Tod + Egoismus?

schattensprung

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Huhu!

Beim Grübeln darüber, wie es sich vielleicht anfühlt, wenn ich jemanden ganz bestimmtes durch den plötzlichen Tod verlieren würde...da habe ich gemerkt, daß es doch meistens der eigene Egoismus ist, der uns zum Trauern zwingt, oder? Ich weiß, es hört sich komisch an, aber die Traurigkeit, der Schmerz, das alles kommt doch daher, weil der geliebte Mensch nicht mehr bei uns ist, weil WIR ihn vermissen...ist das nicht auch egoistisch? Bitte versteht mich nicht falsch, es ist ja nur so ein Gedanke, und ich möchte auf keinen Fall denen wehtun, die im Moment (oder auch früher) in Trauer sind!!

Ich kämpfe Tag für Tag gegen meinen manchmal aufkommenden Egoismus an, Liebe sollte altruistisch sein, und doch ist sie meist mehr egoistisch...und so ist es doch auch, wenn wir einen Menschen verlieren...oder?

Ach, ich weiß auch nicht, vielleicht geht mir im Moment einfach viel zu viel im Kopf umher...:confused:

Bitte fühlt Euch nicht angegriffen, denn so ist mein Beitrag bestimmt nicht gemeint!

Liebe Grüße

.:[seth_kind]:. :rolleyes:
 
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the searcher

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hi seth_kind

Trauer entsteht ja durch Erinnerung an Vergangenes, welches wir mit dem Verstorbenen in Verbindung bringen. Seien es Situationen, Freizeit oder einen Lebensabschnitt, welche zusammen verbracht wurden.

Gemeinsam Erlebtes, glückliches oder tragisches, aber auch Versäumtes, Unterlassenes und Unehrliches können die Trauer noch verstärken.

Dass dies von Einem selbst kommt, ist ja selbstverständlich. Die Zurückgebliebenen müssen mit dem Verlust fertig werden. Nicht alles, was aus unserem Innern kommt, hat direkt mit Egoismus zu tun. Sonst wären ja unser ganzes Handeln und unsere Gedanken geradezu der pure Egoismus.

Ich finde, Egoismus sollte - wenn "er" in Grenzen gelebt wird - auch nicht kategorisch als negativ bewertet werden. Egoismus schliesst Nächstenliebe nicht aus.

Die heutige Gesellschaft verlangt nach ein wenig Egoismus. Wenn dieser aber gepaart mit viel Verständnis und Liebe dem Nächsten gegenüber in Verbindung kommt, würde dies die zwischenmenschliche Kommunikation sicherlich verbessern.

In diesem Sinn Trauer, als ureigenes und unverfälschbares Gefühl, mit Egoismus in Verbindung zu setzen, finde ich etwas befremdend.

Alles Liebe
the searcher
 

Luquonda

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Hallo Seth-kind
Du hast schon recht, daß das Gefühl der Trauer sehr viel mit Egoismus zu tun hat...so hart das klingt.
Trauer ist ein Gefühl des Schmerzes über einen Verlust....doch wenn wir wirklich mir jemandem verbunden sind, verlieren wir ihn dann?
Und selbst wenn wir ihn für uns "verlieren", müßte nicht ein liebendes Herz so fühlen, daß es dem anderen sein Bestes gönnt, und nicht an eigenem Verlangen festhält?
Auch den Weg des anderen akzeptiert, ohne ihn bei sich festhalten zu wollen?
Warum spürt man Schmerz, wenn man verlassen wird, sei es nun durch den Tod oder auch so....denn die Trauer darüber ist ähnlich....man muß jemanden loslassen, hat man ihn gebraucht?
Und wenn ja, wofür? Wirklich des Gefühles wegen?
Das Gefühl der Liebe stirbt nicht mit dem Menschen, es bleibt erhalten....doch wenn man den Menschen für die Erfüllung eines Teiles des eigenen Lebens brauchte, fehlt er um so mehr.

Natürlich sehnt sich jeder nach einem geliebten Menschen, ihn auch körperlich um sich zu haben und jeder kennt diesen Schmerz des Getrenntwerdens , da nehme ich mich nicht aus.

Doch ist für mich eine Trauer, die länger nicht überwunden wird, in der man gefabngen bleibt ein Zeichen des nicht loslassenkönnens, des festhaltens aus wirklich egoistischen Gründen.......wenn jeder fühlen würde, wie es sich für die Verstorbenen anfühlt, nicht losgelassen zu werden und nicht weitergehen zu können....festgehalten durch die Überlebenden, würde jeder in Freude die Verstorbenen ziehen lassen, dahin, wo es ihnen gut geht.
Und loslassen heißt nicht, nicht weiterlieben, das ist unabhängig.......lieben kann man ewig weiter.....

Liebe Grüße
Luquonda
 

Dawn

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Egoismus = Selbstsucht/übertriebene Eigenliebe

Ich denke auch, dass man ungern einen geliebten Menschen hergeben will, aus welchen Gründen auch immer.
Doch, ob man das mit Egoismus erklären kann?

Wer verzichtet schon gern auf etwas freiwillig?
Der Tod ist eine Tatsache, mit der wir uns abfinden müssen, ob wir wollen oder nicht.
Ich denke diese unabänderliche Tatsache ist es, die uns Schwierigkeiten macht. Wir werden nicht nach unseren Willen gefragt, wir werden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.
Uns ist jede Handlung aus den Händen genommen worden.
Wir dürfen uns nicht entscheiden, haben keine Wahl.
Und diese Hilflosigkeit macht es, dass wir uns oftmals mit dem Tod eines geliebten Menschen nicht abfinden können.

Dass man vielleicht auch mal Vorteile und Annehmlichkeiten durch den Verstorbenen hatte, z.B., Omi hat immer eine offene Geldbörse gehabt oder konnte so toll backen, was auch immer, ist doch nur vordergründig.
Oftmals hat man noch einige Dinge miteinander zu klären, die nun nicht mehr geklärt werden können, weil einer sich in eine andere Welt verzogen hat. Das hinterläßt Schmerz, Wut, verpaßte Gelegenheiten, Verzweiflung, weil wir nicht mehr handeln können.

Aber das würde ich nicht mit Egoismus vergleichen, sondern mit dem Gefühl, etwas verloren zu haben und keine Chance zu bekommen, die Situation zu ändern.
Das Loslassen können von etwas oder jemand, ist das Thema unseres Lebens. Damit haben wir Schwierigkeiten, ob wir unser Kind allein in die Ferien schicken oder ob der Familienhund erlöst werden muss, es ist mit Schmerz verbunden, etwas loszulassen, etwas aus unserem Handlungsumfeld zu ent-lassen. Dann können wir nicht mehr eingreifen, sind raus, spielen keine Rolle mehr. Das tut unserem Ego nicht so gut, aber wir müssen es lernen, denn erst wenn wir akzeptieren lernen, dass nichts so bleibt, wie es ist, können wir mit der Trauer so umgehen, dass wir mit Liebe und Dankbarkeit an den Verstorbenen denken können und ihm alles Gute in der anderen Welt wünschen.

Außerdem, wer geliebt wurde, stirbt nie, denn er lebt weiter in den Gedanken der Hinterbliebenen.

Gruß Dawn
 

zauberweib

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oweia, kkämpfe doch nicht dagegen an. klar, isses "egoismus". DU fühlst die trauer, den verlust, den schmerz. und wenn dir danach ist, zu heulen oder zu schreien, dann TU DA!

mein vater ist vor knapp zwei wochen gestorben und es hat mich getroffen wie ein schlag... die ganze letzte woche fand irgendwie ausserhalb der zeit statt, da ich mich in dieser zeit nur mit meinem vater, seinem tod und meinen gefühlen (und natürlich meiner familie) befasst habe. es hat so verdammt weh getan, doch hab genau hingehört, hingefühlt. eine mauer vor diesen gefühlen und schmerzen aufzubauen hätte mich zuviel kraft gekostet, und ich weiss nicht, wie ich den zusammenbruch dieser mauer dann verkraftet hätte.

stell dich deinen gefühlen, kann ich dir nur raten... gerade tiefe gefühle werden es irgendwann fordern, dass du dich mit ihnen auseinandersetzt, wenn du sie immer wieder nur verdrängst... und die erfahrung zeigt, dass es leichter geht, wenn man sich dem gleich stellt, als erst nach mehrmaligem verdrängen...
gibt deinen gefühlen, deiner trauer, deinem schmerz den raum die sie brauchen... scheneke ihnen deine ganze aufmerksamkeit... und du wirst sehen, dass sie sich auf ihre weie dankbar erweisen.. indem sie bald von schwieder verschwinden.

für mch war die letzte woche sehr schmerzhaft, aber sie hat mch auch sehr reich gemacht... ich bin daran gewachsen..


alle sliebe
zauberweib
 
R

Raja

Guest
Liebes seth-kind,

ach du mit deinem Egoismus!!! Wenn du um eínen Menschen trauern mußt, hat dies doch nichts mit Egoismus zu tun...
Trauern- um einen geliebten Menschen weinen , mit dem Verlust ringen ist ein extrem wichtiger Bestandteil im Abschied nehmen.

Wem gegenüber bist du egoistisch, wenn du um einen geliebten Menschen weinst?

Nur wenn du dich deiner Trauer stellst, wirst du diesem Menschen die Möglichkeit geben ,einen festen (und vor allem passenden) Platz in deinem Leben und in seinem eigenen Dasein einzunehmen.
Ich denke, daß deine Sorge zu egoistisch gegenüber dem sterbenden Menschen zu sein, vielleicht eher etwas mit Schuldgefühlen dieser Person gegenüber zu tun hat.
(Vielleicht das Schuldgefühl glücklich sein zu können und noch das ganze Leben vor sich zu haben?)

Zermartere dich nicht und sei ganz lieb umarmt

Deine du-weißt-schon-

Raja
 
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schattensprung

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Huhu!

Nicht wundern, habe jetzt nur einen anderen Mitgliedsnamen! :) (Vielen Dank an Walter!)

Raja, Egoismus meine ich deshalb, weil ich ja traurig bin, daß dieser Mensch FÜR MICH nicht mehr da ist...so indirekt, verstehst Du? Weil ICH ihn vermisse..aber Du hast ja auch recht, ich weiß, es waren nur so meine Gedanken, vielleicht sind sie bescheuert! ;) Danke für Deine Umarmung *froi* Und nein, ich denke nicht, daß es etwas mit Schuldgefühlen zu zun hat, vielleicht eher damit, jemanden "nicht einfach gehen lassen zu können", sondern lange Zeit zu trauern...konfus? Ich weiß...mhh...

zauberweib, genau so meinte ich das, weil ICH die Trauer fühle etc...fühl Dich mal gedrückt von mir, der Tod Deines Vaters war und ist bestimmt nicht leicht...vielleicht geht's Dir ja schon ein wenig besser?!

Ich danke Euch für Eure Antworten, Ihr habt mir geholfen! :)

Bye und ein schönes Weekend

schattensprung <-- nicht mehr .:[seth_kind]:.

;)
 
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