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ApercuCure
Guest
Wie ich die Geschichte lese, so kann ich zu Beginn der Geschichte zwar eine Prüfung der Bittsteller Seitens des Meisters sehen, ob es dem Einen oder Andern wirklich ernst ist, aber kein Verlangen des Meisteres nach "sich vor ihm in den Staub werfen, noch nach Demut", sondern nur das sehnsüchtig tiefe wahre Verlangen nach Unterweisung zur Weisheit bei den Anwärteren zu erkennen, was schon am Anfang der Geschichte klar ist, als der junge Mann, ob der gestellten Frage des Meisters, wegläuft.Immer noch nicht verstanden:
Der Geisteslehrer erwartet seitens des Schülers Demut - aber nicht vor sich selber oder vor der Schule, sondern vor demjenigen, was ihnen allen - Lehrer, Schule und Schüler - heilig sein soll: vor der Weisheit - und damit letzthin vor dem göttlichen Weltengrund.
Wie ich die Geschichte lese, so kann ich zwar eine Prüfung der Bittsteller Seitens des Meisters sehen, ob es dem Einen oder Andern wirklich ernst ist, aber kein Verlangen nach "sich vor ihm in den Staub werfen, noch nach Demut, sondern nur das sehnsüchtig tiefe wahre Verlangen nach Unterweisung zur Weisheit, was schon am Anfang der Geschichte klar ist, wie der junge Mann, ob der Frage, wegläuft.
Ja, so nehme ich das auch wahr. Bis hierhin ist alles klar und auch sehr schön und richtig interpretiert von dir.Es ist sehr wichtig zu wissen, weshalb jener, als ihn der Meister nach seinem Begehren fragte, reagierte wie jemand, der sich urplötzlich auf frischer Tat ertappt sieht, oder, dem einem bedeutsamen Geheimnis, das er sicher verhüllt wähnte, jäh der Schleier fortgerissen wird; denn dermaßen verstört hatte ihn die Art der Ansprache, der zynisch-verächtliche Ton des Meisters. Wie in der Geschichte angedeutet war dieser Zynismus vorgetäuscht, aber dennoch hatte er einen gezielten pädagogischen Zweck: Er diente ihm als ein erstes Prüfungselement für die innere Beziehung zu geistigen Dingen, zur geistigen Welt.
Jedem Menschen sind ideelle Angelegenheiten zueigen, die er um nichts in der Welt, es sei denn ausschließlich engsten vertrauten Freunden oder entsprechend anderen Personen, preisgeben will. Sie gehen ihm über alles, sie sind ihm heilig, und er hält sie vor allem und jedermann unzugänglich verborgen. Wenn er doch einmal davon spricht, dann in einer geheimnisvollen, ehrfürchtigen Anmutung, die im Zuhörer die Empfindung hervorruft, nun in ein tiefes Mysterium andächtig-feierlich eingeweiht zu werden. Aber wehe, wenn das Geheimnis unbefugt ans Tageslicht gezerrt wird! Wie alsdann Scham, Furcht und Zorn den Hüter des Heiligtums durchbeben! - Eben dieses letztere ist dem dritten Anwärter jener Geschichte geschehen: Gottes-Erkenntnis und Weisheit waren ihm so heilig, dass er seine hohe Anschauung darüber und seine innige Sehnsucht danach nicht ohne weiteres vor fremden Menschen kundtun wollte - zunächst nicht einmal vor einer Autorität, von der er wusste, dass diese für seine seelisch-geistige Befindlichkeit vollstes Verständnis gehabt hätte. Was also den Anwärter so heftig verstörte, war, wie gesagt, die Rede des Meisters ihm gegenüber: Das zarte, heiß-innige Gefühl der scheuen Bewunderung und Verehrung für das Geistige, das tatsächlich auch in jenem lebte, hatte dieser scheinbar(!) unverhohlen hervorgekehrt und mit verächtlichem Unterton lächerlich gemacht.
Die Reaktion des Anwärters war dem Meister nun ein erster sicherer Beweis für die Authentizität seiner inneren Haltung, denn Profanisierung und Verunglimpfung bedrängen und verletzen so tief nur ein aufrichtiges, echtes Ehrfurcht-Gefühl. Es handelte sich also um eine gezielte Provokation des Meisters, um eine überraschende, unangekündigte Seelen-Prüfung, die schließlich jenen jungen Mann eindeutig zur esoterischen Schülerschaft prädestinierte.
Man kann davon ausgehen, dass dem Besagten sein Begehren auch ohne Provokation nicht leicht über die Lippen gekommen wäre; zumindest hätte er, wie oben begründet, weitaus bedachter und pietätvoller gesprochen als die beiden anderen, die unmittelbar mehr oder weniger spontan und gerade heraus ihr Anliegen vorbrachten. Bereits diese sozusagen "exoterische" und "normale" Verhaltensweise war dem Meister ein Zeichen, sie erst gar nicht prüfen zu brauchen. Als sie dann zuletzt den dritten ob seiner durch den Meister bewusst provozierten Schmach auch noch belächelten, war dem Meister vollends klar, dass jene diesen Schmerz, da ihnen der sensible seelische Nerv hierzu fehlte,
nicht kennen konnten - und er sie daraufhin nach Hause schickte.
Nur ist es aber keine Demütigung, sondern ein Durchschaut worden sein oder diese Seite an sich offenbart haben. So wie du richtig schriebst: der innersten Dinge, die man sonst niemandem offenbart. Was der Anwärter durchleidet, ist nicht eine/die Demütigung (denn Die hatte nie stattgefunden), sondern der Kampf um Selbst-Vertrauen nochmal vor den Meister zu treten, da die Sehnsucht nach Unterweisung zur Weisheit größer ist, als die Angst, abgewiesen zu werden.Es ist sicher plausibel, bei der unwirschen Behandlung durch den Meisters als von einer Demütigung des dritten Anwärters zu sprechen. Der ganze Verlauf der Geschichte lässt aber durchblicken, dass der Anwärter diese Demütigung als Prüfung versteht und duldsam durchleidet. Er trägt sie dem Meister nicht nach! Im Gegenteil: Jetzt will er Gewissheit und macht sich erneut auf den Weg zum Tempel. - Wie unendlich groß muss sein Verlangen, sein Sehnsuchtsschmerz nach Erkenntnis, nach Weisheit sein, dass er ungeachtet jener Demütigung nach drei Tagen(!) erneut vor den Meister tritt! - Als dieser ihn abermals nach seinem Begehren fragt - nun unverstellt und freundschaftlich entgegenkommend -, bricht aus ihm mit aller Gewalt der ganze Schmerz seines dreitätigen inneren Kampfes hervor: Er fällt zu Boden, und in heißen Tränen ausbrechend fleht er den Meister an, seinen brennenden Durst nach Erkenntnis
und Weisheit zu stillen, ihn in die tiefen Mysterien und Rätsel des Lebens, des Universums und der geistigen Welt einzuweihen... -
Alles schön und gut, aber es geht bei der Geschichte sicher nicht um Demut zu erkennen/zeigen/generieren, sondern das ersichtlich ist, wie du schon selbst schriebst:Ich habe in einem vorherigen Beitrag das Prinzip der Demut definiert: Sie ist primär gekennzeichnet durch Bescheidenheit und Vertrauen. Auch habe ich die größten Hindernisse erwähnt, die eine demütige Gesinnung gänzlich verunmöglichen: Hochmut und Feigheit. Nun prüfen wir mal, ob diese beiden Un-Tugenden bei jenem Dritten vorhanden waren oder nicht: Hätte ihn stolzer Hochmut dazu bewegen können, wiederholt vor den Meister zu treten? Ganz sicher nicht, denn dies hätte er als ihm unwürdige Selbst-Demütigung und "Kriecherei" empfunden! - Und Feigheit? Wohl erst recht nicht: Denn hierbei hätte er befürchtet - und wohl auch begründet -, mit besonderem Nachdruck zurückgewiesen zu werden. - Nein: Bescheidenheit und Vertrauen ließen ihn weder beleidigt-trotzig noch eingeschüchtert sein Verlangen zurückstellen; Selbst-Bescheidung und in sich ruhende Selbst-Sicherheit genug, um eine Absage nicht als höchst-persönliche Demütigung misszuverstehen und sie gelassen hinzunehmen, und Vertrauen in sich selbst, in den guten Meister und in die weisheitsvolle Schicksalsfügung.
um die Authentizität der richtigen inneren aufrichtigen ehrfürchtigen Haltung
und,
dass der Wunsch nach Unterweisung wahrer ist, als die Angst sich zu offenbaren und abgewiesen zu werden.
UND:
Ehrfurcht ist was Anderes wie Demut. Ehrfurcht reicht dem Meister vollkommen aus. Auf Demut ist Der mitnichten aus.
Und ich hoffe echt, dass kein Meister so denkt und von mir so eine Schmach, wie du sie zeichnest, als Prüfung über mich ergehen ließe. Denn dann ist ersie selbst kein Meister.Demütigung ist ein Leidens- und Tatbestand, während Demut eine frei-willig eingenommene Gemüts- und Geisteshaltung darstellt. Demütigung kann zuletzt den freien Willen jedes Menschen brechen; echte Demut hingegen wahrt ihn. -
Was am Ende der Geschichte wie eine völlige Kapitulation des Anwärters aussehen und wie ein Akt der Unterwerfung dem Meister gegenüber wirken mag, entpuppt sich dem richtigen Verständnis als ein Zeichen echter, wahrer, frei-willig gewählter Demut. Und auch der Meister selber erweist sich als ein wahrer Menschenfreund, der die Individualität des künftigen Schülers achtet und würdigt - er richtet ihn auf -, und dessen Geistesblick er von den Trüg- und Trübnissen irritierender Emotionen und Gedankengebilde befreien will, indem er ihm die Tränen aus den Augen wischt. Und vor allem beteuert er seine uneingeschränkte Liebe zu ihm, als er ihn zuletzt in seine Arme schließt und sein warmes Herz an das des andern drückt. -
Nun hoffe ich, die Botschaft ist bei manch anderem angekommen.![]()
Du hast die Geschichte, m. E. n. , selbst nicht ganz durchschaut.