Wer der Ukraine keine Waffen zur Verfügung stellen will, nimmt damit billigend in Kauf, dass diese damit eher früher als später bedingungslos Kapitulieren müsste. Ein Kompromiss, der diesen Namen auch verdient, kommt so sicher nicht raus. Und das macht die Leute, die das so wünschen, zu Putin-Freunden.
Ja, im Endeffekt spielen sie Putin in die Hände, aber das ist entweder nicht, was sie selber glauben, oder sie sind Gesinnungsethiker, die die Konsequenzen hinten anstellen, oder sie denken wiederum, dass eine Niederlage der Ukraine besser wäre als ein Atomkrieg, der demnach angeblich wahrscheinlich bis sicher ist, wenn man Waffen liefert. Oder sie glauben halt, dass man, warum auch immer generell reden soll, weil alle Menschen eigentlich gut sind (oder weil Putin auch eine friedliche Lösung sucht angeblich, ok, das kommt Putin-Freund schon näher, aber nicht notwendig identisch damit), weil Gott dann positiv eingreift (wenn man ihm gefällig handelt, also friedlich) oder warum auch immer.
ABER: Sie sind dann nicht, bzw. nicht deshalb Putin-Freunde, nur weil Putin de facto in der Realität davon profitiert.
Ich weiß, dass das vermutlich keine gute Idee ist, dass hier zum kurzen Exkurs zu machen, aber mit der gleichen Argumentation kann ich die entsprechenden Migrations-Befürworter zu Islamismus-Freunden erklären. Und auch hier sehen das manche anders, nehmen es als Gesinnungsethiker in Kauf, weil man angeblich immer helfen muss, denken dass Gott es regelt, wenn man gut ist usw.
Nun denke ich aber nicht, dass Leute dann notwendig wirklich pro Putin oder pro Islamismus sind, nur weil es aus meiner Sicht jeweils das Ergebnis ist.
Einmal denkst du eben, dass die friedlichste Variante hier ok ist, und einmal soll sie nicht ok sein. Aus meiner Sicht müssen wir in beiden Fällen Schutzmaßnahmen ergreifen. Insofern bin ich für Waffenlieferung und Grenzschutz. Andere denken wir müssen immer die friedliche und freundlichste Lösung suchen, und du wiederum siehst es jeweils unterschiedlich.
Ansonsten sind sie herzlich eingeladen konkret und nachvollziehbar zu erklären, wie in den nachfolgenden Verhandlungen ein echter Kompromiss ausgehandelt werden kann, wenn die Ukraine sich nicht militärisch wehren kann und Putin einfach sagen kann: "Ok, so lange nicht alle meine Bedingungen erfüllt sind, schießen wir weiter."
Ich denke nicht, dass Putin anders reden wird, und ohne Waffen geht nichts, wobei wir eben trotzdem aufpassen müssen, eine Eskalation verhindern müssen. Ein Sieg Putins könnte allerdings auch zu einer Eskalation in einem späteren Krieg führen, auch durch einen möglichen Nachfolger als Falken, der ohne einen militärischen Sieg jetzt keine Chance gehabt hätte. Insofern habe ich ein relativ hohes Eskalationslimit, aber ohne ist es nicht.
Diese Menschen, die gegen Waffenlieferungen sind, sind aber nur eine Teilmenge der Friedenaktivisten. Wie ich schon schrieb: Frieden wollen alle. Ein russischer Diktat-Frieden wäre nur nicht witklich tragfähig. Viele Menschen würden nicht weniger darunter leiden als unter dem Krieg - nur andersartig. Auch als Friedensaktivist kann man sich bewusst sein, dass Frieden durch Wehrlosigkeit ein nicht erstrebenswerter Frieden sein kann.
Ich bin auch für Frieden, aber bin mir sicher, dass es längst genug Leute gibt, die Russlands totale Niederlage herbeiwünschen. Oder wenigstens Putins Sturz (durch den Westen ausgelöst), auch wenn das viel zu riskant wäre.
Naja, Putin kann aktuell sein Land nicht mehr viel verlassen ohne verhaftet zu werden. Auch das ist schon eine Form von "zur Rechenschaft ziehen".
Ja, ungefähr kein Problem damit. Wenn er aber irgendwo zwecks Friedensvertrags auftauchen soll, dann wäre das eben auch so.
Und wenn er sich jetzt heute zurückzieht, und Bedingung ist, dass auch die persönlichen Sanktionen aufgehoben werden... Was soll man machen? Natürlich sollte das dann so passieren.
Verhandlungen können nicht mit perfekter Moral zum Erfolg gebracht werden.
Wenn wir jetzt noch annehmen würden, dass er tatsächlich verhaftet wird, und Russland droht mit dem Weltkrieg, sofern der Staatschef nicht freigelassen wird. Du weißt was passieren müsste...
Selenskyj weiß genau, dass er sämtliches Wohlwollen und Unterstützung mit einem Schlag verspielt hätte, wenn er etwas befiehlt, was über Landesverteidigung hinaus geht.
Im Prinzip schon, aber eine Fehleinschätzung hier, wenn wir solche Langstreckenwaffen liefern, ist potentiell identisch mit dem Ende der (zivilisierten) Welt. Ich sehe schon, warum man zumindest bei ein paar bestimmten Waffensystemen vorsichtiger ist. Generell bin ich wie gesagt und bekannt natürlich dafür, dass die Ukraine auch mit schweren Waffen wie Panzern unterstützt wird.
Ich glaube auch nicht, dass wir Putin nach Den Haag bekommen. Aber es ist schon einiges Wert, dass er nichtso leicht aus Russland mehr raus kommt und somit auch klar kommuniziert ist, was die Mehrheit der Länder global von seinem aktuellen Verhalten hält.
Ja, solange man nicht wie ein Kleinkind alle diplomatischen Kanäle schließt. Zu Plattformen, wo man reden kann, muss Zugriff bestehen.