Warum interessiert mich das in dem Moment nicht mehr, wo die Elite bei dem Beispiel des Sprints das Ausschlaggebende ist?
Wenn ich versuche etwas zu relativieren, nur weil ich es gelernt habe eine Statistik anders zu lesen, was aber an den offensichtlichen Fakten wieder vorbei geht.
Wenn ich Dich richtig verstehe, hast Du ähnlich so argumentiert, als Condemn die Statistik der Schwarzen Sprinter anführte.
Ja, denn die Schlussfolgerung, die aus dieser Statistik gezogen wird, ist falsch. Der Satz "Farbige laufen schneller" ist immernoch falsch, weil sich die Verteilungsfunktionen aller Farbiger und aller Weißen wahrscheinlich stark überlappen. Richtiger wäre evtl. der Satz: "Trainierte Farbige laufen schneller als trainierte Weiße." - darum habe ich in einer Antwort an Condemn auch die Aufspaltung in Trainingsklassen erwähnt, die da interessant wäre. Erst, wenn man das alles kennt, kann man anfangen gute und gut belegte Aussagen über die Ursachen zu machen.
Aber wie kann man so argumentieren, wenn es eindeutig ist, dass Schwarze im Durschnitt deutlich schneller laufen können?
Merkst Du nicht, wie schlecht alleine diese Frage formuliert ist? Wir kennen die Verteilungsfunktionen der Laufzeiten von Weißen und Schwarzen nicht. Insofern können wir keine Aussagen machen über "im Schnitt deutlich schneller". Alles, was wir kennen, ist der Medailen-Spiegel. Aus dem können wir aber nichts über Durchschnitt und Mittelwerte etc. ablesen.
Mathematisch ist es sogar überhaupt kein Problem, dass eine Gruppe einen deutlich höheren Elite-Anteil hat, obwohl ihr Mittelwert geringer ist als in der anderen Gruppe - ebenfalls mit Normalverteilungen gerechnet; die Streubreite in der einen Gruppe muss nur ziemlich größer sein, als in der anderen.
D.h. von "im Schnitt deutlich schneller" können wir von den Medailen-Spiegel alleine nicht schließen.
Und aus solchen Statistiken lassen sich ersteinmal nicht die Ursachen für die Unterschiede ablesen. Im Falle des Sprints ist da der Artikel, den Condemn verlinkt hat, interessant, aber wahrscheinlich auch nicht der weisheit letzter Schluss.
Wenn es (glaube) in den letzten 40 Jahren keinen einzigen weißen Sprinter gab, der die Weltmeisterschaft in der Königsdisziplin des 100m Sprints gewann?
Wenn von den 70 Läufern, die die 10 Sekunden Hürde geknackt hatten gerade einmal 1 einziger davon ein weißer war?
Immerhin ein Weißer.
Welche Aussagen können wir daraus ziehen? Nicht die, die hier im Thread teilweise draus gezogen wurden.
Ich habe damit keine Probleme als weißer zu sagen, der Schwarze Mann läuft durchschnittlich schneller als ein weißer. Ich kenne noch mehr Unterschiede. Der Schwarze hat i.d.Regel ein besseres Rhythmusgefühl und ich glaube, das ist das Entscheidende für diese schnellen Sprints.
Bin ich jetzt rassistisch, weil ich das so seh?
Meiner Ansicht nach, bist Du dann rassistisch, wenn Du aufgrund dieser Unterschiede einzelne Individuen der betreffenden Gruppe benachteiligst. Z.B. wenn Weiße nicht mehr im Spitzensport gelassen würden, weil "sie ja eh nicht das hohe Sprint-Niveau erreichen können." ... eine Schlussfolgerung, die in anderen Beispielen in der Geschichte schon getroffen wurde und immernoch wird, die allerdings schlicht und ergreifend FALSCH ist.
Diese Frage kann man erst danach stellen, es ist erst einmal maßgebend, zu sehen, dass diese Unterschiede überhaupt existieren.
... und wie groß bzw. relevant er ist. Und auch dieser Unterschied ist mitunter irrelevant.
Das ist wieder eine dritte Komponente, die man mit den ersten nicht vermischen darf. Ansonsten könnte man sofort alle Gabeln und Messer verbieten, denn es wurden damit schon Menschen getötet.
Genauso, wie es unmoralisch ist, mit Gabeln und Messern andere Menschen zu töten, ist es schlicht falsch, solche Fakten - wie Du es nennst - zu überinterpretieren und daraus dann Aussagen zu formen, die durch diese Fakten gar nicht gedeckt werden. Denn damit wäre es auch unmoralisch, Menschen zu verweigern, den Zutritt zu einer Elite zu versuchen, weil sie zur falschen Gruppe gehören. Das tun Rassisten (und Männer-Rechtler). Wenn Du das nicht tust, bist Du in meinen Augen kein Rassist (und kein Männer-Rechtler), aber Du überinterprtierst die Zahlen immernoch maßlos in einer Art, wie es auch Rassisten tun.
Was quakt und watschelt wie eine Ente, wird oft für eine Ente gehalten. Wer sich nicht als Ente sieht und sich beschwert, für eine Ente gehalten zu werden, sollte sich bemühen, die eigenen Unterschiede zu Enten aufzuzeigen.