Am Anfang war das Wort

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Vielleicht können wir beim "Wort" noch einen Aspekt hineinnehmen, den wir in der bisherigen Diskussion noch nicht berücksichtigt haben. Ich denke an das wörtliche Wort, als kleinste Einheit der Verständigung zwischen zwei Menschen. Wenn wir es einfach als kleinste bedeutungstragende Einheit betrachten, die in einem durch Konvention zwischen Sprechern festgelegten Verständigungsbereich mit dem Ziel der Verständigung vermittelt, liegt es doch nahe, nach der dahinter liegenden kleinsten Einheit von Begriffen bzw. Bedeutungen zu fragen. Denn bevor ein Wort eine Bedeutung ausdrücken oder vermitteln kann, braucht es einen Begriff über diese Bedeutungen, der durch vorherige Verständigung herausgebildet wurde. Der Blickwinkel wechselt dann vom Wort als Ergebnis einer Begriffsbildung hin zur Begriffsbildung selbst. Die Frage, die sich aufdrängt - jedenfalls für mich - wäre dann, ob Begriffsbildung unabhängig von Verständigung aus einem Subjekt heraus entsteht, also auch unabhängig vom Wort selbst quasi einfach so aus einem subjektiven Geist heraus, oder ob es nicht das Ergebnis eines interaktiven Prozesses zwischen zwei Kommunizierenden ist. Die erste Annahme mündet zwangsläufig in die Ableitung eines Wort-Schöpfers, der aus sich selbst ohne weitere Ursache Worte schöpft. Die zweite Annahme legt ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen mindesten zwei "Gesprächs"-Partnern nahe, aus deren Interaktion Bedeutungen und Begriffe erzeugt werden. Um den Bezug zum Anfangssatz "Am Anfang war das Wort" herzustellen könnten wir diese Aussage auf der Basis der Abhängigkeitsannahme als Gesprächsangebot sehen: Ganz wie in einem gewöhnlichen Gespräch macht Gott mit seiner rätselhaften Aussage ein Gesprächsangebot an uns und durch unser Nachdenken und Suchen nach Antworten treten wir mit ihm in einen Verständigungsprozess, aus dem dann - sozusagen im GEspräch mit Gott - alle unsere Begriffe von der Welt und damit die Welt selbst hervorgeht.

Klingt sicher etwas wirr und vielleicht unlogisch. Ich weiss nicht, ob das nachvollziehbar ist, ich knabber selbst noch dran, aber es macht mir ein wohliges Gefühl mich integriert in eine Verständigung mit Gott zu sehen.
 
"Anfang" deutet dann auf den Anfang einer Beziehung hin. Am Anfang einer Beziehung steht die Begegung zweier Wesen - oder im Falle von "schöpferischer Selbstbefruchtung" die Erschaffung zweier sich gegenüberstehender Wesen, indem sie in Beziehung zu einander treten. Der erste Akt der Schöpfung wäre dann eine gemeinsame Schöpfung zweier Wesen aus ihrer Beziehung zu einander. Die beiden Ur-Wesen sind dann durch ihr In-Beziehung-zueinander-treten erst enstanden.
"War" wäre ein Rückbezug auf den Beginn dieser Ur-Beziehung und ihre Geschichte, die Schöpfung wäre dann kein Geschehen aus dem Nichts heraus sondern das Ergebnis der Verständigung in dieser Beziehung. Und "das Wort" wäre der Akt oder der Träger der Verständigung innerhalb dieser Beziehung, jedoch nicht im Sinne einer Ur-Substanz sondern als Ergebnis dieser Beziehung.

Ich wünschte so, ich könnte mich klarer ausdrücken, aber vielleicht kann jemand meinen Grundgedanken nachvollziehen.
 
Die Teilnehmer der Beziehung wären dann nicht von ihrer Interaktion trennbar, das Wort als Ergebnis ihrer Beziehung nicht ohne den Prozess ihrer Verständigung möglich, die Schöpfung ist dann kein einseitiges Erschaffen aus einer von der Kommunikation der Wesen unabhängigen Urquelle sondern ein ständig stattfindender, lebendiger und sich mit der Qualität der Beziehung ändernder Vorgang.

Warum ändert sich die Schöpfung ständig und bleibt nicht statisch? Weil sich die Qualität der Beziehung und damit auch die Worte, die "getauscht" werden ändert. Warum ändern sich die Worte, die Schöpfungsprodukte? Weil in der Beziehung noch keine vollstänige Verständigung erreicht ist. Wenn vollständige Verständigung erreicht ist müsste die Schöpfung und mit ihr die Beziehung enden.

Sorry, ich lass das grad einfach so sprudeln, wies mir ins Hirn kommt, vielleicht alles Quatsch. Bitte um kritische/entwirrende/weiterführende Ideen!
 
Die Teilnehmer der Beziehung wären dann nicht von ihrer Interaktion trennbar, das Wort als Ergebnis ihrer Beziehung nicht ohne den Prozess ihrer Verständigung möglich, die Schöpfung ist dann kein einseitiges Erschaffen aus einer von der Kommunikation der Wesen unabhängigen Urquelle sondern ein ständig stattfindender, lebendiger und sich mit der Qualität der Beziehung ändernder Vorgang.

Warum ändert sich die Schöpfung ständig und bleibt nicht statisch? Weil sich die Qualität der Beziehung und damit auch die Worte, die "getauscht" werden ändert. Warum ändern sich die Worte, die Schöpfungsprodukte? Weil in der Beziehung noch keine vollstänige Verständigung erreicht ist. Wenn vollständige Verständigung erreicht ist müsste die Schöpfung und mit ihr die Beziehung enden.

Sorry, ich lass das grad einfach so sprudeln, wies mir ins Hirn kommt, vielleicht alles Quatsch. Bitte um kritische/entwirrende/weiterführende Ideen!


Ja, Interaktion und Wortschöpfung, aber da muss ich gleich wieder an das AUM denken und an die vielen heiligen Schriften, in denen ja auch die Verständigung angesprochen wird:
http://www.ruhanisatsangusa.org/deutsche/text_surat_shabd_yoga.htm
 
@Bibo: Deine Gedanken zu Wort, Beziehung und Anfang finde ich sehr schön :)
@Elfenwind: Das AUM ist wohl so eine Art Urwort. Später wurde es zu OM und auch zu AMEN. Von daher gibt es sicher einen sehr deutlichen Bezug zur ersten Aussage im Evangelium des Yohannan.
 
@Bibo: Deine Gedanken zu Wort, Beziehung und Anfang finde ich sehr schön :)
@Elfenwind: Das AUM ist wohl so eine Art Urwort. Später wurde es zu OM und auch zu AMEN. Von daher gibt es sicher einen sehr deutlichen Bezug zur ersten Aussage im Evangelium des Yohannan.


Du meinst das Johannes Evangelium, ja das ist in dem Link unter dem Thread: AUM erklärt- die Schriften der Upanishaden sind nur schon viele Jahrtausende alt.....
Meine Meinung: dieses Wissen ist älter, als wir vielleicht glauben
 
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Das Wort besteht aus den Vokalen und den Konsonanten, also den "rufenden" und den "mitklingenden" Elementen.
Der Kern des Wortes sind daher die Vokale.
In den eleusischen Mysterien wurden die Vokale als das Zentrum angesehen, als das Innerste. Eben da, wo "im Anfang" ist... das griechische "en archei" (im Anfang) ist auch "im Prinzip", "in der Hauptsache".
Und der hebräische Gottesname "JHWH" ist eigentlich eine Möglichkeit, alle Vokale zu schreiben...
IAOUE oder IEOUA z.b. steckt in "Jahwe" und "Jehova", die Römer kannten denselben Gott unter "Jovi", oder "Jupiter", wobei das der "Vater Io" ist, die Verkürzung ist analog zu "Jah" im Hebräischen.

Man könnte "im Anfang war das Wort" eben auch als "im obersten Prinzip wirkten die Vokale" übersetzen, die Vokale oder der Klang allgemeiner als die erste Emanation Gottes verstanden.
So wird "im obersten Prinzip war der Klang, und der Klang war bei Gott" deutlicher, denn so tritt Gott ins Sein ein, durch den Klang.
Und die Fortführung "und Gott war der Klang/das Wort" ist logisch, denn für alle praktischen Erlebensmöglichkeiten IST dieser Klang alles, was im Sein von Gott erlebbar ist.
So wie "JHWH" eben Gott selbst ist, der sich offenbarende Gott.
 
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