Wahrhaftigkeit

"Wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten!" (Rudolf Steiner)

In einem Lesekreis einer Waldorfschule, wo Werke Rudolf Steiners gelesen und diskutiert werden, sprachen wir einmal über das Verhältnis Erkenntnis und Vervollkommnung des Charakters.
In einem ähnlichen Zusammenhang fällt mir immer wieder auf, dass Jugendlichen mit krimineller Neigung ein Selbstverteidigungskurs wie Boxen angeboten wird, aber dies getrennt wird von der Ausbildung einer charakterlichen Reifung. Ist es ausreichend, ohne auf die Reifung Wert zu legen, aber andererseits Boxtechniken zu erlernen? - Oder entsteht die Reifung gar durch Boxtechniken?
Sind Erkenntnis und Vervollkommnung ebenfalls so zu sehen?
 
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Das Gute am Staub

Also, mit den ablehnenden Ansichten über den Staub habe ich meine Schwierigkeiten. "Staub" ist keine wörtliche, sondern eine übertragene Ausdrucksweise. Wenn jemand es schafft oder ich guten Gewissens meine bzw. überzeugt davon bin, dass ich durch jenen Erkenntnis gewinnen kann, dann liege ich ehrfürchtig vor ihm im Staub.

Dem Thema gegenüber einem Meister in oben genannter Art tritt die so genannte Gleichberechtigung entgegen. Sie wird oft auch als Gleichartigkeit gesehen, sie nivelliert die Unterschiede und stellt alle auf gleiche Höhe. - Dies aber macht zunichte, von einem Meister etwas lernen zu können.
 
Dem Thema gegenüber einem Meister in oben genannter Art tritt die so genannte Gleichberechtigung entgegen. Sie wird oft auch als Gleichartigkeit gesehen, sie nivelliert die Unterschiede und stellt alle auf gleiche Höhe. - Dies aber macht zunichte, von einem Meister etwas lernen zu können.
Macht oder denkt man also alles und alle gleich, so ist man gegenüber einem Meister der Weisheit selbst Meister der Weisheit.
 
In einem Lesekreis einer Waldorfschule, wo Werke Rudolf Steiners gelesen und diskutiert werden, sprachen wir einmal über das Verhältnis Erkenntnis und Vervollkommnung des Charakters.
In einem ähnlichen Zusammenhang fällt mir immer wieder auf, dass Jugendlichen mit krimineller Neigung ein Selbstverteidigungskurs wie Boxen angeboten wird, aber dies getrennt wird von der Ausbildung einer charakterlichen Reifung. Ist es ausreichend, ohne auf die Reifung Wert zu legen, aber andererseits Boxtechniken zu erlernen? - Oder entsteht die Reifung gar durch Boxtechniken?
Sind Erkenntnis und Vervollkommnung ebenfalls so zu sehen?

Ich kann Deine Bedenken nur teilen!

Als ob die Seele des aggressiven Jugendlichen einen Satz Sprengstoff enthielte, der, würde man ihn nur gezielt und kontrolliert sich entladen lassen, unschädlich verpuffte.

Ob nun ihr über-aggressives Potential tatsächlich ihrem natürlichen Temperament entspricht oder die Jugendlichen frühkindlich oder karmisch bedingt traumatisiert sein mögen: Die Aggression als solche ist kein mess- und wägbares Quantum, das man wie Müll entsorgen oder wie Wasser verdampfen kann.

Mitunter spielen sogar ausschließlich rein physiologische Faktoren eine bedeutende Rolle für gewisse Formen von Aggression, die man in der anthroposophischen Pädagogik ohnehin vorrangig ins Auge fasst; hierdurch kann manch teure, lange und zuletzt völlig nutzlose "Psycho"-Therapie überflüssig werden. In einigen Fällen genügt sogar bereits eine Umstellung der Ernährung...

Auch wenn vereinzelt Jugendliche gegen subtilere Therapie-Maßnahmen rebellieren, so fühlen sie es doch ganz deutlich, wenn ihnen aufrichtig liebevolle Hilfe zukommen will; und dann werden sie mit wachsender Begeisterung mitmachen.

Weshalb man in der gängigen Aggressionstherapie insbesondere den (Kick-)Boxsport als Mittel der Wahl befindet, liegt, denke ich, auf der Hand: Schließlich äußert sich die Aggression der Jugendlichen zuerst im Schlagen und Zuschlagen, im tätlichen Angriff und Kampf. Zumindest aber sollte dem gesunden Menschenverstand einleuchten, dass die kontrollierte Ab-Reaktion den Aggressionsherd ebenso wenig versiegen lässt wie das allmähliche Ablassen eines Sees dessen Quelle...

 
Ich kann Deine Bedenken nur teilen!

Als ob die Seele des aggressiven Jugendlichen einen Satz Sprengstoff enthielte, der, würde man ihn nur gezielt und kontrolliert sich entladen lassen, unschädlich verpuffte.

Ob nun ihr über-aggressives Potential tatsächlich ihrem natürlichen Temperament entspricht oder die Jugendlichen frühkindlich oder karmisch bedingt traumatisiert sein mögen: Die Aggression als solche ist kein mess- und wägbares Quantum, das man wie Müll entsorgen oder wie Wasser verdampfen kann.

Mitunter spielen sogar ausschließlich rein physiologische Faktoren eine bedeutende Rolle für gewisse Formen von Aggression, die man in der anthroposophischen Pädagogik ohnehin vorrangig ins Auge fasst; hierdurch kann manch teure, lange und zuletzt völlig nutzlose "Psycho"-Therapie überflüssig werden. In einigen Fällen genügt sogar bereits eine Umstellung der Ernährung...

Auch wenn vereinzelt Jugendliche gegen subtilere Therapie-Maßnahmen rebellieren, so fühlen sie es doch ganz deutlich, wenn ihnen aufrichtig liebevolle Hilfe zukommen will; und dann werden sie mit wachsender Begeisterung mitmachen.

Weshalb man in der gängigen Aggressionstherapie insbesondere den (Kick-)Boxsport als Mittel der Wahl befindet, liegt, denke ich, auf der Hand: Schließlich äußert sich die Aggression der Jugendlichen zuerst im Schlagen und Zuschlagen, im tätlichen Angriff und Kampf. Zumindest aber sollte dem gesunden Menschenverstand einleuchten, dass die kontrollierte Ab-Reaktion den Aggressionsherd ebenso wenig versiegen lässt wie das allmähliche Ablassen eines Sees dessen Quelle...

Nicht ohne Grund habe ich dies Beispiel in diesem Thread mit der Frage nach Wahrhaftigkeit angesprochen. Es ergeben sich zwei Seiten. Die eine gibt sich dem Gedanken hin, durch Selbstverteidigungstraining könne man der Aggression der Jugendlichen erzieherisch beikommen. Die andere ist der Jugendliche selbst. Welche beider Seiten dient eher der Wahrhaftigkeit?

Ein wenig ist diese Frage wie ein Quiz bei Günter Jauchs "Wer wird Millionär?", doch hier steht eine ganz andere Qualität im Vordergrund als dröge Fragen, wie viele Städte Nordrhein-Westfalen hat usw.
Man lese noch einmal, was Otto Friedrich Bollnow in seiner Einleitung über Wahrhaftigkeit sagt. Es sei keine Tugend, die sich unmittelbar auf die Welt beziehe, sondern es handele sich dabei um eine, die in besonderer Weise um das Verhalten zu sich selbst gehe. Seine weiteren Ausführungen veranlassen mich dazu, kurz zusammenzufassen, dass Wahrhaftigkeit etwas ist, wie man zu sich selbst steht, inwiefern man sich selber etwas vormacht statt der Welt.
Hier erst beginnt ein "Quiz" lebendig zu werden und die Lebensgeister zu erfüllen.
 
Nicht ohne Grund habe ich dies Beispiel in diesem Thread mit der Frage nach Wahrhaftigkeit angesprochen. Es ergeben sich zwei Seiten. Die eine gibt sich dem Gedanken hin, durch Selbstverteidigungstraining könne man der Aggression der Jugendlichen erzieherisch beikommen. Die andere ist der Jugendliche selbst. Welche beider Seiten dient eher der Wahrhaftigkeit?

Ein wenig ist diese Frage wie ein Quiz bei Günter Jauchs "Wer wird Millionär?", doch hier steht eine ganz andere Qualität im Vordergrund als dröge Fragen, wie viele Städte Nordrhein-Westfalen hat usw.
Man lese noch einmal, was Otto Friedrich Bollnow in seiner Einleitung über Wahrhaftigkeit sagt. Es sei keine Tugend, die sich unmittelbar auf die Welt beziehe, sondern es handele sich dabei um eine, die in besonderer Weise um das Verhalten zu sich selbst gehe. Seine weiteren Ausführungen veranlassen mich dazu, kurz zusammenzufassen, dass Wahrhaftigkeit etwas ist, wie man zu sich selbst steht, inwiefern man sich selber etwas vormacht statt der Welt.
Hier erst beginnt ein "Quiz" lebendig zu werden und die Lebensgeister zu erfüllen.

Eigentlich könnte man diese "Wahrhaftigskeitsschule" schlichtweg auch als Gewissensbildung bezeichnen...
 
Eigentlich könnte man diese "Wahrhaftigskeitsschule" schlichtweg auch als Gewissensbildung bezeichnen...

Vorsicht ... das ist ein üblicher Fehler, der sehr stark in die religiöse Richtung geht ... Wahrhaftigkeit hat mit Gewissen (= ethischer Basis einer Person), bei dem es sich um eine gesellschaftliche Prägung handelt, so überhaupt nichts zu tun.
 
Vorsicht ... das ist ein üblicher Fehler, der sehr stark in die religiöse Richtung geht ... Wahrhaftigkeit hat mit Gewissen (= ethischer Basis einer Person), bei dem es sich um eine gesellschaftliche Prägung handelt, so überhaupt nichts zu tun.
Wahrhaftigkeit sich selbst gegenüber ist nichts anderes als dasjenige, was man als ein reines Gewissen bezeichnet.
 
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