Du, Stoppchen mal, es geht hier nicht darum, daß jemand einen anderen mit seinem Sexualleben belästigt.
Ja siehe oben, mein Beispiel - da betreibt eine Company innerbetriebliche Reklame für Schwule, Lesben und Transgenders - und erklärt dazu, dass Verschiedenartigkeit ein kreativer Gewinn für die Firma ist.
Gleichzeitig hat die Company aber ein Riesenproblem mit erstarrten Hierarchien, Machtstrukturen und unterdrückerischen Mechanismen, und mit einem durchweg funktionalisierten und stereotypisierten Menschenbild.
Gegen letzteres kämpfe ich tagtäglich an - ich finde aber den Kontrast, der da entsteht, einfach nur grotesk. Vor allem: ich möchte mich an der Arbeit gar nicht damit auseinandersetzen, wie andere Leute mutmaßlich liebe machen - ich möchte meine Kraft auf die tatsächlich bestehenden Probleme und Mißstände richten (unsinnige Arbeitsabläufe, inkompetente Entscheider, usw.usf.), anstatt auf derartige Scheinschauplätze abzulenken.
Sinngemäß ähnliches gilt womöglich auch für die gesamte Gesellschaft - da ist so einiges im argen, was die freie Entfaltung des Menschen behindert und unterdrückt.
Ich könnte jetzt auch sagen, ich fühl mich belästigt, weil überall in der Werbung, im Fernsehen und weißte nicht wo, Heteropaare auftauchen, meist halbnackt, man überall den Heterosexuellen Lebensstil um die Ohren gehauen bekommt, ob man nun will oder nicht.
Naja, die sind halt dummerweise in der Mehrheit, und dann werden sie auch mehrheitlich in den Medien auftauchen - und wir können nichtmal sagen dass sie auf dem falschen Dampfer sind, sondern die fühlen sich ja ganz wohl auf ihre Art.
Es ist halt die Frage wieviel Minderheitenschutz man haben will...
Gleichstellung heißt nicht nur, daß es nicht strafbar ist als Homosexueller seine Sexualität praktisch auszuüben, Gleichstellung heißt, daß ein Lebensstil so normal ist, wie der andere, nichts exotisches, nichts besonderes, mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und ohne schiefe Kompromisse.
Jein. Ich für meinen Teil bin als Minderheit zufrieden, wenn man mich mein Ding so machen läßt wie ich will, und mich nicht schikaniert oder verfolgt oder behindert.
Eine darüberhinausgehende explizite Akzeptanz der "anderen" zu fordern, halte ich für überzogen - denn die können völlig berechtigt den Standpunkt vertreten dass es ihnen schlichtweg gleichgültig ist.
Ich bin absolut für Vielfalt - in (fast) jeder Hinsicht - aber Vielfalt braucht bestimmte Spielregeln, damit sie funktionieren kann.
Und eine dieser Spielregeln ist, dass niemand mich in meinem so-sein einschränken darf, dass ich aber andersrum auch von niemand verlangen kann dass er irgendein Interesse an meinem so-sein hat.
Was das Familien-Debakel angeht, da finde ich, gleiches Recht für alle: dann sollte auch gleich das Monogamie-Gebot gekippt werden und Vielehen/Wahlverwandtschaften zugelassen, sodass jeder Mensch frei ist, in eben der Beziehungsstruktur zu leben, die er selber gestalten mag.
Idealerweise würde "der besondere staatliche Schutz, unter dem die Ehe steht", auch gleich gekippt werden - ich finde nämlich, dass es den Staat gar nichts angeht, welche art Lebensgemeinschaft man leben möchte, und er da erst recht nicht dreinzureden und irgendwelche Vorgaben zu machen hat.
Nur scheitert das leider daran, dass die Menschen offensichtlich nicht fähig sind, ihren Beziehungskram selber verantwortungsbewusst zu regeln, ohne einen staatlichen Aufpasser - dann hätten wir Ehedramen mit Mord und Totschlag, vernachlässigte Kinder usw.usf.
Es ist da also nicht eigentlich ein Problem irgendwelcher "rechtlicher Gleichstellung", sondern es ist vielmehr ein grundsätzliches Problem mit der Dämlichkeit vieler Menschen, die ein Eingreifen des Staates und also Reglementierungen überhaupt erst erforderlich macht.
Ich gebe ausserdem zu bedenken: spätestens wenn das Staatswesen endgültig pleite ist (und das dauert offenbar nicht mehr lang), dann werden hier die Warlords herrschen, genauso wie anderswo. Und dann ist deine "rechtliche Gleichstellung" auch ziemlich irrelevant geworden.