Ich habe nicht den ganzen Thread gelesen, nur etwas am Anfang. Bedrängt dich die Furcht vor dem Sterben immer noch so? Als ich jung war, hatte ich große Panik beim Gedanken an meinen Tod. Ich meine, man stellt sich, wenn man denkt "mein Tod" immer unbewusst vor, er wäre jetzt. Wenn man jung ist und noch viel vor hat, ist das einfach nur schrecklich und in der Regel ja auch nicht das, was geschieht. Inzwischen sehe ich es gelassener. Ich habe getan, was ich in diesem Leben tun wollte. Meine Familien-Aufgaben möchte ich noch gerne zu Ende bringen, bis niemand mich mehr braucht. Intuitiv weiß ich, wann es Zeit ist für mich zu gehen, in Zahlen könnte ich es aber nicht ausdrücken. Der Tag steht schon fest, es ist genau der richtige, ich kann einfach darauf zu leben, ohne Furcht und ohne Hast und Eile. Der Tod kommt als Freund.
Herzliche Grüße
Marjul
Hallo Marjul,
hab vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung Deiner Erlebnisse.
Wie sind diese Erinnerungen von der Qualität her? So wie eine Erinnerung, wie gewöhnliche Erinnerungen, also so, daß Du tatsächlich sicher bist, diese Dinge wirklich erlebt zu haben oder mehr so wie Erinnerungen an Träume?
Furcht vor dem Sterben habe ich immer noch, da ich den Ausgang nicht kenne. Ich vertraue natürlich so gut es geht, daß es letztlich in etwas Positives mündet, aber mein Vertrauen ist nicht so grenzenlos, daß ich über die Vorstellung der Möglichkeit eines qualvollen Todes hinwegsehen kann. Es ist einfach Ungewissheit in mir, wie es denn am Ende sein wird. Was ist denn nach dem Tod? Was ist dann im nächsten Leben? Oder endet es endgültig? Bedrohlicher als das Ende des Lebens empfinde ich die Option der Wiedergeburt. Es ist eigentlich sehr schrecklich nicht zu wissen, welches nächste Leben einen erwartet und ich vertraue daher sehr stark auf die buddhistische Philosophie, die besagt, daß es eine Möglichkeit gibt, aus dem Kreislauf von Geburt und Tod auszusteigen. Aber letztlich weiss ich es nicht, ob sie Recht haben, ob ein Ausstieg möglich ist. Ich weiss nur, daß das Leben so wie es mir jetzt erscheint eine Art Hölle ist und ich weiss, daß ich nicht zufrieden bin, so wie es ist. Nicht ich persönlich, das meine ich nicht, "mein" Leben ist schon sehr gut, annähernd perfekt würde ich sogar sagen. Aber was sonst so an Leben um mich herum ist, das kann ich gar nicht gut finden. Und das hat ja nicht grade wenig mit mir zu tun. Ich bin es ja, der es erlebt, wenn auchn nicht immer unmittelbar und persönlich. Aber ich erlebe und sehe überall Zerfall und Tod und Gestank neben einigen schönen Dingen, die aber, wenn man sie mal genauer ansieht auch nichts anderes als Tod und Verderben in sich tragen. Selbst das Schönste was man in diesem Leben so haben und erleben kann ist doch letztlich dem Zerfall ausgeliefert, egal was man nimmt als Beispiel. Ich finde es sehr verrückt, das zu akzeptieren. Zu akzeptieren, daß nun mal alles zerfällt, das nicths von Dauer ist, das man selbst das Angenehmste und Schöneste dieses Lebens nicht festhalten kann - das alles finde ich schon sehr schrecklich, so daß ich mich frage, wie man eigentlich davon reden kann "das Leben zu geniesen" oder es zu nehmen "wie es ist". Das erste ist doch nur eine Betäubung, ein kurzzeitiges Vergnügen und das letzte ist Resignation angesichts von Unwissenheit. Wenn es, wie Du sagst, ein Leben nach diesem Leben gibt und dieses auch nur darin besteht zu kämpfen, schwierige Aufgaben zu meistern um dann doch wieder zu sterben, dann frage ich mich, was denn das Ende von all dem ist. Wenn man an Wiedergeburt, an einen kontinuierlichen Geist glaubt, dann haben doch die Möglichkeiten zu leiden kein Ende, oder? Oder gibt es vielleicht ein Stadium, ab dem wiedergeboren zu werden das reinste Vergnügen ist. Sag selbst, wenn Du bereits so viele Erfahrungen mit so vielen verschiedenen Leben gemacht hast. Gibt es Deiner Meinung nach ein Ende davon? Oder ist es unser Schicksal bis in alle Ewigkeit, immer von neuem in eine Welt des Leidens gespuckt zu werden, zu sterben um dann wieder von vorne zu beginnen?
lG
Bibo