untersucht.

    Ich nehme die von Marcus Aurelius Antonius beschriebene "Berg-Perspektive" schon länger ein.

    In den beiden unten verlinkten Youtube-Videos 1. Innere & äußere Welten und 2. Samadhi werden parallel zu meiner selbst entworfenen Handlungs- und Zielanleitung sowie zum Stoizismus drei strukturelle Hauptkoordinaten der inneren und äußeren Orientierung wesentlich:

    Kosmos/Gott - Berg/Transzendenz - Leben/Intuition

    Das entspricht genau dem, was mir nach dem großen Loslassen verbleibt als Hauptpfeiler meiner Existenz, die sich für mich als wichtig herauskristallisierten. Ich bin nämlich auch ein Kosmos-Fan. Wie sich in diesen Parallelen zeigt, ist das folgerichtig, was mich in meiner Lebensplanung bestärkt.

    Es geht mir bei den zwei interreligiösen Videos unten (jeweils mit je 2 Teilen zu je 1 Std., also insgesamt 4 Std. beide Videos) allgemein philosophisch um das kollektive Unbewusste in der Annäherung zum Raum-ZEIT-Kontinuum der theoretischen Physik und nicht bezugslos um konkrete religiöse Vorbilder oder Gurus.

    Auf Youtube:

    Cosmic Cine - INNERE WELTEN ÄUSSERE WELTEN - Full Movie Deutsch



    Weisheit-Liebe - Samadhi - Einssein (Doku)

     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2021
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  8. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Auf diesem Berg sieht Marcus Aurelius Antonius einen vernünftig erbauten, stabilen römischen Weg.

    Zitate des antiken Stoikers Aurelius
    zum Weg als Sinnbild der Lebensausrichtung

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. X 12+33, VI 8, V 14, IV 51.

    "Ruhig und doch zugleich leicht beweglich,
    heiter und doch zugleich gesetzt
    – so ist der Mensch, der in allem der Vernunft folgt.

    Denn eben als einen Genuss musst du alles auffassen,
    was du deiner eigenen Natur gemäß wirken kannst.

    Und dies steht überall in deiner Macht.
    Steht es ja bei dir zu untersuchen,
    was im Augenblick zu tun ist.

    Und wenn du das einsiehst,
    wohlwollend und festen Schrittes
    diesen Weg zu wandeln.

    Das nenne ich die Seele
    oder die Herrschaftsführende
    im Menschen,
    was ihn weckt und lenkt,
    was ihn zu dem macht,
    was er ist und sein will,
    und was bewirkt,
    dass alles, was ihm widerfährt,
    ihm so erscheine, wie er es haben will.

    Die Vernunft und die Lebenskunst sind Kräfte, die sich selbst genügen,
    die keinen anderen Richter über ihre Äußerungen haben als sich selbst.
    Sie haben ihr Prinzip und ihre Ziele in sich,
    und richtig heißen ihre Handlungen,
    weil durch sie der rechte Weg offenbar wird.

    Immer wandle den kürzesten Weg, den du zu gehen hast!
    Er ist der natürliche.
    Man folgt da im Reden und Tun nur der gesunden Vernunft.
    Du wirst dich auf diese Weise von mancher Sorge
    und von manchem Ballast befreien."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html

    Der Flow zwischen Zeit-Absorption und erstarrter Zeit
    Ich habe das jetzt etwas länger beobachtet und ausgetestet mit dem Zeiterleben im Alltag, auch in Ruhezuständen, und merkte, dass ich immer etwas im handelnden Flow bleiben muss, um mich gut zu fühlen. Zu viel Tempo oder aber ein krasser Zeit-Stopp oder zeitlupenmäßiges Hemmen des Ablaufs oder Bewusstseins tut mir auf Dauer nicht gut, weil ich mich dann entweder wie absorbiert und aus der Zeit herausgefallen oder aber erstarrt und in der Zeit gefangen fühle. Ein ruhiger, zeitbewusster Flow ist jedoch angenehm, geistig anregend, kraftspendend sowie lebens- und zeitbejahend.

    Wie wir Zeit erleben - Im Strom des Augenblicks
    "Über den Neurologen Bud Craig von der Universität Phoenix erfuhr er, dass die Insula auch entscheidend für das Körpergefühl ist. Craigs Experimente zeigen, dass die Inselrinde wesentlich daran beteiligt ist, alle Empfindungen des Körpers und alle Emotionen wie Wut, Trauer oder Freude permanent zu einem Gesamtzustand zusammenzuführen. Bud Craig spricht von, „global emotional moments“, von globalen Gefühlsmomenten. Für Craig bilden sie die elementaren Bausteine, aus denen sich eine Persönlichkeit über die Zeit hinweg zusammensetzt.

    „Alles, was in Ihnen und um Sie herum geschieht, ist in einem Augenblick zusammengeführt. Wenn Sie diese Augenblicke dann hintereinander setzen, entsteht ein Film. Ich bin fest überzeugt, dass das Gehirn genau das macht: Es erzeugt einen zusammenhängenden Film individueller Momente über die Zeit.“

    Wenn das Zeitgefühl verloren geht:
    Wir erfahren uns als Einheit, weil und solange der kohärente Strom aneinandergereihter Gefühlsmomente nicht abreißt. Auch Bud Craigs Forschungen zum Körpergefühl liefern ein Modell, in dem Dauer und Fluss der Zeit zentral für das Bewusstsein sind."

    Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/wie-...ugenblicks.740.de.html?dram:article_id=341280

    "Ganz ohne Sinn und Ziel neigen Menschen generell zu Depression: »Sie stecken fest in der Zeit.«
    »Zukunftsorientierung führt zu Wohlbefinden.«
    Depressive, aber auch Patienten mit Angststörungen spüren keinen »Flow« mehr,
    also das beglückende Erlebnis, in einer Beschäftigung ganz aufzugehen."

    Quelle: https://sciencenotes.de/alles-wird-gut/aus-der-zeit-gefallen/
     
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  9. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Auf kürzestem Weg, wie es sich bei den geradlinig bauenden Römern als gängige Bauweise erfolgreich etabliert hat, führt die fortlaufend selbst erbaute Römerstraße zur steilen Küste mit Strand, wo nun vor Ort ein Schiff zu errichten wäre für die nächste Etappe.

    Entwickle für Dein Ziel eine klare Vision - wie ein Schiff
    und behalte dies im Fokus,
    indem Du Ablenkungen davon loslässt.

    "Wenn Du ein Schiff bauen willst,
    dann trommle nicht Männer zusammen,
    um Holz zu beschaffen,
    Aufgaben zu vergeben
    und die Arbeit einzuteilen,
    sondern lehre die Männer die Sehnsucht
    nach dem weiten, endlosen Meer."

    (Antoine de Saint-Exupery)

    “Wenn auf einer Seefahrt das Schiff am Lande hält
    und du steigst aus, um Wasser zu holen,
    so magst du wohl nebenher eine Muschelschale auflesen
    oder einen Tintenfisch;
    dein Augenmerk aber muss aufs Schiff gerichtet sein,
    und du musst dich immer wieder umsehen,
    ob nicht vielleicht der Steuermann ruft.
    Ruft er dich, so musst du alles liegen lassen,
    damit du nicht gebunden in das Schiff geworfen wirst,
    wie es mit den Schafen geschieht.”

    (Der Stoiker Epiktet)

    Der Stoiker Marcus Aurelius Antonius,
    Selbstbetrachtungen. VIII 36, VII 29:

    “Lass dich nicht durch die Vorstellung deines Lebens
    *in seiner Gesamtheit* entmutigen!
    Fasse nicht *alle* Leiden, welche vielleicht noch an dich kommen können,
    nach Beschaffenheit und Menge *auf einmal* in Gedanken zusammen,

    sondern frage dich vielmehr bei jedem gegenwärtigen Vorfalle:
    Was ist denn daran eigentlich so gar nicht zu ertragen und auszuhalten?

    Erinnere dich ferner, dass weder das Zukünftige noch das Vergangene,
    sondern immer nur das Gegenwärtige dich drücken könne,
    letzteres aber vermindert werde, wenn du *es allein* ins Auge fasst
    und deine denkende Seele davon überführst,
    dass sie nicht einmal diese *kleine Bürde* aushalten könne.

    Mach den Einbildungen ein Ende!
    Hemme den Zug der Leidenschaften!
    Behalte die Gegenwart in deiner Gewalt!
    Mache dich mit dem, was dir oder einem anderen begegnet, vertraut.
    Trenne und zerlege jeden Gegenstand in seine Ursache und seinen Stoff!”


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.html

    Auch wenn ich nicht so viele andere Stoiker erwähnte neben dem römischen Philosophenkaiser Marcus Aurelius Antonius, hörte ich auch die anderen stoischen Philosophen auf Youtube, wo es viele interessante Hörbücher zu den antiken Philosophen gibt (z. B. zum Stoiker Epiktet).

    Ich MUSS meine Zeit optimieren. Ich bin in meiner Leistungsfähigkeit herabgesetzt aufgrund einer chronischen Schmerzkrankheit. Deshalb muss ich mich optimieren, damit ich trotzdem im Alltag und in meinen Aufgaben und Zielen ausreichend funktioniere. Der Stoizismus bietet gute Lösungen, denn es geht darin vor allem um das Loslassen von unnötig belastenden und kontraproduktiven Sichtweisen. Man kann ziemlich viel erreichen, wenn man mental geklärt ist. Und dabei hilft mir eben die Klarsicht des Stoizismus.

    Vor allem Epiktet geht darin sehr weit als ehemaliger Sklave, der sich seine innere Freiheit in stoischer Ruhe bewahren konnte trotz vielen widrigen äußeren Umständen. Er hat sein Leben sehr stark vereinfacht auf das Wesentliche und sich so neue Handlungsräume geschaffen durch den Abbau der Fesseln, worin wir uns alle unbewusst legen lassen durch die Gesellschaft und den Konsum. Er räumte sein Leben auf, innerlich und äußerlich, und fand eine eigene Übersicht und beherrschbare Ordnung für sein Leben und Umfeld. Genau das will ich für mich auch erreichen.

    Der Stoizismus befasst sich auch sehr eingehend mit dem Sterben und Tod als unausweichliche Zwischenstation nach Drüben. Dazu gibt es aus dem Bereich der Sterbebegleitung eine interessante 50-seitige Arbeit, kostenlos erhältlich über folgenden Titel, den man nur bei Google eingeben muss: Seelische Probleme im Umgang mit Sterben und Tod

    In meiner Ziel- und Handlungsanleitung habe ich für mich eine Art Leitfaden geschrieben, der meine Ziele zusammenfasst und zur spirituellen Ebene bis nach dem Tod reicht. Nicht nur im Sinne von "Was bleibt von mir zurück in dieser Welt an Wirkung?", sondern auch "Wie entwickle ich mich spirituell so weiter, dass es nach meinem Tod bleibt und mich spirituell weitergebracht hat für die nächste spirituelle Ebene der Transzendenz?"

    Folgendes Video hat bei mir ein vertieftes Interesse für dass Thema ZEIT geweckt, spirituell, philosophisch, geistes- und naturwissenschaftlich. Youtube: Zu Glück, Schmerz, Seelenruhe von Lucius Annaeus Seneca

    Seneca hat mir da wirklich eine neue Welt erschlossen, indem ich die Zeit nun viel bewusster wahrnehme. So gesehen werde ich wohl den Rest meines Lebens doppelt ausnutzen, viel mehr als das bisherige Leben, auch wenn ich nie jemand war, der z. B. im Wartesaal kirre wurde. Ich war schon immer eine unbewusste Stoikerin, aber bewusst gelebt ist es schon noch ausgiebiger. Das spürte ich in den letzten Tagen sehr deutlich, wie es mich verändert hat und mich davon abhält, mich zu verzetteln oder meine Zeit zu vertrödeln.

    Bezogen auf den Aspekt der ZEIT in Senecas Werk und meine Haltung zur Zeitthematik bei Seneca:

    Das Ausschlaggebende ist, dass ich mich in einer Lebenssituation befinde, wo ich mit meiner Kraft und auch mit meiner Zeit haushalten muss, um die Anforderungen des Lebens zu bewältigen und meine Ziele Schritt für Schritt zu realisieren. Die Zeit ist für mich wertvoller als für solche, die nicht damit haushalten müssen. Seneca bilanziert genau diesen haushälterischen Aspekt der Zeit. Man muss das ganze Video bzw. Werk gehört/gelesen haben, da Senecas Vortrag gezielt in einer finalen Schlusserkenntnis schlussfolgernd mündet. Einfach so reinhören oder Abschnitte herausziehen, bringt rein gar nichts. Dann bleibt dem Leser/Hörer dieses komplexe Werk verschlossen. Seneca ist genial und es braucht eine erhöhte Lesekompetenz, um ihn zu verstehen. Es braucht sicherlich auch intrinsisches Interesse, durch ihn lernen zu wollen. Der Stoizismus ist eine Sklavenphilosophie. Es braucht eine angemessene Demut dem Leben gegenüber. Seneca hat übrigens maßgeblich zur Befreiung der Sklaven im römischen Reich beigetragen. Ein großer Mann.

    Seneca hat aus seiner Sicht geschrieben, was aber seiner stoischen Lehre nicht abträglich ist. Er war sehr belesen, er lehrte die Stoa, welche damals Staatsphilosophie in Rom war und eine Menge Gutes bewirkte von unten nach oben. Es hat die damalige Gesellschaft des römischen Rechtssystems geprägt. Seneca war ein Mann des römischen Rechts, das auch heute noch im Rechtsstudium von Bedeutung ist. Es sind die Grundpfeiler des heutigen Rechtswesens und der Demokratie. Man kann das nicht genug hoch wertschätzen. Ich bin sehr froh, dass es Männer wie Seneca gegeben hat, deren Werk überliefert ist. Es ist ein Geschenk, das ich gerne annehme, wodurch ich gerne dazulerne. Es macht es umso spannender, die Historie dahinter zu verstehen.

    Youtube: Zu Glück, Schmerz, Seelenruhe von Lucius Annaeus Seneca

     
  10. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

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    Das Schiff ist gebaut, aber der Sturm tobt in der See und prescht in harten Wellen an die ungeschützte Felsküste. Wie die windstille, sichere Hafenbucht abseits vom Sturm als nächstes Ziel erreichen?

    Zitate des Stoikers Aurelius zu den Stürmen des Lebens:

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
    IV 49, XII 14, II 7, XI 23, XII 22.

    "Wie der Fels im Meere,
    an dem die Wellen unaufhörlich rütteln
    - hier steht,
    sodass ringsum der Brandung Ungestüm sich legen muss
    - so stehe auch du!
    Denke, es sei kein Unglück,
    aber ein Glück ist´s,
    es mit edlem Mut zu tragen.

    So erfreue dich an dem Gedanken, dass du mitten
    in solch einem Wogensturm in dir selbst
    an der Vernunft eine Lenkerin hast.

    Warum dich durch die Außendinge zerstreuen?
    Nimm dir Zeit, etwas Gutes zu lernen
    - und höre auf,
    dich wie im Wirbelwind
    umhertreiben zu lassen.

    Sokrates nannte die Meinungen der Menge Poltergeister,
    Schreckgestalten für Kinder.

    Alles ist Meinung, und diese hängt ganz von dir ab.
    Räume also, wenn du willst, die Meinung aus dem Wege,
    und gleich dem Seefahrer, der eine Klippe umschifft hat,
    wirst du unter Windstille auf ruhiger See
    in den sicheren Hafen einfahren."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.htm

    C. G. Jung heilte eine in ZEITDRUCK geratene, schlaflose Lehrerin durch folgendes metaphorisches Bild, das sie sogleich spontan erfolgreich für sich verwerten konnte:

    "Sehen Sie, beim Segeln,
    da kann man sich wunderbar entspannen.
    Sehen Sie, wenn man den Wind von hinten hat
    und man setzt den Spinnaker
    und fährt da leise den See hinauf:
    das ist Entspannung."


    Quelle: kostenloses 49-seitiges PDF zum Gespräch Bender-Jung über Synchronizität S. 37-38:
    https://www.researchgate.net/public...tav_Jung_im_Gesprach_uber_Synchronizitat_1960

    Eine ähnliche heilsame Wirkung gegen die Reizüberflutung und den Zeitdruck hatte folgende stoische Metaphorik auf mich:

    Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen (aus Zitat oben)

    "Sokrates nannte die Meinungen der Menge Poltergeister,
    Schreckgestalten für Kinder.

    Alles ist Meinung, und diese hängt ganz von dir ab.
    Räume also, wenn du willst, die Meinung aus dem Wege,
    und gleich dem Seefahrer, der eine Klippe umschifft hat,
    wirst du unter Windstille auf ruhiger See
    in den sicheren Hafen einfahren."


    In Bezug zur Zeitthematik:

    "Professor Norman Sieroka hofft, dass wir uns des Zusammenhangs zwischen Eigenzeit und Weltzeit bewusster werden, und damit der Auswirkungen persönlicher Entscheidungen auf die Gesellschaft. »Wir merken jetzt, dass unsere Autonomie von ganz kleinen Dingen abhängt.« Vielleicht auch nur von der Entscheidung, wann wir einkaufen gehen.

    Der Psychologe Marc Wittmann vergleicht die Zäsur mit dem Jahreswechsel, der für viele vielleicht sowieso noch nachklingt. »In den besinnlichen Tagen kehren wir uns nach innen, daraus resultieren die Neujahrsvorsätze.« Wir fühlen uns zurückgeworfen auf uns und machen uns Gedanken, wie wir eigentlich leben wollen."

    Quelle: https://sciencenotes.de/alles-wird-gut/aus-der-zeit-gefallen/

    Als Stoikerin habe ich da natürlich Assoziationen zum Stoizismus, deshalb ging ich von Seneca aus, der sich ja intensiv mit der Zeit befasste, dies mit der bilanzierenden Erkenntnis, dass wir eigentlich genug Zeit hätten, wenn wir sie richtig einsetzen würden. Es liegt jeder Moment in unserer Entscheidung.

    Dazu ein passendes Zitat des Stoikers Marcus Aurelius Antonius:
    Selbstbetrachtungen (aus Zitat oben)

    "So erfreue dich an dem Gedanken, dass du mitten
    in solch einem Wogensturm in dir selbst
    an der Vernunft eine Lenkerin hast."


    Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/antonius.htm
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Mai 2021
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