Mappt nur auf Joeys Aussage der "evidenzbasierten" Wissenschaft. Komischerweise sind Marketing und Werbung nur für die eigenen Methoden evidenzbasiert (und das sogar sehr gut), weniger gut, wenn es um die Werbeaussagen geht. Da lebt sie dann plötzlich von Falschaussagen, Übertreibungen, unbewiesenen Behauptungen .... Auch das ist "Wissenschaft"!
Ich weiß irgendwie nicht so genau, worauf Du hinauswillst ...
Natürlich suggerieren Werbeaussagen Menschen etwas, was nachweisbar nicht haltbar ist (es gibt kein Mittel, daß einen Menschen in zwei Wochen 20 Kilo abnehmen läßt; keines, was alle Falten verschwinden läßt; keines, was blendend weiße Zähne macht und weitere Millionen Beispiele).
Und wenn man dann die Werbeaussage ganz genau betrachtet, dann wird deutlich, daß das ja auch gar nicht gesagt wurde - es ist ein riesiger Unterschied, was Menschen aus bestimmten Aussagen/ bunten Bildchen heraussehen/ herauslesen.
Wenn irgendwo steht "Mittel kann auch ihnen helfen, gesünder, erfolgreicher, glücklicher, schöner ... zu werden", dann ist das nicht mal eine Lüge - es KANN ja schließlich sein (auch wenn das mehr als unwahrscheinlich ist) und WIE das Mittel das macht, ist ebenfalls dahingestellt (es KANN ja auch ein Placeboeffekt sein).
Wenn man diese Aussagen mit ein paar Bildchen von jungen, gesunden, offensichtlich glücklichen Menschen hinterlegt und ein paar "Erfahrungsberichte" einstreut, dann wirkt es noch mal so gut.
All das basiert auf Psychologie und die menschliche Wahrnehmung, Motivation und das menschliche Verhalten ist allerbestens erforscht.
So plaziert die Wirtschaft äußerst "gute" und effiziente Werbung - weder wahr noch falsch (das ist auch gar nicht die Intention), aber ein Ziel wurde erreicht: die Menschen kaufen es.
Nur wenige haben es sich zum Prinzip gemacht, erstmal z.B. Stiftung Warentest oder andere kritische Seiten zu befragen oder aus Prinzip so etwas zu überlesen.
Werbung zu verstehen und zu beurteilen ist Unterrichtsstoff der 5. Klassen in der Schule.
Vorher schon. Im Wesentlichen kann man sagen, dass die Wissenschaft dem römischen Reich in seinem Niedergang gefolgt ist.
Lernen durch Erfahrung ist naturgemäß auf den "erfahrbaren" Bereich beschränkt. Was sich ja auch dadurch zeigt, dass die systematischen Wissenschaften erst begonnen haben, als in Bereiche vorgestoßen wurde, die eben nicht mehr so leicht erfahren werden können (Physik, Chemie).
Letztendlich ist aber die Erfahrbarkeit wiederum eine Funktion der Mess- bzw. Darstellungsmethode. D.h. eigentlich ist systematische Forschung mehr die Entwicklung von Messverfahren, als die tatsächliche Erforschung, wie man z.B. in Institutionen wie CERN sieht.
Lernen durch Überlieferung ist nicht begrenzt. Die gesamte Wissenschaft lernt und lehrt heute ja noch immer mit einer wilden Mischung aus schriftlicher und mündlicher, sogar auch ein bisschen tradierter Überlieferung. Mit allen ihren Vor- und Nachteilen.
Wobei sich daraus ja auch eine spannende Frage ergibt: Wie viel Wissen braucht die Menschheit eigentlich für ihr Überleben?
Es kommt nicht nur auf die Vermittlung reiner Erkenntnisse an, es kommt besonders auf die Fähigkeiten der Menschen an, zu lernen.
Der "Urvater" der Entwicklungspsychologie, Jean Piaget, hat gut aufgezeichnet, daß es unterschiedliche Arten von kognitiven Strukturen gibt, die Lernen ermöglichen - angefangen von einfachem Reproduzieren bis hin zu komplexen Problemlösestrategien.
Und erst diese höhere Stufe ermöglicht es, z.B. dieses überlieferte Wissen nicht nur aufzunehmen, sondern auch zu kritisch beurteilen, aufgrund zahlreicher weiterer Faktoren einzuordnen und zu überprüfen.
Dazu bedarf es aber nicht nur einer entsprechenden kognitiven Struktur, sondern auch der Motivation.
Die Frage ist also nicht, wieviel Wissen (dazu gehören auch unbedingt die "Verarbeitungskapazitäten") BRAUCHT der Mensch nur zum Überleben, sondern eher, wieviel braucht er, um gut zu überleben, sich weiter zu entwickeln, unabhängig zu sein, nicht auf alles hereinzufallen ... .
Aber jetzt kommen wir schon in die philosophische Ecke.