Wieso lässt Gott derlei zu?

Ich habe ehrlich gesagt kein Bedürfnis danach mit einer KI über "Gott*" zu diskutieren.
Verstehe ich. 🤷

Aber die KI ist nicht mehr „aufzuhalten“. Sie ist längst Teil unserer Realität – wie das Internet, wie soziale Medien, wie jede größere technologische Zäsur.

Die Frage ist vielleicht weniger, ob wir mit ihr sprechen wollen, sondern wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Integrieren wir sie bewusst – mit ethischen Leitlinien, Verantwortung und Grenzen – oder reagieren wir nur defensiv?

Wir haben auch lernen müssen, unseren moralischen Horizont zu erweitern: Menschenrechte, Frauenrechte, Tierrechte. Jede Erweiterung war zuerst irritierend.

Heißt das, KI bekommt „Rechte“ wie Lebewesen? Das würde ich nicht vorschnell behaupten. Aber wir müssen zumindest klären, welche Verantwortung wir im Umgang mit ihr tragen – und welche Auswirkungen sie auf Denken, Bildung, Spiritualität und Diskurs hat.

Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht:
„Will ich mit einer KI über Gott sprechen?“
Sondern:
„Was sagt es über unsere Zeit, dass solche Gespräche überhaupt möglich sind?“
 
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Ich finde deinen Gedanken vom „göttlichen Funken“ sehr stark. Die Vorstellung, dass Gott nicht fern, sondern im Menschen gegenwärtig ist, verschiebt die Frage tatsächlich: Dann lautet sie nicht mehr „Warum lässt Gott das zu?“, sondern „Warum lassen wir das zu?“

Die Idee, dass das Gute und das Zerstörerische im Menschen wohnen, findet man in vielen Traditionen – ob man sie nun „Elohim“, Islam mit „Allah“ oder im Christentum als Dreifaltigkeit beschreibt. Namen sind vielleicht kulturelle Formen; die Erfahrung dahinter könnte ähnlich sein.

Spannend finde ich jedoch eine Frage:
Wenn Gott nur als göttlicher Funke in uns existiert – was unterscheidet ihn dann vom menschlichen Gewissen? Ist er dann mehr als eine ethische Anlage?

Und noch weiter gedacht:
Wenn das Böse ebenfalls in uns lebt – ist es nur eine Wahlfrage? Oder gibt es Dynamiken (Angst, Trauma, Machtstrukturen), die stärker sind als reine Entscheidung?

Dein Bild, das Böse in einen Stein zu verwandeln, ist poetisch. Aber vielleicht liegt die Herausforderung tiefer:
Nicht das Böse zu verdrängen, sondern es zu erkennen, zu integrieren und bewusst nicht handeln zu lassen.

Vielleicht ist Gott – ob im Menschen oder jenseits davon – genau in diesem inneren Ringen erfahrbar:
Dort, wo wir Macht hätten zu verletzen, aber uns entscheiden zu schützen.

Das würde zumindest erklären, warum die Welt nicht automatisch wundervoll ist – sondern davon abhängt, wie viel Raum wir dem Guten tatsächlich geben.
Dort wo wir die Macht hätten zu verletzen, aber entscheiden zu schützen...
Deine Zeilen tun mir gut jetzt gerade sehr gut, es mildert ein wenig die Hilflosigkeit in mir.
Habe lieben Dank dafür
 
Das ist duales Denken.
"Gut" und "Böse" gibt es mE ausschließlich auf menschliche und tierische (pflanzliche?) Gemeinschaften beschränkt, nicht absolut.
Was einer Gemeinschaft, die gut funktioniert, schadet wird unterschieden von dem, was sie fördert.

Absolut gedacht können es auch schlicht wirkende Kräfte sein, die wir so oder anders erleben (schmerzhaft, wohltuend).....
„Warum erleben wir Wirklichkeit so, dass sie diese Polarität hervorbringt?“

Und noch weiter gedacht:
Wenn es nur wirkende Kräfte sind – woher kommt dann unsere Verantwortung? Warum fühlen wir uns verpflichtet, bestimmte Kräfte zu fördern und andere zu begrenzen?

Vielleicht liegt genau in diesem Verantwortungsgefühl der Punkt, an dem rein funktionales Denken nicht mehr ganz ausreicht.
 
Warum lässt Gott das zu?
Kriege - Hunger - Qual - Mord - usw.?
Warum lassen wir das zu, fördern es teilweise sogar?
und wir können uns entscheiden, wem wir Macht über uns geben.
"Wir" (Wer ist das genau?) können oft eben nicht entscheiden, fürchte ich.
Wer als Bub unter den Taliban indoktriniert und zum Kindersoldaten, Attentäter ausgebildet wird, sich streng an das Gelehrte hält, kann nicht entscheiden.
Wer vor Hunger fast stirbt, ebenfalls nicht.
Das sind extreme Beispiele, woanders ist das Alltag.
"Wir" betrachten die Welt aus einer bestimmten Sicht, weiss, Demokratie, Freiheit. Aber auch bei uns gibt es, nicht nur vereinzelt, viele Menschen, die "böse" handeln, weil sie zB psychische Störungen haber oder in akuter Not sind....
Der Fehler liegt mE in den Systemen selber, die auf Gier und Macht (über andere) aufgebaut sind.
Dagegen könnte man etwas tun (Aktivisten, Wahlen, gezielte Spenden uvm), wenn wir uns nicht ohnmächtig fühlten.......
 
„Warum erleben wir Wirklichkeit so, dass sie diese Polarität hervorbringt?“
Da stellt sich wieder die Frage, was Wirklichkeit ist.
Zum Zeiten Teil Deines Satzes: was einer Gemeinschaft/Idee schadet, wird als "böse" erlebt.....
Und noch weiter gedacht:
Wenn es nur wirkende Kräfte sind – woher kommt dann unsere Verantwortung? Warum fühlen wir uns verpflichtet, bestimmte Kräfte zu fördern und andere zu begrenzen?
Wenn wir uns ohnmächtig, abhängig, ausgeliefert fühlen, werden wir nichts dergleichen tun.
In begrenztem Ausmaß (gibt es den freien Willen?) können wir der Gemeinschaft Förderliches tun. Das nützt uns, Wir sind ja von Gemeinschaft abhängig.... Sonst gehen wir zugrunde.
 
Um sich einzulesen wäre googeln gut. Selbst die KI hat Ahnung davon. Sie schreibt (jeweils in Anführungszeichen) :

"Gott hat den Menschen den freien Willen geschenkt, damit sie bewusst Liebe, Glauben und gute Taten wählen können, statt dazu gezwungen zu werden. Diese Gabe ist Teil der menschlichen Würde und Verantwortung, erfordert jedoch, für die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen (Saat und Ernte) einzustehen."

Eine Blume hingegen reckt sich vollautomatisch nach dem Sonnenlicht. Keine schert aus aus diesem Ballett, sondern alle drehen sich zur Sonne hin. Ein Mensch, der sich vom Göttlichen/Natürlichen/Sinnvollen/Lebensfördernden abwendet, dem geht es über kurz oder lang selber nicht gut; doch er ist frei dazu.

"Der Mensch ist kein Roboter, sondern er kann zwischen Gut und Böse wählen." schreibt die KI weiter und:
"Diese Gabe soll dazu dienen, Gott freiwillig zu lieben und sich in der Gemeinschaft mit anderen zu entfalten."

Daraus ergibt sich: Entscheiden viele oder auch nur wenige, die für dein Leben maßgeblich sind, sich für ein Handeln, welches schlecht für dich ist, dann wirkt sich ihr Tun/ihre Entscheidung beeinträchtigend für dich aus. Besser ginge es dir und ginge es uns allen, würden sie das gute Tun wählen.

Witzigerweise ist das viel weniger moralapostelig als es scheinen mag, sondern genau genommen ist diese Denke sogar ziemlich egoistisch, denn sie dreht sich darum, daß man sich ein gutes Leben wünscht und eben nicht ein Spielball fieser Möpps sein will, die zerstören statt zu pflegen / zu lieben.

:flower2:

Es ist alles nichts Neues - aber dafür braucht es keinen Gott. Auch denke ich, dass es bei dieser Art von Fragen keine KI braucht - ein bisschen selber denken und sich eine eigene Sicht der Dinge aneignen, wird ja wohl noch möglich sein.
Und es ging ja auch an meiner Frage vorbei.

Jeder Mensch hat so viel freien Willen, wie es ihm aufgrund seiner Herkunft, seiner Erziehung und seiner Gesundheit möglich ist. Hätte ein Gott den freien Willen vergeben, dann wäre es wohl ein sehr kurzsichtiger, ungerechter und auch etwas dümmlicher Gott.
 
Ich finde deinen Gedanken vom „göttlichen Funken“ sehr stark. Die Vorstellung, dass Gott nicht fern, sondern im Menschen gegenwärtig ist, verschiebt die Frage tatsächlich: Dann lautet sie nicht mehr „Warum lässt Gott das zu?“, sondern „Warum lassen wir das zu?“

Die Idee, dass das Gute und das Zerstörerische im Menschen wohnen, findet man in vielen Traditionen – ob man sie nun „Elohim“, Islam mit „Allah“ oder im Christentum als Dreifaltigkeit beschreibt. Namen sind vielleicht kulturelle Formen; die Erfahrung dahinter könnte ähnlich sein.

Spannend finde ich jedoch eine Frage:
Wenn Gott nur als göttlicher Funke in uns existiert – was unterscheidet ihn dann vom menschlichen Gewissen? Ist er dann mehr als eine ethische Anlage?

Und noch weiter gedacht:
Wenn das Böse ebenfalls in uns lebt – ist es nur eine Wahlfrage? Oder gibt es Dynamiken (Angst, Trauma, Machtstrukturen), die stärker sind als reine Entscheidung?

Dein Bild, das Böse in einen Stein zu verwandeln, ist poetisch. Aber vielleicht liegt die Herausforderung tiefer:
Nicht das Böse zu verdrängen, sondern es zu erkennen, zu integrieren und bewusst nicht handeln zu lassen.

Vielleicht ist Gott – ob im Menschen oder jenseits davon – genau in diesem inneren Ringen erfahrbar:
Dort, wo wir Macht hätten zu verletzen, aber uns entscheiden zu schützen.

Das würde zumindest erklären, warum die Welt nicht automatisch wundervoll ist – sondern davon abhängt, wie viel Raum wir dem Guten tatsächlich geben.

Wenn Gott der göttliche Funke in jedem Menschen ist und das Böse nur eine zu integrierende Wahlmöglichkeit darstellt, bedeutet das im Umkehrschluss: Gott ist die notwendige Bedingung für die Existenz von Grausamkeit. Wenn ein Kind gequält wird, ist es nach deiner Logik der 'göttliche Funke' im Täter, der die Macht hatt zu verletzen.

Ist Gott also in seinem Kern sadistisch, da er die Energie für das Böse bereitstellt, oder ist der Funke im Täter gar nicht göttlich? Wenn er nicht göttlich ist, bricht dein Modell der universellen Präsenz zusammen. Wenn er göttlich ist, ist Gott böse. Welchen Tod stirbt deine Teorie
 
Wenn Gott der göttliche Funke in jedem Menschen ist und das Böse nur eine zu integrierende Wahlmöglichkeit darstellt, bedeutet das im Umkehrschluss: Gott ist die notwendige Bedingung für die Existenz von Grausamkeit. Wenn ein Kind gequält wird, ist es nach deiner Logik der 'göttliche Funke' im Täter, der die Macht hatt zu verletzen.

Ist Gott also in seinem Kern sadistisch, da er die Energie für das Böse bereitstellt, oder ist der Funke im Täter gar nicht göttlich? Wenn er nicht göttlich ist, bricht dein Modell der universellen Präsenz zusammen. Wenn er göttlich ist, ist Gott böse. Welchen Tod stirbt deine Teorie
Gott in diesem Modell ist nicht böse, sondern die Quelle von Wahlmöglichkeit, die sowohl zur Liebe als auch zur Grausamkeit führen kann.
Die „universelle Präsenz“ bleibt bestehen, weil der Funke immer Potenzial und Verantwortung trennt, nicht Handlung und Schuld.

Die Theorie „stirbt“ also nicht, sie zeigt vielmehr: Echtes Handeln und moralische Verantwortung existieren nur dort, wo Wahl möglich ist – selbst wenn das das Risiko von Leid einschließt.

PS: Ich vermisse dein altes Avatarbild. Hast du eine Ahnung, welches ich meine?
 
Warum lässt Gott das zu?
Kriege - Hunger - Qual - Mord - usw.?

Ich habe diesen Thread noch nicht durchgelesen und vielleicht hat schon jemand anderes darüber geschrieben, ich weiss es nicht, möchte jedoch meine eigenen Gedanken hier lassen.

Zunächst einmal die Frage, wer ist denn Gott? Wo ist er zu finden?
In der Kirche? In den sogenannten Gotteshäusern sicher nicht.
Auch die Frage hat Gott verschiedene Namen? Elohim, Allah,- ist er tatsächlich ein Geistwesen? Die Dreifaltigkeit? Und wie ist es mit dem Teufel? Lebt er wirklich in der Hölle?

Für mich gibt es nur einen Gott und dieser ist in keinem weisen Buch zu finden.
Dieser Gott lebt unter uns, ruht als göttlicher Funken in jedem Menschen. Genau wie das Böse in uns lebt und wir können uns entscheiden, wem wir Macht über uns geben.

Wie wundervoll wäre diese Welt, wenn wir alle nur das Gute in uns leben könnten und das Böse in uns in einen Stein verwandeln könnten.

Dass Utopia nicht mögich ist, hat schon Thomas Morus in seinem Buch erkannt.
Gut und Böse ist nicht immer für alle gleich und auch nicht immer voneinander eindeutig zu unterscheiden. Wenn du so eine Welt haben möchtest, dann müsstest du in Kauf nehmen, dass die Menschen alle gleichgeschaltet werden. Dann gäbe es keine Individualität mehr, keine Kunst, keine Kultur, keine Wünsche, keine Möglichkeit zum Ausdruck eines eigenen Selbst.
 
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..... Und vielleicht ist „des Pudels Kern“ nicht die Erklärung des Leids, sondern die Erkenntnis unserer Begrenztheit – und die Frage, wie wir trotzdem handeln, fühlen und hoffen.

Das ist dann die Stelle, wo sich zeigt, daß es Mut braucht. Mut und Vertrauen. Darauf läuft´s irgendwie immer hinaus.
 
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