Russland greift Ukraine an

+++ 09:51 München entlässt Chefdirigent von Philharmonikern wegen Russland-Nähe +++
Oberbürgermeister Dieter Reiter entlässt den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Waleri Gergijew, wegen dessen Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Gergijew habe sich trotz Aufforderung, sich eindeutig und unmissverständlich von dem Krieg gegen die Ukraine zu distanzieren, nicht geäußert, begründet Reiter den Schritt.

 
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Wenn Europa sich in der Energiepolitik jetzt kurzerhand deutlich abwenden täte, würde Putin wahrscheinlich schnell einlenken, denn die Gaslieferungen sind bei ihm primäres Thema in den Interviews. Er scheint vor allem viel Geld verdienen zu wollen, also dieser Antrieb scheint noch größer zu sein als seine zaristischen Träumereien.

Noch kurz etwas zu dem Thema: Warum Putin die Energie-Exporte in die EU und v. a. nach Deutschland gerne erwähnt, ist, dass er unsere Abhängigkeiten kennt. Zudem weist er immer wieder darauf hin, dass Russland allen Verpflichtungen nachkam. Das ist auch ein Machtspiel und mein Eindruck ist, dass er sich dabei schwer verkalkuliert hat. Seine Gedankengänge könnten gewesen sein, dass wenn er die Ukraine angreift sich die unterschiedlichen Länder der EU untereinander und mit den USA über Fragen zu einigen Sanktionen zerstreiten. Aus seiner Perspektive wirkt die EU nicht geeint, die USA geteilt, die NATO nicht geeint usw. Er hat womöglich unterschätzt, dass genau sein Angriffskrieg zu einer viel weitergehenden Einigkeit führt als wir sie überhaupt je hatten. Diese Einigkeit ist in vielen Bereichen natürlich nicht echt, aber gegenüber Russland ist sie sehr weitgehend Realität. Das wiederum hat dann auch Folgewirkungen, denn nur weil EU und USA und England so geschlossen sind fällt dann z.B. auch ein Land wie die Schweiz um. Die wollten das ja nicht.

Ich glaube, Putin hat sich auf viele Arten schwer verkalkuliert. Das Interessante daran ist: Alle Einschätzungen können in der Tendenz und für die Zeit (vor dem Krieg) weitgehend richtig gewesen sein. Aber wenn ganz viele Einschätzungen ein bisschen falsch sind und die Dynamik unterschätzt wird, dann ist die Gesamtsituation eben doch ganz anders. Und das betrifft viele Themen, u.a. sicherlich auch die Ukraine selbst.
 
Berlin/Hannover. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder haben gekündigt, weil der Ex-Kanzler weiter zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin steht und seine Ämter in der russischen Gas-Lobby hält. Das berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ), zuerst hatte das Nachrichtenportal „The Pioneer“ berichtet. Schröder hat damit kein funktionierendes Büro in Berlin mehr.

 
Zitat:

"Was wir brauchen, ist die Tugend des Verstehens. Verhandeln können immer nur die, die sich in die andere Seite hineinversetzen können, ohne ihren eigenen Standpunkt deswegen aufzugeben. Wir brauchen Putin-Versteher, die deswegen nicht gleich zu Putin-Verteidigern werden.
Finde ich absolut richtig.

Ich weiß nicht ob Gerhard Schröder der Richtige wäre, aber der Gedanke ist richtig. Denn was nützt moralische Empörung und (vermeintliche) Geschlossenheit wenn das zum Teil einer eskalierenden Dynamik wird? Und nein, damit ist nicht gemeint man müsse zurückhaltend oder gar sanft reagieren. Man muss aber pragmatisch verhandeln, und das funktioniert nicht wenn nur Entweder-Oder-Haltungen gestattet sind.
Ein Gerhard Schröder wird von vielen wohl nicht mehr als "der Richtige" gesehen. Ansonsten bin ich wieder dabei.
Wenn man die bisherigen Sanktionen überdenkt, dann gibt es m.A.n. 3 Kategorien:

1) Klar richtig
2) Unklar ob richtig, weil man die Folgen kaum berechnen kann
3) Klar Falsch


Und unter klar falsch würde ich es verbuchen wenn die diplomatischen Türen ausgebaut und zugemauert werden. Wenn eine Haltung entsteht, dass man nur noch mit Russland ins Gespräch kommen will wenn Putin weg ist, dann entsteht eine Abhängigkeit genau davon -- und das wird hier niemand bestimmen können.
Es wäre ein Traum, wenn Putin gestürzt wird, erkrankt oder (wie hier schon vorgeschlagen) aus dem Fenster fallen würde.
Wird aber möglicherweise so schnell nicht passieren. Also mauern wir doch besser die Türen der Diplomatie nicht zu. Wir können sie ja mal laut zuschlagen, aber einen Spalt öffnen sollte man sie immer wieder.
 
Gerhard Schröder könnte zum Beispiel so einer sein. Er hat Putins Handy-Nummer. Anstatt ihn aus der Partei zu werfen, sollte die Kanzlerpartei ihn zum Sonderbotschafter ernennen. In der Raserei der Selbstgerechtigkeit übersehen wir schnell die, die noch einen Draht zum Feind haben. Genau der aber ist überlebensnotwendig. Denn am Ende heißt das einzig mögliche Ziel jeder Auseinandersetzung: friedliche Koexistenz. Ob mit oder ohne Putin spielt dabei keine Rolle."


Ich weiß nicht ob Gerhard Schröder der Richtige wäre, aber der Gedanke ist richtig. Denn was nützt moralische Empörung und (vermeintliche) Geschlossenheit wenn das zum Teil einer eskalierenden Dynamik wird? Und nein, damit ist nicht gemeint man müsse zurückhaltend oder gar sanft reagieren. Man muss aber pragmatisch verhandeln, und das funktioniert nicht wenn nur Entweder-Oder-Haltungen gestattet sind.

Ja, dachte auch, dass es unproduktiv ist, von Schröder irgendwelche Distanzierungen zu fordern.

Der Ex-Kanzler konnte gut mit Putin, und wäre zumindest ein möglicher erfahrener Verhandlungsführer.
Da wäre es auch sinnvoll, wenn er sich zuvor nicht komplett von Putin abwendet.
 
Ja, dachte auch, dass es unproduktiv ist, von Schröder irgendwelche Distanzierungen zu fordern.

Der Ex-Kanzler konnte gut mit Putin, und wäre zumindest ein möglicher erfahrener Verhandlungsführer.
Da wäre es auch sinnvoll, wenn er sich zuvor nicht komplett von Putin abwendet.

Ja, ich habe nicht mal seinen Gazprom-Job besonders kritisch gesehen. Einerseits ja, denn natürlich hat es einen Beigeschmack wenn ein Ex-Bundeskanzler zum Lobbyisten wird. Aber solange keine Gesetze übertreten werden ist das eben so. Vor allem glaube ich aber, Schröders Motiv war nicht nur einfach für Geld. Ich glaube, dass ein Gedanke durchaus war das wirtschaftliche Beziehungen insgesamt stabilisierend wirken. Nun denken viele das sei falsch, bzw. habe sich als Irrtum erwiesen. Der Gedanke selbst ist grundlegend aber nicht falsch, und Schröder jetzt als den großen Buhmann hinzustellen, während die EU insgesamt und Deutschland im Besonderen einen Großteil aller Energie von Russland kauft, ist schon sehr heuchlerisch.

Was heute so verrückt ist: Es wird als super moralisch angesehen wenn viel verurteilt wird, wenn Symbolpolitik betrieben wird und jeder Handschlag mit der falschen Person noch Jahre später zum Aufmacher werden kann. Gleichzeitig werden engere Beziehungen, wie sie z.B. zwischen Kohl und Jelzin bestanden oder auch zwischen Schröder und Putin, als anrüchig angesehen. In Wirklichkeit sind es aber genau solche Beziehungen die Chaos verhindern können. Der Westen isoliert sich u.a. auch mit dieser Doppelmoral selbst. Denn real ist die ja sowieso nie. Sonst würden die ganzen Geschäfte ja gar nicht gemacht. Und würden die mit Russland nicht gemacht, wollte man tatsächlich sauber sein, dann könnte man kaum noch mit irgendeinem Land geschäftliche Beziehungen pflegen. Saudi Arabien, USA, China, Türkei, usw... die Beispiele sind endlos.
 
Was heute so verrückt ist: Es wird als super moralisch angesehen wenn viel verurteilt wird, wenn Symbolpolitik betrieben wird und jeder Handschlag mit der falschen Person noch Jahre später zum Aufmacher werden kann. Gleichzeitig werden engere Beziehungen, wie sie z.B. zwischen Kohl und Jelzin bestanden oder auch zwischen Schröder und Putin, als anrüchig angesehen. In Wirklichkeit sind es aber genau solche Beziehungen die Chaos verhindern können. Der Westen isoliert sich u.a. auch mit dieser Doppelmoral selbst. Denn real ist die ja sowieso nie. Sonst würden die ganzen Geschäfte ja gar nicht gemacht. Und würden die mit Russland nicht gemacht, wollte man tatsächlich sauber sein, dann könnte man kaum noch mit irgendeinem Land geschäftliche Beziehungen pflegen. Saudi Arabien, USA, China, Türkei, usw... die Beispiele sind endlos.

Wir sind in einem Zeitalter, wo es eine Obsession mit politisch korrekter Sprache und "Virtue Signalling" gibt. Solange man die verwendet, ist der Rest zweitrangig.

Ich war/bin auch nicht begeistert über Schröder, aber solange man nicht glaubt, dass er illoyal zu Deutschland ist, wäre eine solche Rolle durchaus denkbar.
 
Das war ja auch der Grund, warum der Bundesrat in der Schweiz trotz innenpolitischem Druck durch den Nationalrat und der Mehrheit der Parteien zögerte, die Wirtschaftssanktionen im vollen Modus mitzumachen, um eben Putin noch einen diplomatischen Weg zum Westen offen zu halten. Allerdings hat jetzt der Bundesrat eingesehen, dass dies wohl erst nach Wirkung der Wirtschaftssanktionen bei Putin anschlagen wird, also wenn er runterkommt von seinem Kriegstrip und er wirklich von sich aus Interesse hat für den friedlichen Weg. Es wurden in der Schweiz auch Konten von Putin gesperrt. Wie viel da noch drauf war, wurde nicht kommuniziert.
 
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Aus dem Link:

«Die russische Führung war überzeugt, dass die ukrainische Regierung sofort zusammenbricht, dass Präsident Selenski zurücktritt und sich irgendwo versteckt. Und dass Russland dieses Vakuum spielend füllen, neue Leute einsetzen und Wahlen abhalten kann», sagt Tatjana Stanowaja. Dieser Plan ist gescheitert.
Jepp. Und offenbar versucht er es jetzt mit der Brechstange.
 
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