Es ist normales menschliches Verhalten zu merken dass jemand anders aus sieht. Egal ob jemand eine andere Hautfarbe hat, rotes Haar hat, zu klein ist usw., dass kann man nicht verhindern und das ist auch nicht die Absicht. Die Absicht ist den Kindern die Stereotypen die über Jahre hinweg aufgebaut wurden, nicht zu vermitteln.
Ich kann nachvollziehen, das Wort Neger in Kinderbüchern zu ersetzen, um zu vermeiden das sich z.B. ein schwarzes Kind verletzt fühlt, dass den Begriff möglicherweise schon sehr früh als diffamierend gelernt hat und damit vielleicht sogar schon diffamierende Erfahrungen machen musste.
Was ich aber nicht glaube ist, dass durch solche Begriffe Rassismus erzeugt wird. Rassismus wird m.A.n. weit subtiler vermittelt. Begriffe können Rassismus transportieren, aber man kann Rassismus auch politisch korrekt ausdrücken, ohne das er an diffamierender Schärfe verliert. Begriffe ersetzen verfehlt m.A.n. letztlich den Kern des Problems, auch wenn ich, wie schon gesagt, kein Problem damit habe wenn damit eine Geschichte nicht verfälscht wird wie es bei Mark Twain der Fall ist.
Was ich dann aber wirklich kritisch sehe ist das Prinzip dahinter. Denn in letzter Konsequenz gibt es einfach unglaublich viele Begriffe oder auch Stereotype (Du sprichst unten ja eines an), die dann alle verändert werden müssten. Die Frage der Grenze ist da sehr entscheidend. Besser: Grenzen - Mehrzahl. Nur mal als Beispiel:
1. Alter: Wir sprechen über Kinderbücher. Konsequenterweise kann man dann aber die Jugend nicht außen vorlassen. Denn beim Thema Rassismus ist sehr oft das Jugendalter zwischen 10 und 15 sehr entscheidend.
2. "Informationsträger": Es geht aktuell um Bücher, aber konsequenterweise kann es dann doch nicht nur darum gehen. Man muss sich auch fragen, wie es bei Musik, TV, Internet etc. aussieht. Dürfen schwarze Rapper noch "Nigger" rappen? Und wenn ja, dürfen weiße Rapper es noch rappen?
3. Thema: Es geht momentan um rassistische Begriffe, aber es gibt ja viel mehr Stereotype und Unterschiede zwischen Menschen die diffamierendes Potential haben. Es gibt Stereotype über Frauen, über Männer, über Haarfarben wie Du unten selbst als Beispiel bringst, über sonstiges Aussehen, Stereotype über Intelligenz usw.
Unterm Strich kann dann wirklich viel auf dem Altar der Political Corectness geopfert werden und die USA zeigen wie weit das gehen kann. Kunst und Unterhaltung wird zu einer manipulativen Art der Pädagogik die letztlich nicht funktionieren wird, weil es zu oberflächlich gedacht ist. Pippi Langstrumpf ist da wirklich ein gutes Beispiel. Wenn man erst mal mit der Political-Corectness-Pädagogik-Aufräumarbeit anfängt, geht einfach vieles verloren. Denn Pippi Langstrumpf ist definitiv kein Vorbild für Kinder wenn man es oberflächlich betrachtet. Tommy hat das ja schon ganz gut erklärt.
Braucht nicht unbedingt nein, aber wenn die Gründe des Rassismus und die Rechtfertigungen dafür erklärt werden, und ich nehme mal an dass die Kinder auch fragen warum man so über bestimmte Gruppen gedacht hatte, müsste man die Stereotypen auch erwähnen, Stereptypen an die Kinder vorher gar nicht gedacht hätten.
Ich weiß nicht genau an welche Stereotype Du jetzt denkst, aber man kann m.A.n. alles kindgerecht erklären und dabei sogar präzise sein. Ich würde es sehr simpel und dabei trotzdem m.A.n. ziemlich korrekt erklären, im Sinne von: Es gibt Menschen, die andere Menschen alleine wegen der dunklen Hautfarbe diffamieren. Auf Nachfrage, wieso das so ist, würde ich schlicht sagen: Weil diese Menschen selbst sehr unzufrieden sind und manchmal sogar Angst vor dem haben das anders ist als sie selbst. Deshalb machen sie das schlecht was anders ist. Das ist simplifiziert, trifft den Kern aber besser als ein Referat über Sklaverei. Denn die Psychologie ist die Ursache, wie es überhaupt zu Sklaverei kommen konnte. Und Rassismus ist sowieso nur ein Beispiel von vielen Möglichkeiten, Menschen aufgrund von "Anderssein" herabzusetzen.
Ich kann dir dazu ein persönliche Beispiel nennen. Ich hatte als Kind knallrote Haare und wurde deshalb manchmal gehänselt. Ich dachte immer die Hänselei wäre nur weil meine Haare rot sind. Mein Vater sagte mir dann eines Tages, die Hänselei wäre gar nichts,ich sollte froh sein dass ich nicht im Mittelalter geboren war, da wäre ich schon lange als Hexe verbrannt worden . Das Teil unserer Geschichte hätte er mir ersparen können, denn da ich erst 7 oder 8 Jahre alt war und ich mir nicht verstellen konnte dass Menschen einfach andere ohne Grund verbrennen würden, bekam ich Angst dass vielleicht was dran war. Und als mich die Kinder wieder gehänselt haben, habe ich mich gewundert ob sie mich vielleicht als Hexe sehen.
Das ist ein gutes Beispiel und ich stimme mit Dir überein, dass Dein Vater sich den Hexen-Part hätte sparen können. Schon deshalb, weil die Kinder Dich sicherlich nicht wegen irgendwelchen "Hexen-Assoziationen" gehänselt haben und irgendeine Ahnung von mittelalterlichen Hexenverfolgungen hatten. Das ist was ich oben meine: Menschen suchen oft nach Aspekten bei anderen die anders sind, bzw. nutzen alle Arten des Andersseins zum Ausgrenzen. Der einzige Junge mit Brille wird dann Brillenschlange genannt, ein Mädchen das etwas dicker ist wird wie auch immer genannt, der Junge dessen Vater bei der Müllabfuhr arbeitet hats möglicherweise auch nicht leicht usw. Zu dick, zu dünn, Brille, falsche Frisur, Haarfarbe, Intelligenz, etc.... Alles kann diffamierend benutzt werden solange es nur anders ist.
Ich finde viel wichtiger zu verstehen, wie es überhaupt zu Ausgrenzung von Menschen kommt. Dann versteht man auch, wie es dazu kommt, das Begriffe diffamierende Wirkung entfalten können. Und dann spricht nichts dagegen, kontaminierte Begriffe zu ersetzen. Aber bisher ist es so, dass man davon ausgehen kann, das momentan als korrekt geltende Begriffe ebenfalls bald als nicht mehr korrekt gelten werden und gleichzeitig sehr viele Begriffe, die früher nicht mit diffamierender Intention benutzt wurden ersetzt werden. Denn die Assoziationen springen über wie Viren. Das Problem Rassismus kriegt man nur in den Griff, wenn die Psychologie verstanden wird. Es gibt aber viele Hinweise darauf, dass das bei Debatten wie dieser ziemlich auf der Strecke bleibt.