Tut mir Leid Peter, aber wenn das so ist, dann hast du ganz grundsätzlich da etwas einfach falsch verstanden.
Tantra ist so ziemlich das Gegenteil davon sich klein zu machen, wobei auch gesagt werden muss, dass auch im tibetischen Buddhisten die tatsächlichen Tantra-Praktizierenden nicht zwangsweise die "kirchlichen" Mönche - also Gelb bzw. Rotmützen sind. In der Regel ist das aber der Startpunkt. Die tatsächlich an tantrischer Praxis Interessierten suchen sich dann aber selbstständig Lehrer außerhalb der Klöster.
Ich gebe dir aus der Erinnerung den Bericht eines der ersten Tibetreisenden wieder. Der Dalai Lama, der gleich auftauchen wird ist dementsprechend nicht der heutige Dalai Lama, sondern sein Vorgänger, wenn man das so sagen möchte.
Die Erzählung spielt irgendwann in den frühen 1900er Jahren in einer Stadt in Tibet.
Der Dalai Lama ist in der Stadt (ich meine zu einer Feierlichkeit) und der Tibetreisende, selbst Buddhist, aber illegal in Tibet beobachtet das Spektakel aus einiger Entfernung.
Viele Menschen sind gekommen, teils von sehr weit angereist, um im Rahmen der Feierlichkeit den Dalai Lama zu sehen und seinen Segen zu empfangen.
Naja es herrscht also riesiger Betrieb, als dem schildernden Reisenden eine Person auffällt, die völlig ohne Anteilnahme, ehr sogar mit spottendem Blick etwas Abseits sitzt und sich das Spektakel betrachtet.
Die Person ist an dem zerfledderten Zen (eine Art Umhang) klar als tibetischer Buddhist erkennbar, allerdings wirkt ehr schmutzig und trägt, ähnlich wie einige indische Yogis die langen zotteligen Haare zu einem Kneuel um bzw. auf dem Kopf, statt die Haare geschoren.
Etwa so:
http://www.flickr.com/photos/tibetanvideoproject/4632483586/
Unser illegaler Reisender ist in der Stadt in einer Art Gastwirtschaft untergekommen. Solche Gastwirtschaften waren sehr üblich und galten als Ansteuerungspunkt für viele Reisende, Karawanen etc.
Wie es der Zufall so will traf unser Reisender genau diesen Menschen, der da, so arrogant dagesessen hatte in der Gastwirtschaft wieder, in der auch dieser kurzzeitig Unterschlupf gefunden hatte, um sich "Mundvorräte" zusammenzusammeln und es ergab sich mittels Übersetzer ein Gespräch, in dem sich der komische Kauz sehr herablassend sowohl über die Menschen in der Menge, als auch über ihr Idol den Dalai Lama äußerte.
Sehr typisch, machte sich die Person selber klein, wenn sie etwas konkretes zu seiner Praxis gefragt worden ist, nachdem er sich so herablassend geäußert hatte, allerdings nicht ohne zweideutigen Unterton, der keine Zweifel daran ließ, wie es zu verstehen gewesen ist. Der Spott beruht unter anderem auf fehlenden "magischen" Fähigkeiten des Dalai Lama, im Gegensatz zu Naropa und den anbetenden Menschen, die er mit Insekten verglich.
Als sich unser Reisender von dem Typen verabschiedete, wollte er ihm, ebenfalls üblich, eine kleine Spende geben. Der Typ lehnte dies ab, dar er schon ausreichend Vorräte habe. Als der Dolmetscher die Spende einfach trotzdem neben den Typen legen möchte, macht dieser eine nur kleine Bewegung, der Dolmetscher wird erfasst und gegen die Wand geschleudert. Im Laufe der Erzählung wird deutlich, wie besorgt der Dolmetscher, selber Tibeter auch lange Zeit nach diesem Vorfall noch darüber war den Eremiten verärgert zu haben.
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Man muss wissen, dass die spirituelle Praxis in Tibet keinesfalls homogen ist. Da gibt es Gläubige, die ähnlich wie hiesige mal Sonntags in die Kirche gehen, oder zu entsprechenden Feiertagen, sonst aber eigentlich nicht wirklich viel damit zu tun haben. So Geburts und Gewohnheitsgläubige halt.
Aber auch unter den verschiedenen Mystikern (Zauberer zählen da dazu) gibt es krasse Abstufungen hinsichtlich dem, was entsprechend persönlicher Erkenntnis vertreten wird.
Es gibt sicher die sehr philosophischen aber auch kirchlichen, die sich in Niederwerfungen üben. Für die entwickelteren Tantriker ist es aber so, dass man selber zu einem Gott werden müsse, um ans Ziel zu gelangen.
Das ist auch so ein Punkt, der wieder keine Frage für dich wäre, wenn du dich dem mal praktisch nähern würdest. Das ist genau das, wie mit der Sexualität, worüber wir uns in diesem Zusammenhang mal unterhalten haben.
Es gibt da schon sehr früh spezifische auch sexuelle Übungen, in denen man sich selber als eine Gottheit sieht, die Partnerin übrigens ebenso. Solche Übungen sind teils sehr visualisationslastig, teils gefüllt von Leere, wie es manche vllt. aus dem Zen kennen. (Es gibt eine, dem Zen vergleichbare Praxis) und es gibt entsprechende körperliche Übungen.
(Beitrag von oben, allerdings ergänzt... Editierzeit war abgelaufen.)