Dieter Nuhr schreibt auf Facebook ein detailiertes Statement zu dem offenen Brief, den er ja mit unterzeichnet hat, sowie den Reaktionen darauf:
Bemerkenswert finde ich folgende Passagen:
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Um es klar zu sagen: Weder wurde im Brief gefordert, dass sich die Ukraine widerstandslos ergeben sollte, wie den Unterzeichnern, also auch mir vorgeworfen wurde, noch stand im Brief irgendetwas davon, dass die Unterzeichner die russische Kriegsschuld anzweifeln oder irgendwelche Sympathien für Putin hätten. Der Brief fordert allerdings, alles zu unterlassen, was eine Ausweitung des Konflikts auslösen könnte. Dies habe ich unterschrieben.
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Eine Erklärung darüber, die die Ukraine ohne Unterstützung so wehrfähig breiben soll, dass nicht die zeitnahe bedingungslose Kapitulation dabei raus kommt, bringt er aber wieder nicht.
Hier ein Abschnitt, in dem ich Nuhr voll zustimme:
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Wir werden nicht umhinkommen, uns zu fragen, was eskalierende Waffenlieferungen, die den Krieg auf eine neue Stufe heben und die Zahl der Toten in die Höhe treiben, überhaupt bewirken sollen. Wenn der Brief es geschafft hat, eine solche Diskussion anzustoßen, dann war er erfolgreich. Es steht zu befürchten, dass dies nicht der Fall ist. In unserer öffentlichen Diskussion herrscht emotionale Erregung, nicht rationale Abwägung.
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Er hat leider Recht damit, dass die Reaktionen sehr polarisiert ausfallen voller Strohmann-Argumente (Wie eben beispielsweise: "Wenn Du gegen Waffenlieferungen bist, bist Du für Putin." o.ä.) Und in einer solchen Atmosphäre lässt sich leider nicht einfach eine gute rationale differenzierte Diskussion führen.
Zu letzt schreibt er:
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Wie immer in den letzten Jahrzehnten - das lehrt die Geschichte - hat ein Krieg keine Gewinner. Es ist für mich klar, und meines Wissens sehen das auch die anderen Unterzeichner des offenen Briefes so, dass der Angriffskrieg Russland aus Europa und dem Kreis der zivilisierten Nationen herauskatapultiert hat. Ohne Regimewechsel darf es kein zurück zur Normalität mit Russland geben.
Tatsache ist aber auch: Es wird - so weh das tut - keinen Frieden in der Ukraine ohne Beteiligung Russlands geben. Es wird deswegen nicht zu verhindern sein, dass die zivilisierte Welt mit Russland den Dialog suchen muss. Russland ist Atommacht.
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Ich weiß nicht, welche Nachrichten er so geschaut hat, aber der Dialog der "zivilisierten Welt" mit Russland wird laufend gesucht. Der französische Präsident Macron telefonierte (oder telefoniert noch) regelmäßig mit Putin. Mehere Regierungschefs wie auch UN-Generalsekräter Gutterres waren bei Putin. Daneben auch noch Putins persönlicher Freund Gerhard Schröder, der dafür viel Kritik und Häme eingesteckt hat - und, wenn er Erfolg gehabt hätte, wäre er der Held gewesen; zumindest mein Held.
Wie leicht und schnell ein Regime-Wechsel in Russland kommen wird (oder herbeigeführt werden könnte), sei dahin gestellt. Fakt ist leider auch, dass wir global betrachtet auch in anderen Themen auf die Zusammenarbeit mit Russland angewiesen sind; egal, wer da an der Spitze ist. Leider wird das enorm erschwert, wenn man einander nicht vertraut bzw. nicht vertrauen kann. Einen weiteren länger anhaltenden kalten Krieg können wir uns aber eigentlich auch nicht leisten.